Lutherkirche

Brand in Lutherkirche war auch Glück im Unglück: Overlackers Grabplatte entdeckt

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Die Freunde der Burg finanzierten Bergung der Grabplatte. Sie gibt viel von Diederich von Ovelacker preis – unter anderem, welcher Ahnenreihe er entstammte.

Altena - Der Brand in der Lutherkirche war eine Katastrophe und die Reparatur und Säuberung ein Kraftakt. Er war jedoch auch ein Glück im Unglück, denn durch die Ausschachtungsarbeiten kam die Grabplatte eines ganz besonderen Altenaers zutage.

Den schwierigen Weg von der Brandkatastrophe zurück zu einer wunderschönen Kirche schilderte Architektin Dorothea Ossenberg-Engels am Donnerstagabend in der Lutherkirche. 

Das Glück im Unglück hatte mehrere Seiten. Ohne den Brand wäre ein wichtiges Zeugnis der Vergangenheit, die Grabplatte des Altenaer Drosten Dietrich von Ovelacker, wohl noch für lange Zeit unter den Dielen der Kirche verborgen geblieben. Noch wichtiger war allerdings, dass die nötigen handwerklichen Fähigkeiten zusammenkamen, um die erheblichen Schäden an der Kirche zu beseitigen. „Weil alle Handwerker und Fachleute zusammengearbeitet haben, ist es uns gelungen, wieder eine Pforte des Himmels zu bauen“, freute sich Dorothea Ossenberg-Engels über eine derart „prächtige und prunkvolle Kirche in einer so kleinen Stadt“. 

Sie schilderte noch einmal die Herausforderungen, vor denen Bauleute und Restauratoren nach dem Brand standen: Rußpartikel hatten sich über den gesamten Innenraum und den Kanzel-/Orgelprospekt verteilt und mussten mühsam entfernt werden. Im Bereich der Deckenmalereien konnten nur Trockenschwämmchen eingesetzt werden, weil deren Leinfarbe wasserlöslich ist. Die große Hitze des Feuers hatte auch die Ölfarbe der barocken Kanzel angegriffen. Die Farbe musste abgenommen und erneuert werden. 

Drei Unglücke brachte der Brand

Architektin Dorothea Ossenberg-Engels berichtete von der schwierigen Wiederherstellung der Luther-Kirche nach dem Brand.

Der PVC-haltige Lack der Kirchenbänke war teilweise verdampft und hatte sich als Schmier auf den Wänden niedergeschlagen. „Die ganze Kirche war dunkel.“ Die Orgel musste abgebaut und vollständig gereinigt werden. Der Kitt der Fenster war mürbe geworden und musste ebenfalls komplett erneuert werden. „Es war – wenn Sie so wollen – ein Rohbau.“ Hinsichtlich des Unglücks Nummer Eins, des Brandes, freute sich Dorothea Ossenberg-Engels auch darüber, dass es gelungen sei, den penetranten Brandgeruch aus der Kirche zu vertreiben. 

Schwierig sei die Wiederherstellung auch deshalb gewesen, weil es kaum noch Experten für die Wiederherstellung von denkmalgeschützten Gebäuden nach Brandschäden mehr gebe. Unglück Nummer Zwei, der Wasserschaden durch das Löschwasser, führte zur Öffnung des Dielenbodens. Im Untergrund herrschte das blanke Grauen: Unglück Nummer Drei war der Hausschwamm, der sich spinnenartig mit langen, fingerdicken Fäden breitgemacht hatte. Doch bei den fälligen Ausschachtungsarbeiten wurde auch die Grabplatte des Dietrich von Ovelacker gefunden. „Wir hätten sonst nie im Leben diesen Stein gefunden. 

Der lag unter dem Lehmboden.“ Ein besonderer Dank ging an die Freunde der Burg, die mit einer Spende die Bergung und Hebung des Grabsteins möglich gemacht hatten. Die Besucher nutzten die Gelegenheit, ihn in seiner ganzen Pracht an seinem neuen prominenten Ort links neben dem Kanzel-/Orgelprospekt zu besichtigen. 

Wer war Dietrich von Ovelacker? 

