Blitzumfrage: Verkaufsoffene Sonntage für den Handel "sehr wichtig"

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Die Termine für die verkaufsoffenen Sonntage im kommenden Jahr stehen fest: 8./9. Juli (Stadtfest), Mittelalter-Markt (1. Wochenende im August), 8./9. September (650-Jahr-Feier) und 9./10. Dezember (Weihnachtsmarkt).

Altena / Siegen - Die verkaufsoffenen Sonntage bleiben auch nach dem Weihnachtsrummel „auf dem Schirm“ von Befürwortern wie Gegnern. 

Nachdem die Ladenöffnungszeiten von Gewerkschaften und Kirchen angeprangert und von Gerichten zum Teil schon aufgehoben wurden, sammeln nun die Befürworter für das Einkaufserlebnis Argumente. Die Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer Siegen stärkt den Fürsprechern des Sonntagsgeschäfts den Rücken. „Je stärker die Online-Konkurrenz im Nacken des stationären Einzelhandels sitzt, desto wichtiger sind für die Unternehmen verkaufsoffene Sonntage als Marketinginstrument. Vor allem Firmen, die in den Segmenten Schuhe, Lederwaren und Bekleidung unterwegs sind, sehen in verkaufsoffenen Sonntagen eine große Chance, ihr Dienstleistungsspektrum einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich damit deutlich von der Online-Konkurrenz abzuheben. 

Das bestätigt Christian Kurz, der an der Lennestraße das Schuhhaus Hüttemeister und das Modegeschäft Danando betreibt. „Für uns sind solche Tage sehr wichtig.“ Auch Alexander Schmitz (Radio Schmitz) und Ulrike Betzler -Hüttemeister (Juwelier Betzler) weisen darauf hin, dass verkaufsoffene Sonntage für die Imagewerbung wichtig, aber durchaus branchenabhängig zu sehen sind. Für die Lebensmittelsparte spielen verkaufsoffene Sonntage indessen derzeit keine herausragende Rolle.“ Das stellte IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener nach einer Blitzumfrage beim Einzelhandel des Kammerbezirks fest. Beteiligt hatten sich 127 Händler. Danach halten 61 Prozent die verkaufsoffenen Sonntage als Imageträger für die langfristige Kundenbindung für „wichtig“ bis „sehr wichtig“. 

Schwer nachvollziehbar

Die Entscheidung mehrerer Gerichte, dass nur große Events eine Ladenöffnung in räumlicher Nähe rechtfertigten, ist für Gräbener nicht nachvollziehbar. Die NRW-Landesregierung habe 2013 wieder den „Anlassbezug“ eingeführt und damit den Städten und Gemeinden enge Fesseln angelegt. Dagegen könnten die Anbieter im Netz frei schalten und walten. Gräbener: „Das alles ist aus Sicht nennenswerter Teile des stationären Handels schwer nachvollziehbar. Online-Händler kennen schließlich keinen Ladenschluss. Und einen Anlassbezug für deren Tätigwerden an Wochenenden fordert auch niemand. 

Im Gegenteil: Sie machen ihre besten Geschäfte an Sonn- und Feiertagen, ohne dass jemand protestiert. Das stößt Teilen des stationären Handels bitter auf.“ Dabei geht es den Befragten in erster Linie gar nicht um eine Ausweitung. Denn 48 Prozent der Befragten halten nach Angaben der Kammer die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage – häufig vier pro Jahr – für richtig und ausreichend bemessen. Dass die Standortattraktivität insgesamt von einem pulsierenden Handel profitiert, steht auch für den neuen Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, Dr. Ralf Geruschkat, außer Frage. „Für Wirtschaft und Stadt sind vielschichtige Angebote ein entscheidender Faktor. Ohne lebendige Innenstädte haben wir ein richtiges Problem.“ 

Gesetzgeber ist verantwortlich

Das Ergebnis der Blitzumfrage zeige interessante Unterschiede in den einzelnen Sparten. Wer beispielsweise Bekleidung oder Schuhe anbiete, schätze den Sonntag für Beratungs- und Servicegespräche. Wer dagegen Produkte des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel führe, komme mit den regulären Zeitfenstern hin. Für Klaus Gräbener sind nicht die Gerichte verantwortlich für die einschränkende Genehmigungspraxis bei verkaufsoffenen Sonntagen, sondern der Gesetzgeber.  be/tk

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