Ein Buch für ganz besondere Momente

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Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein mit dem Goldenen Buch der Stadt Altena. ▪

von Johannes Bonnekoh - ALTENA - „Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident, hat sich hier eingetragen“, sagt Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Das war 1958 – und noch heute, 52 Jahre später, hat das Goldene Buch der Stadt viele freie Seiten, „denn“, so fügt das Stadtoberhaupt an, „wir gehen mit der Eintragung schon sparsam um.“ Und zum Beweis schlägt Hollstein die vorerst letzte Seite des in braunes Schweinsleder gebundenen Buches auf. Am 15. Juni 2008 trugen sich hier die Bürgermeister von Altenas Patenstädten ein, die auf Besuch in der Burgstadt waren.

Wer die leicht angegilbten und mit Goldschnitt versehenen Seiten des rund 1,5 Kilogramm schweren Buches in die Hand nimmt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Denn es sind große Namen, gekrönte Häupter, Kirchenführer und nicht selten Politiker von Rang und Namen, die sich im Laufe der Jahrzehnte in das Goldene Buch der Stadt eingetragen haben.

„Der Willy Brandt war hier. Helmut Schmidt auch. Oder Oliver Wittke als NRW-Verkehrsminister bzw. Annemarie Renger als damals dritte Frau im Staate“, sagt das Stadtoberhaupt beim Durchblättern des Buches. Es wurde in einem heimischen Fachbetrieb „von einem meiner Vorgänger in Auftrag gegeben, wer das war, keine Ahnung“, sagt Hollstein und lacht. „52 Jahre sind schließlich eine lange Zeit.“

Heute hütet er das Buch, das Geschichte spiegelt, weitestgehend selbst oder überlässt es der Obhut von Chefsekretärin Gundula Schulze. Die weiß natürlich sofort, wo das geschichtsträchtige Werk steht und könnte zu vielen Namen und Signets, die ihm immer wieder neu Leben einhauchen, Geschichten erzählen. Etwa zum Besuch von Dr. Reinhard Schweppe und seiner Gattin anno 2003. Denn der Botschafter „ist ein Altenaer Junge, der im Diplomatischen Dienst Karriere gemacht und uns hier aber nie vergessen hat“, sagt Gundula Schulze.

Auch bei ihr umspielt plötzlich ein Lächeln das Gesicht. „Wir sind seit Jahren mit der Besatzung des Schnellboots Frettchen befreundet“, erzählt sie. Und anno 2008, als am 29. März eine Abordnung unter Leitung von Kapitänleutnant Falk Rosenhainer vor Ort war, hat doch tatsächlich ein Mitglied der Crew ein Herzchen „für die Altenaer Freunde“ in das alt ehrwürdige Buch gemalt.

Namen wie die des Ruhrbischofs Dr. Franz Hengsbach oder Gerhard Schröder tauchen auf. Der machte einen Abstecher nach Altena, als er noch nicht Kanzler war, nämlich bereits 1972. „Viele Prominente sind zu uns gekommen, weil sie einst Fritz Berg eingeladen hatte. Der war lange Jahre BDI-Präsident. Und in dieser Eigenschaft hat er in den höchsten Kreisen verkehrt“, erläutert der Verwaltungschef.

Stolz ist er auf viele „Sportlerbesuche, vorwiegend aus der ehemaligen UdSSR“, und zeigt die Namenszüge von Olympiateilnehmern und Weltmeistern.

Doch auch weniger erfreuliche Dinge sind hier via Unterschrift festgehalten. Etwa der Abschied der letzten Vinzentinerinnen. Die verließen am 10. April 2006 die Stadt, nachdem Mitglieder ihres Konvents zuvor über 122 Jahre im Krankenhaus Dienst am Menschen geleistet hatten.

Ernesto Maguenque aus Mosambique, ein Bischof der katholischen Kirche, dankte in bewegten Worten den Bürgern und wünschte ihnen „stets Gottes reichen Segen“. Wie Professor Ludwig Güttler. Der gab am 8. Novmewber 1989 ein Konzert für den Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche und war gerührt ob soviel Solidarität aus dem tiefen Westfalen.

Es gibt viele Geschichten und Geschichtchen, die sich um das Goldene Buch ranken. Liebenswerte Augenblicke in Wort und Schrift gefasst auf Seiten für ganz besondere Momente. Unflätiges und Kritik gibt es an keiner Stelle. Und auch wenn „Papa“ Heuss einer der ersten war, dem die Ehre zukam, sich im Goldenen Buch zu verewigen. „Der erste war er nicht. Das war eine Frau, und zwar Elly Ney, eine deutsche Pianistin, die als Interpretin der Werke Ludwig van Beethovens Bedeutung erlangt hat“, sagt Hollstein und stellt das Buch zurück in den Schrank. Bis zur nächsten Eintragung, „aber das muss schon etwas Besonders sein“, fügt er überzeugt an.

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