„Wer war Dietrich Ovelacker, dessen wiedergefundener Grabstein nun den Altarraum der Lutherkirche ziert? Historiker Hans Ludwig Knau gab in der Lutherkirche Antworten und holte – ausgehend von den Inschriften des Grabsteins selbst – zunächst weit aus: Denn der langjährige Drost von Altena und Iserlohn legte großen Wert auf seine adlige Verwandtschaft. Die prominenten Namen seiner Urgroßeltern aus allen möglichen Zweigen westfälischen Adels ließ er auf dem Stein verewigen. Der nennt auch das Todesdatum: „Anno 1633, am 1. September, ist Dietrich Ovelacker, Märkischer Rat, zu Altena und Iserlohn 42 Jahre gewesener Drost, in Gott selig entschlafen.“ 

Zahlreiche Besucher kamen zu den Vorträgen in die Lutherkirche. Kantor Johannes Köstlin sorgte mit Orgelmusik von Buxtehude, Bach und Mendelssohn für den festlichen Rahmen.

Geboren wurde Dietrich Ovelacker vermutlich 1549 – er hätte dann das für die damalige Zeit hohe Alter von 84 Jahren erreicht, als er 1633 in Hemer starb. Was waren die Aufgaben eines Mannes, den sein Landesherr zum „Amtmann über Schloß, Freiheit und Amt Altena, das Vest Lüdenscheid, das Amt Breckerfeld, sowie das Amt Iserlohn“ und damit zu seinem lokalen Stellvertreter machte? „Sein Dienstsitz war das ‘Amtshaus’, die Burg Altena, wo die Fäden der Landesverwaltung zusammenliefen.“ Von dort aus wurden die zahlreichen herrschaftlichen Güter verpachtet, die landesherrliche Rechte eingefordert und die Abgaben an Geld, Vieh oder Früchten eingesammelt. Sogenannte „Gogreven“ waren für das Gerichtswesen zuständig und unterhielten das landesherrliche Gefängnis. 

Die Klage über "allerhand Laster" nimmt großen Raum ein

Hans Ludwig Knau bot dem Publikum in der Lutherkirche eine Auswahl an Beschwerden und Wünschen, über die Adlige des Amtes Altena am 25. März 1596 mit ihrem Drosten reden wollten: Dieser möge „alle Rechten und Privilegien halten wie seine Vorgänger und bei der Obrigkeit auf Einhaltung der Justiz dringen“. Nur zu jenen Steuerzahlungen sollten die Untertanen herangezogen werden, die in Hamm auf den Landtagen beschlossen worden seien. Hinsichtlich der Wasserrechte an den bedeutsamen Bächen und Flüssen sollten die bestehenden Vereinbarungen durchgesetzt werden. 

Großen Raum nimmt die Klage über „allerhand Laster“ ein. Ehebruch, Blutschande und Hurerei seien eingerissen, ohne dass die Schuldigen bestraft würden. „Im Herbst treffen sich die jungen Leute beim Flachs- und Hanfstreifen und –brechen zu nächtlichen Tänzen und Unzucht.“ Folge der Unzucht seien alleinstehende Frauen, die Unterschlupf bei den Hausleuten und in den Backhäusern suchen. „Sie betteln und nehmen den Hausarmen das Brot.“ 

Es waren vermutlich religiöse Gründe, aus denen der katholische Drost, der seinen Lebensmittelpunkt in dem von ihm erworbenen Haus Beschwerden über „allerhand Laster“ Hemer hatte, 1633 nicht in der protestantischen Nachbarstadt beerdigt wurde. Altenas Lutheraner fühlten sich ihm möglicherweise verpflichtet. Seinem Einsatz und einem Urteil des Reichskammergerichts verdankten sie ihr Gotteshaus: „Die Lutheraner behielten die Katharinenkirche (die heutige Lutherkirche), und die Calvinisten bekamen ihre eigene (reformierte) Kirche.“ 

Vermutlich sei der gefundene Grabstein deshalb tatsächlich nicht nur ein Gedenkstein, vermutete Hans Ludwig Knau – auch wenn Dietrich Ovelackers Gebeine nicht gefunden werden konnten. Der Stein sei wohl seinerzeit bei einem großen Aufräumen im Untergrund der Kirche verschwunden – allerdings nicht endgültig, wie viele andere Grabplatten jener Zeit.

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