Briefmarken können auch schön duften...

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Heinz Gerd Rump kennt sich aus.

ALTENA - Eine Briefmarke, die nach Schokolade schmeckt? – Ein Postwertzeichen, das den Duft einer Rose verströmt? – Ein gummiertes Wertzeichen, das aus winzig kleinen Perlen hergestellt ist? Bunte Bilder für den Briefumschlag, die auf hauchzartem Aluminium gedruckt sind und Werbung für die eigene Raumfahrt-Industrie machen? Gibt es nicht? Na, da kann Heinz Gerd Rump aber jeden Skeptiker sofort eines Besseren belehren.

Der 68-Jährige ist Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Altena und besitzt in seinem Fundus so ziemlich alles, was auf dem weiten Feld der Philatelie jemals herausgekommen ist. Wenngleich sein Spezial- und damit Hauptsammelgebiet das Deutsche Reich in seinen Grenzen von 1872 bis 1945 ist. Zweifellos gehört seine Sammlung zu einer der best sortierten im und weit über das Lennetal hinaus.

Lehrer Hülbrock

Lehrer Hülbrock, bei dem der gebürtige Altenaer vor 60 Jahren in Altroggenrahmede als es noch zu Lüdenscheid-Land gehörte, in die Schule ging, gab ihm einst mit auf den Lebensweg, Briefmarken zu sammeln. „Da findest du alles: Tiere, Pflanzen, Politiker, Landschaften, alle Kontinente, ja selbst jede Revolution“, habe er gesagt. Und der kleine Heinz Gerd begriff.

Wenn der belesene Rentner heute Menschen im Fernseh- und Internetzeitalter bewegen will, sich für Briefmarken und das weite Feld der Philatelie zu interessieren, sagt er schlicht: „Wer Briefmarken sammelt, kommt bei Günter Jauch garantiert bis zur 250 000-Euro-Frage.“ Das mache so gut wie jeden Kritiker stumm, schmunzelt er.

Es sind besonders die Kuriositäten, auf die es der alte Fuchs Heinz Gerd Rump heute als Sammler abgesehen hat. Wie etwa die angegilbte, aber ansonsten hervorragend erhaltene Postkarte aus dem Jahr 1956. „Na, fällt Ihnen etwas auf?“, fragt er fast schon neckisch und meint damit nicht den „markigen Spruch“: „Der Führer kennt nur Kampf, Arbeit und Sorge...“ – der Absender klebte neben einer Marke mit dem ersten Bundespräsidenten Prof. Dr. Theodor Heuss auch den Diktator auf das Kärtchen. Die Post stempelte das ganze vor nunmehr 55 Jahren fein säuberlich ab und stellte die Grüße zu...

Apropos Drittes Reich: In der Sammlung Rump gibt es auch Spottbriefmarken auf Hitler und sein todbringendes Tun: So druckten die Amerikaner eine rote Briefmarke mit seinem Bild und titelten sie nicht mit „Deutsches Reich“ sondern „futsch ist das Deutsche Reich“ sowie mit einem Totenkopf über dem Konterfei des Mannes. Die braunen Machthaber schlugen zurück und bildeten den britischen Staatsmann Winston Churchill auf Marken als Witzfigur ab.

Stolz ist Heinz Gerd Rump heute auf solche Raritäten wie den Ersttagsbrief der Südamerika-Fahrt des Grafen Zeppelin vom 18. Mai 1930. „Absolut gut erhalten. Sauber gestempelt“, so sein fachkundiges Urteil. „Einige hundert Euro wert.“

Hundert Euro

Der Altenaer könnte zu jeder Marke, zu ihrer Aufmachung, Ausgabe und Art „sicherlich kleinere Geschichten erzählen, keine Frage.“ Wichtig erscheint ihm der Hinweis, dass Marken immer von Künstlerhand gestaltet würden. „Wer nicht weiß, wie ein Kolibri aussieht, der kann dieses kleine Vögelchen auf einer Marke aus Südamerika kennen lernen. Da stimmt jedes Detail. Wunderbar“, schwärmt der Sammler.

Anfängern rät er, sich auf ein Gebiet unter den Marken zu stürzen. Ob es nun Trachten, Kontinente, Tiere oder Inseln seien - egal - aber dann mache das Tauschen, Suchen und Kaufen erst richtig Sinn.

Sammeln für Bethel

Bliebe noch eine Frage an den Fachmann, der beim Anblick der prall gefüllten Tüte längst weiß, was auf ihn zukommt. „Sie wollen wissen, was die Marken wert sind, nicht?“ Heinz Gerd Rump hat ins Schwarze getroffen und nimmt sich die Zeit, die über viele Jahre in einem Privathaushalt sorgsam mit großem Rand ausgeschnittenen Briefmarken anzusehen. „Da ist nichts Besonderes dabei, aber einige Marken sind schon interessant.“ Und der Sammler gibt den Rat, die Marken an die von Bethel‘schen Anstalten weiter zu geben. Er habe sich vor Jahren einmal vor Ort kundig gemacht, „weil ich sehen wollte, was dort passiert.“ Heute sagt er: „Da sitzen absolute Fachleute, Hut ab. Die lösen die Marken ab, man nennt das regelrecht waschen, trocknen sie und bringen sie dann wieder in den Verkauf. Wer Bethel etwas anbiete, erhalte nur einige Euros, die aufgearbeiteten Marken gingen vielleicht das Kilo für zwölf Euro weg. „Da können auch Anfänger etwas lernen“, sagt er. Wer jetzt doch etwas Blut geleckt hat, dem legt der Vorsitzende des im letzten Jahr 40 Jahre alt gewordenen Vereins die monatliche Tauschrunde ans Herz. „Wir treffen uns jeden ersten Dienstag im Monat von 18 bis 21 Uhr in der Burg Holtzbrinck. Interessenten sind uns willkommen.“ Schokoladenmarken liegen dann nicht in den Alben – aber viele bunte und interessante Marken.

Kontakt: http://www.briefmarkenfreunde-altena.de

von Johannes Bonnekoh

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