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Brutale Attacke: Angreifer aus MK muss zahlen 

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Von: Thomas Krumm

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Gewaltprävention für Kinder
Streit eskaliert: Ein Mann aus Altena schlug einen anderen krankenhausreif. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein Mann aus Altena hat einen anderen Mann krankenhausreif geschlagen. Nun hat ein Gericht entschieden: Der Mann muss zahlen.

Altena – Der letzte Akt im Konflikt zwischen einem Fahrradfahrer aus Altena (38) und einem jungen Familienvater aus Hemer ist im Landgericht Hagen mit einer salomonischen Entscheidung zu Ende gegangen. Nach dem Grundsatz „Entschädigung für das Opfer ist wichtiger als der Strafanspruch des Staates“ stellte eine Berufungskammer das Strafverfahren endgültig ein. Im Gegenzug ging allerdings ein stattlicher Geldbetrag als Entschädigung und Schmerzensgeld über den Tisch. In Gerichtssälen geht es zwar fast immer auch um Geld. Bargeld wie in diesem Fall – taucht aber sonst so gut wie nie auf.

Was war geschehen? Der heute 38-jährige Angeklagte hatte am 22.Oktober 2019 in einem Baumarkt eine lange Aluminiumprofilstange gekauft und war damit auf seinem Fahrrad auf der Ihmerter Straße unterwegs. Der Mann aus Hemer fuhr mit seinem Auto an ihm vorbei und ärgerte sich über die hin- und herschwingende Stange. Kurz darauf hielt er an, was dazu führte, dass der Fahrradfahrer den Vorsprung aufholte und sich die beiden erneut begegneten. Der Streit eskalierte derart, dass der Hemeraner mit einem Schädelbasis- und Nasenbeinbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Eine Schädigung erinnert ihn bis heute an den Vorfall, wie er im Landgericht berichtete: „Ich rieche und schmecke zu 95 Prozent noch nicht wieder.“

Brutale Attacke: Angreifer aus Altena muss sich vor Gericht verantworten

Auf dem Tisch der Berufungskammer lag ein Urteil des Amtsgerichts Iserlohn, das den Angeklagten aus Altena am 17. März dieses Jahres wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt hatte. Angeblich hatte der Angeklagte nicht nur zugeschlagen, sondern den Autofahrer auch als „Nazischwein“ beleidigt haben.

Das vom Amtsgericht gefällte Urteil barg gewisse Probleme. Handelte es sich wirklich um eine Körperverletzung mit Einsatz eines gefährlichen Werkzeugs oder „nur“ um eine vorsätzliche Körperverletzung? Das Aluminiumprofil der Stange habe „keine innere Festigkeit“ gehabt, erklärte einer der beiden Anwälte, die den Angeklagten „aus familiärer Verbundenheit“ unterstützten. Ein Foto zeigte einen Knick in der Stange. Ob der Angeklagte sie tatsächlich gegen den Hemeraner eingesetzt hatte, darüber gab es widersprüchliche Zeugenaussagen.

Brutale Attacke: Angreifer Altena MK muss hohe Summe zahlen

Zweifellos hatte der Altenaer aber erhebliche Gewalt gegen den Familienvater ausgeübt. Der Hemeraner klagte deshalb auch vor einer Zivilkammer des Landgerichts und verlangte 40.000 Euro Schadensersatz. Die Zivilrichter unterbreiteten einen Vergleichsvorschlag: 17.500 Euro sollte der Angeklagte an den Geschädigten zahlen. Dazu war der arbeitslose Student aber nicht in der Lage.

Einen Tag vor der Berufungsverhandlung sprachen seine Anwälte deshalb noch einmal mit dem Anwalt des Geschädigten. Man einigte sich auf eine Zahlung von 14.000 Euro. Das sei das Minimum für die gebeutelten Familienmitglieder des Hemeraners, erklärte einer der Anwälte. Ein noch nicht gezahlter Restbetrag dieser vereinbarten Summe werde „spätestens um 11 Uhr“ im Gerichtssaal ankommen. Er kam an.

Der Staatsanwalt blieb zunächst skeptisch hinsichtlich einer Einstellung des Strafverfahrens und erinnerte an das „brutale und rücksichtslose Vorgehen“ des Angeklagten. Letztlich stimmte jedoch auch er zu. „Der Rechtsfrieden ist wiederhergestellt. Der Angeklagte hat keine Vorstrafen, und das Schmerzensgeld ist sehr großzügig bemessen“, warb der Vorsitzende Richter Bernhard Kuchler für die Einstellung des Strafverfahrens und die gleichzeitige Erledigung des Zivilprozesses. Der Familienvater aus Hemer gab sich versöhnlich: „Es sind zwei Jahre vergangen. Jeder Mensch macht mal einen Fehler. Da muss man sich die Hand reichen.“ Er blickte nach vorn: „Ich gehe positiv ins Leben hinein. Mein Vater hat mich als positiven Menschen aufgezogen.“

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