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Brennende Polizeiwagen: Motive des Täters schockieren

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Von: Thomas Krumm

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In der Tiefgarage des Stapelcenters brannten im Juli vergangenen Jahres zwei Polizeifahrzeuge: Der Angeklagte hat gestanden, die Brände gelegt zu haben. Ein Gutachter muss nun die Schuldfähigkeit des Mannes prüfen.
In der Tiefgarage des Stapelcenters brannten im Juli vergangenen Jahres zwei Polizeifahrzeuge: Der Angeklagte hat gestanden, die Brände gelegt zu haben. Ein Gutachter muss nun die Schuldfähigkeit des Mannes prüfen. © Schäfer, Lars

Mit einem Geständnis hat im Amtsgericht Lüdenscheid der Strafprozess gegen einen 30-jährigen Altenaer begonnen, der am 30. Juli 2021 zwei Streifenwagen in der Tiefgarage unter der Polizeiwache Altena durch Brandstiftung zerstört hat.

Einen Tag später beschädigte er ebenfalls durch die Entzündung von Paraffinwürfeln auf einem Reifen ein weiteres Polizeifahrzeug, das in der Nähe der Wache geparkt war.

„Die Vorwürfe sind zutreffend“, erklärte Verteidiger Dirk Löber mit Zustimmung seines Mandanten. Als Gründe für die Zerstörungswut des 30-Jährigen nannte der Anwalt eine „hirnorganische Beeinträchtigung“ nach einem schweren Unfall und „kontinuierlichen Drogenkonsum“. Dadurch habe sein Mandant immer mal wieder „psychotische Schübe“. Dazu kam ein weiteres Motiv, das zwar nicht besonders schlau, aber nicht ohne ein fehlgerichtetes Nachdenken zustande gekommen sein kann: „Er wollte Aufmerksamkeit erregen bezüglich seiner Ansicht über die Corona-Situation.“

Staatsschutz war involviert

Die Ermittlungen der Staatsschutz-Abteilung der Kriminalpolizei Hagen hatten aus Datenträgern und Smartphone verschiedene Facetten der Verblendung des Angeklagten ans Licht gebracht, mit denen er gar nicht so allein zu sein scheint. Eine Ermittlerin berichtete von Fantasien, in denen er sich eine „Alleinherrschaft“, eine „Machtzentralisierung beim Führer“ und „die Macht über Militär, Polizei und die Politik“ wünschte. Alternativ fand er es auch attraktiv, „Exekutive, Judikative und Legislative“ unter seine Befehlsgewalt zu bekommen. Da hatte einer im Politikunterricht aufgepasst und ganz falsche Schlüsse daraus gezogen. Zur Vorbereitung hatte der Angeklagte sich bei einer demokratischen Wahl schon mal selbst an die Spitze gewählt. Einziger Wähler und einziger Kandidat waren er selbst. Bei all dem konnte es nicht verwundern, dass er auch rechtsradikale Musik und diverse nationalsozialistische Devotionalien auf seinen Datenträgern hatte. Dazu kamen polizeifeindliche Sticker und Gewaltfantasien in einer Chatgruppe. Dass der 30-Jährige auch mit sich selbst in Fehde liegt, machten zwei weitere Ermittlungsergebnisse klar: Einerseits schimpfte er über Konsumenten von Kinderpornografie, andererseits hatte er ebenfalls solche verbotenen Bilder gespeichert.

Die Beweislage war auch schon vor dem Geständnis recht eindeutig: Gegenüber zwei Empfängern seiner Botschaft hatte sich der Angeklagte mit dem „Abfackeln“ der beiden Fahrzeuge in der Polizeigarage gebrüstet. Kurz nach dem zweiten Brand am 31. Juli konnte er noch in der Nähe des Tatorts gefasst werden. In seinem Rucksack fanden die Ermittler Paraffinwürfel, sprich Grillanzünder, wie sie auch zum Entzünden der Reifen der Streifenwagen verwendet worden waren. Eine Zeugin erinnerte sich im Gerichtssaal an eine dunkel gekleidete Gestalt in der Tiefgarage, die „dort nicht hingehörte“ und sich merkwürdig verhielt.

Ist der Altenaer schuldunfähig?

Dem Angeklagten hatte die vorläufige Unterbringung in der psychiatrischen Forensik in Lippstadt-Eickelborn und die dortige Medikation offenbar gut getan und seine Einsichtsfähigkeit gestärkt: „Das war total dumm“, erklärte er. „Ich habe dem Steuerzahler geschadet, der den Schaden bezahlen muss, und die Leute, die in dem Haus über der Tiefgarage wohnen, in Gefahr gebracht.“ Sein Anwalt stellte klar, dass der 30-Jährige bereit sei, „sich in eine Einrichtung zu begeben, wo er kontinuierlich betreut würde“.

Beide Streifenwagen der Altenaer Wache brannten bei dem Vorfall aus. Es entstand immenser Schaden.
Beide Streifenwagen der Altenaer Wache brannten bei dem Vorfall aus. Es entstand immenser Schaden. © Schäfer, Lars

Die Anklage der Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Altenaer zum Zeitpunkt der Taten nicht schuldfähig war. Ein psychiatrisches Gutachten soll zur Aufklärung dieser Frage nun beitragen. Der Prozess wird am Donnerstag, 27. Januar, im Amtsgericht Lüdenscheid fortgesetzt.

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