Massive Waldschäden im MK

Wiederaufforstung stellt Waldesitzer vor große Probleme

Borkenkäfer
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Blanke Erde im Wald: Rolf Conzen zeigt einen Kahlschlag.

Überall im MK werden tausende tote Bäume abgeholzt, parallel hat schon die Wiederaufforstung begonnen. Doch auch sie stellt Waldbesitzer vor große Probleme. Manch einer überlegt, ob sich das noch lohnt...

Altena – „Die Wiederbewaldung im Märkischen Kreis hat begonnen.“ Das sagte Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland, jetzt im Ausschuss für Abfallwirtschaft, Umweltschutz und Planung des Märkischen Kreises.

Rolf Conzen, Besitzer von etwa 150 Hektar Wald in Altena, kann da nur müde mit den Schultern zucken: „Ich bin noch voll und ganz mit dem Abmachen beschäftigt“, sagt er. Im Moment wartet er wieder einmal auf einen Lohnunternehmer, der weitere tote Fichten in seinen Beständen fällen soll.

Immerhin: 6000 Bäume hat Conzen im vergangenen Jahr pflanzen lassen – und dann um sie gekämpft. „Wir haben 17 000 Liter Wasser in den Wald gefahren, um sie zu besprühen und so vor dem Austrocknen zu schützen“, schildert er. Eine besondere Pflanzaktion starteten Schützen in Altena 2020.

Das sind Aktionen, die es so bisher im Forst nicht gab. Douglasien hat Conzen gepflanzt und Tannen, aber auch Laubbäume wie die Hasel – ein Mischwald, wie ihn das Wiederbewaldungskonzept des Landes NRW empfiehlt. Nur wer sich an diese Vorgaben hält, bekommt Zuschüsse für die Wiederaufforstung,

Waldarbeiter kaum zu finden

Ob er überhaupt wieder alles wieder aufforstet? Der 62-Jährige weiß es noch nicht. Er selber hätte nichts mehr davon, seine Kinder haben kein Interesse am Wald und an der Holzwirtschaft. Billig ist die Sache mit dem Ersatz für die vertrockneten und vom Borkenkäfer befallenen Fichten nämlich nicht. Die starke Nachfrage nach Pflanzgut treibt die Preise in die Höhe, auch die Lohnunternehmer, die Conzen verpflichtet, halten die Hand auf.

Wenn er denn überhaupt noch welche bekommt. „Letztes Jahr war das wohl schwierig“, hat er von anderen Waldbesitzern erfahren. Manch’ einer, der in den Wäldern des Sauerlands junge Bäume setzt, kommt aus Rumänien. Coronabedingte Reisebeschränkungen machten deshalb auch den Waldbesitzern zu schaffen.

Mit 5000 bis 8000 Euro pro Hektar kalkuliert Conzen für die Wiederbewaldung – viel Geld bei 150 Hektar Waldbesitz. Das gilt umso mehr, als dass es für das Holz, das gerade aus dem Wald geholt wird, kaum noch Geld gibt. Um etwa 90 Prozent seien die Holzpreise in den letzten Jahren gefallen, klagt der Waldbesitzer.

Dieses Jahr fallen 4000 Hektar Wald

Und es wird nicht besser. Das lassen Zahlen ahnen, die Fostamts-Leiter Hevendehl den Politikern des Ausschusses für die Umwelt zuständigen Kreisausschusses nannte. Auf bislang rund 6500 Hektar musste in den letzten drei Jahren im Märkischen Kris Schadholz dem Wald entnommen werden. „2021 werden wir noch mal 4000 Hektar verlieren“, war sich Hevendehl sicher. Da die heimischen Sägewerke bereits überlastet sind, wird das Holz nach Süddeutschland transportiert.

Aufgabe des Forstamtes ist es jetzt, die Wiederaufforstung mit Mischwald zu koordinieren. Damit werde das Regionalforstamt voraussichtlich die nächsten zehn Jahre beschäftigt sein, schätzt Hevendehl.

Grundlage dafür ist das Wiederbewaldungskonzept des Landes NRW. Besonderheit im Märkischen Kreis ist, dass die 56 000 Hektar Waldflächen zu 83 Prozent in Besitz von rund 4000 privaten Waldbauern sind, von denen viele nur wenige Hektar Wald haben. Entsprechend zeitaufwändig sind also die Koordinierungsaufgaben.

Überall das gleiche Bild: Tausende von Bäumen werden gefällt.

Wegen der wegbrechenden Einnahmen können die Waldeigentümer zukünftig sogenannte Ökosozialleistungen des Waldes wie die Instandhaltung und das Freischneiden von Waldwegen nicht mehr bezahlen. Hevendehl bedauert, dass für die Instandsetzung von Waldwegen bislang noch keine Fördergelder freigegeben sind – dabei leiden sie ganz erheblich unter dem Einsatz von Harvestern und anderen schweren Maschinen. „Der Politik ist kein Vorwurf zu machen. Sie stellt so viel Geld wie nie für die Waldsanierung zur Verfügung“, sagt Hevendehl, vermutet aber trotzdem, dass es nicht reichen wird.

Folge des Klimawandels

Der Waldumbau sei aber auch eine historische Chance, betont der Chef der Förster im Märkischen Kreis. Die Bevölkerung erkenne inzwischen mehr und mehr, wie wichtig die Wälder als Klimaanlagen zur Senkung der Höchsttemperaturen im Sommer sind.

Weiterhin stellen die Wälder die meistbesuchte Sport- und Freizeitanlage dar. Angesichts der Waldschäden steige die Akzeptanz, die Wiederbewaldung durch eine Baumprämie aus den Einnahmen der CO2-Steuer dauerhaft zu finanzieren, meint der Leiter des Forstamtes.

Die Ursache der massiven Probleme in den heimischen Wäldern liegt für Hevendehl auf der Hand: „Die Auswirkungen des Klimawandels können Sie vor der Haustür in unseren heimischen Wäldern begutachten. Dazu muss man nicht an den Nordpol reisen“, sagte er den Mitgliedern des Ausschusses.

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