Blankovollmacht für die Verwaltung

ALTENA ▪ Seit zwei Jahren schon arbeitet die Verwaltung an einer Gestaltungssatzung für die Innenstadt, am Mittwoch sollte sie endlich dem Ausschuss für Stadtplanung vorgestellt werden – doch daraus wurde wieder nichts: Es seien noch letzte Abstimmungsgespräche erforderlich, bedauerte Stadtplaner Roland Balkenhol.

Der Ausschuss erteilte der Verwaltung daraufhin eine Art Blanko-Vollmacht: Sie darf mit dem Entwurf in die Bürgerbeteiligung gehen, ohne dass der Ausschuss ihn vorher diskutiert hat. Immerhin soll er den Politikern vorher zugeschickt werden. Außerdem ist geplant, ihn auf der Internetseite der Stadt zu veröffentlichen und ihn einen Monat lang öffentlich auszulegen. Erst dann soll eine entsprechende Bürgerversammlung stattfinden.

„Man kann guten Geschmack nicht durch eine Satzung vorschreiben. Man kann nur das Schrecklichste verhindern“, sagte Balkenhol. Zuvor hatte Jutta Gruß-Rinck vom Stadtplanungsbüro ASS Altena im Prinzip eine gute Note erteilt: „Ein imposantes Bild“ biete die Innenstadt, wenn man sich ihr aus Richtung Nachrodt nähere. Die im Kern großbürgerliche Bebauung der Lennestraße sei im Zusammenspiel mit der Burg einzigartig – „es muss in die Köpfe hinein, dass diese Stadt einmalig ist“, forderte sie.

Bei allem grundsätzlichen Lob listet Gruß-Rinck aber auch eine Fülle verbesserungswürdiger Details auf. Beispiel Markaner: Dort störe, dass weder die Bestuhlung noch die Sonnenschirme der Außengastronomie einheitlich sei, gerade die Werbeaufdrucke auf den Sonnenschirmen sind ihr ein Dorn im Auge. Oder die Fassaden insbesondere zur Lenneseite: „Da hat jeder individuell dran rumgefummelt“, sagte sie mit Hinweis auf nachträglich angebaute Wintergärten oder ähnliche Veränderungen der Architektur. Spätestens seit dem Umbau der Lenneuferstraße sei diese Seite der Häuser aber kein Hinterhof mehr – „wir haben jetzt definitiv auch dort eine Schauseite“.

Kritisch beschäftigte sich die Stadtplanerin auch mit den Plätzen – davon gebe es viele, fast allen fehle eine erkennbare Funktion. Gut vorstellbar sei es beispielsweise, im Bungern ein open air-Lesecafé anzusiedeln oder den Platz vor dem Ellen-Scheuner-Haus so umzubauen, dass er wie eine Art Atrium mit vielen Sitzstufen als Treffpunkt insbesondere für Jugendliche dienen könnte. Gruß-Rinck bezog auch Stellung zu einem Reizthema: „Geradezu prädestiniert“ für eine Bebauung sei der Platz neben ehemals Overbeck. Hier klaffe eine Lücke im Stadtbild, die es zu schließen gelte.

Als „gute Arbeitsgrundlage“ bezeichnete CDU-Sprecher Uwe Scholz die Ausführungen der Fachfrau, Irmgard Ibrom (SPD) war „ganz begeistert“ von den Ausführungen der Fachfrau. Die Stadt müsse Bewohner und Eigentümer „mitnehmen“, indem sie selbst ihre Bereiche wie die ungegliederten Plätze verbessere und so zum Vorbild werde.

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