Brücke mit Barrieren: Rollstuhlfahrer müssen großen Umweg nehmen

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Rollstuhlfahrer Niyazi Topcu kann die Pott-Jost-Brücke wegen hoher Bordsteinkanten nicht queren.

Altena – Die Pott-Jost-Brücke birgt für Rollstuhlfahrer Probleme: Nicht alle Bordsteine sind abgesenkt. Sie werden zu unüberwindbaren Hindernissen. Doch sie wurden nicht etwa vergessen.

Niyazi Topcu sitzt im Rollstuhl und wohnt in der Rahmede. Wenn er von dort in Richtung Innenstadt unterwegs ist, muss er an der Kreuzung der Pott-Jost-Brücke immer einen Umweg unter der Brücke entlang einlegen. Der Mann kann nämlich nicht den mittels Ampel geregelten Weg über die Pott-Jost-Brücke nehmen. 

In Höhe des Abzweigs Lüdenscheider Straße/ Rahmede ist der Überweg an keiner Stelle auf das Straßenniveau der L 530 abgesenkt, sondern überall stattliche 13 Zentimeter hoch. „Da komme ich mit meinem Rollstuhl nicht gefahrlos drüber.“ 

13 Zentimeter hohe Kante

Erst auf der Verkehrsinsel in der Straßenmitte sind alle Bordsteine auf Nullniveau. Von dort könnte sich dann auch ein Rollstuhlfahrer wie Topcu gefahrlos nach links bewegen. Dorthin, wo eine große Mauer und die ehemalige Villa von Gustav Selve sofort ins Auge springen. Auch dort sind die Bordsteinkanten an der Ampel auf Straßenniveau abgesenkt. 

Sollte der Rollstuhlfahrer sich jedoch entscheiden, auf der Verkehrsinsel rechts Richtung Innenstadt zu wollen, wartet das nächste Problem. „An dieser Stelle gibt es für mich ebenfalls kein Durchkommen. Auch dort ist der Übergang über die Straße nur auf der Verkehrsinsel abgesenkt, gegenüber aber wieder als 13 Zentimeter hohe Betonkante schier unüberwindlich.“

Beim Bau war Barrierefreiheit noch kein Thema

Andreas Berg von Straßen.NRW verschaffte sich noch während der Telefonanfrage via Internet-Kamera einen Überblick über die Kreuzung und räumte ein: „Ja, das geschilderte Problem ist korrekt. Als die Pott-Jost-Brücke gebaut wurde, gab es noch keine Vorgaben in Sachen behindertengerechter Ausbau.“ 

Vergessen worden sei das Absenken aber keineswegs. Die Gehwegkanten seien als brückenstatisch tragende Betonkappen gegossen und verbaut worden. Weil sie auch Verstärkungen enthielten, „sind sie seit jeher ein tragender Teil der Brücke. Es ist nicht möglich, sie einfach abzusenken, weil das statisch alles durcheinanderbringen würde“. Berg bedauert die Zustände entlang der B 236 (Lüdenscheider Straße) und der Landstraße 530 (Abzweig Rahmede). „Heute würden wir natürlich anders bauen.“ 

Angst auf Alternativroute 

Niyazi Topcu hat zwar eine Alternative, mit seinem Rollstuhl die Stadt zu erreichen, muss dafür aber einen mehrere hundert Meter langen Umweg unter der Brücke zurücklegen. Diesen Weg mag er nicht: „Die Unterführung ist für mich ein Angstraum. Zudem ist es dort schmutzig und abends sehr schlecht beleuchtet.

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