Kugelsport mit Schwein:  Boulespieler gesucht

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Welche Kugel liegt näher am Schweinchen? Dafür hat Wolfgang Hoppe ein Maßband stets griffbereit.

Altena –Boule wird am Schwein entschieden. Oder an der Sau. Doch dafür braucht es genügend Spieler. Der Zulauf ist mau beim Angebot immer samstags in Altena. Interessierte sind gesucht.

Boule wird am Schwein entschieden. Oder an der Sau. Je nachdem, wie man den kleinen Ball nennen möchte. Er ist es nämlich, dem die Kugeln im besten Fall nah auf die Pelle rücken müssen. Bei Anfängern landen die Kugeln allerdings oftmals eher im Nirwana, rollen am Schwein meterweit vorbei. 

Denn so einfach, wie Boule aussieht, ist es nicht. Wolfgang Hoppe gewinnt im Testspiel gegen die AK-Redakteurin mal eben 13:1. Gern würde er mit vielen Altenaern spielen, doch nach der ersten Einladung im April mit 19 Teilnehmern, kommt jetzt niemand mehr auf den kleinen Platz zwischen Sauerlandhalle und Athletik-Stadion. Dort wird samstags gespielt. Also auch heute ab 11 Uhr. 

„Wir haben uns riesig gefreut, als so viele Leute kamen“, erzählt Wolfgang Hoppe, der mit seiner Frau Bettina mit Seilen fünf Bahnen abgesteckt hatte. Bis auf sieben Spieler, die die Regeln kannten, waren blutige Anfänger dabei. Allen, so sagt Wolfgang Hoppe, habe das Spiel großen Spaß gemacht. 

Doch dann kam nur noch einer, später gar keiner mehr. „Ich sehe das Problem darin, dass es ein Spiel im Freien ist. Wenn es kalt ist, kommt keiner. Und wenn es heiß ist, kommt auch keiner. Man spielt hier direkt in der Sonne.“ 

Spielstand: 3:0. Gewonnen hat die Mannschaft, die 13 Punkte hat.

Im Umkehrschluss heißt es aber auch: Man ist an der frischen Luft, man bewegt und konzentriert sich und kann immer besser werden. Und so startet Wolfgang Hoppe jetzt einen zweiten Anlauf, um Altenaer und Nachrodt-Wiblingwerder für den Sport für Jedermann zu begeistern. 

Übrigens: Ähnlich wie beim Federball und Badminton spricht man in Deutschland beim Freizeitspiel von Boule und beim Sport von Pétanque. Ein Team besteht aus drei Leuten, die mit jeweils zwei Kugeln spielen. Spielt man zu zweit im Team, gibt es drei Kugeln für jeden. 

Wolfgang und Bettina Hoppe sind auch bei den Boulefreunden Neuenrade aktiv, die bis zum vergangenen Jahr auch bei Meisterschaften mitgespielt haben. Dann gingen dort aber die Mitgliederzahlen zurück. „Wir spielen just for fun“, erzählt Wolfgang Hoppe. 

Mittlerweile gibt es schätzungsweise eine Million Freizeitspieler in Deutschland, fast ist Boule auf dem Weg zum Kult, aber im Märkischen Kreis steckt das Kugelspiel noch in den Kinderschuhen. Wolfgang Hoppe weiß von Iserlohner Boulespielern, die unter der Brücke am Seilersee trainieren. „Aber die spielen sonntags. Und da liege ich morgens noch im Bett“, sagt der 57-Jährige und lacht. 

Der Bouleplatz hinter der Sauerlandhalle zeichnet sich nicht durch Schönheit aus. Schotter, ein bisschen Rasen. Aber die Bedingungen sind für alle gleich, und so ist es eine Frage der Technik, wie und wo die Kugel ankommt. 

Und plötzlich beim Spiel ist es ein Ort der Begegnung, der Kommunikation und durchaus auch der Begeisterung. Die Kugeln werden nicht wie beim Kegeln gespielt. Der Handrücken zeigt nach oben. Auch sollte die Kugel nicht mit dem Daumen festgehalten werden. Auf Kraft kommt es zudem gar nicht an. Die Kugel sollte nur durch den Schwung des Armes fliegen. 

Man unterscheidet „Legen“, wobei die Kugel möglichst präzise dort ankommt, wo sie soll, und „Schießen“. Das ist der Versuch, eigene, gut gelegte Kugeln zu verteidigen. Schießen bedeutet also Verteidigung. Und: Gegnerkugeln, die durch Legen eher nicht zu übertreffen sind, sollten weggeschossen werden. 

Das trainiert Wolfgang Hoppe gern und viel. Die Eisenkugeln haben einen Durchmesser von 7,05 bis acht Zentimeter und ein Gewicht von 650 bis 800 Gramm. Nur auf den ersten Blick sehen die Kugeln alle gleich aus, sie unterscheiden sich durch verschiedene Metalle und Gravuren. Das Schweinchen wird sechs bis zehn Meter weit geworfen, dann kann es losgehen. 

Eine Mannschaft erhält so viele Punkte, wie sie Kugeln hat, die näher am Schweinchen liegen als die beste Kugel des Gegners. Hört sich kompliziert an, ist es aber tatsächlich nicht. 

„Samstags für eine oder zwei Stunden Boule spielen, dann vielleicht zum Einkaufen. Das ist doch perfekt“, wirbt Wolfgang Hoppe, der die Hoffnung auf begeisterte Mitspieler nicht aufgeben möchte. Zumal Boule für jedes Alter und auch für Menschen mit leichten Behinderungen durchaus geeignet ist. „Auch Rollstuhlfahrer könnten mitmachen“, sagt Wolfgang Hoppe.

Er selbst, der die Liebe zum Boule-Sport auf vielen Camping-Touren entdeckt hat, gibt samstags auch gern Tipps. Mit der Stadt ist die Nutzung des Geländes abgesprochen. Ein gefährlicher Sport ist Boule eigentlich nicht. Aber: „Der Teufel ist ein Eichhörnchen“, sagt Wolfgang Hoppe. Deshalb muss jeder, der mit mitspielt, auch unterschreiben, dass er das auf eigene Gefahr tut."

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