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Kein Strom wäre am schlimmsten

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Von: Maximilian Birke, Thomas Bender

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Ein länger andauernder Stromausfall hätte katastrophale Folgen.
Ein länger andauernder Stromausfall hätte katastrophale Folgen. © Monika Skolimowska

Welche Folgen hätte ein 72-stündiger Stromausfall im Märkischen Kreis? Auch wichtige Versorgungs- und Infrastrukturen wie Wasser, Abwasser, Kommunikation und der Geldverkehr wären betroffen. Und natürlich wartet man nicht ab, sondern bereitet sich vor.

Altena – Es gibt Pläne – aber was drinsteht, bleibt geheim: „Details zu den genauen Vorsorgeplänen veröffentlichen die Enervie-Gruppe und Enervie Vernetzt aus Sicherheitsgründen nicht“ heißt es auf die Frage, wie das Unternehmen auf größere Störungen bei der Energieversorgung vorbereitet ist. Was viele nicht wissen: Die Enervie ist in Altena nicht nur für das Strom-, sondern auch für das Gasnetz zuständig – sie hat es von den Stadtwerken gepachtet. Als Netzbetreiber hat das Unternehmen für eine sichere und zuverlässig funktionierende Versorgung mit Strom und Gas zu sorgen. „Es gehört es natürlich zu den Kernaufgaben, auch im Falle eines Stromausfalls beziehungsweise eines Blackouts handlungsfähig zu sein“, schreibt Konzernsprecher Andreas Köster auf eine entsprechende AK-Anfrage. Dafür sei in einem eigenen Notfallmanagement das Vorgehen bei Störungen und Versorgungsausfällen genau geregelt. Köster: „Dazu gehören klare Kommunikationsprozesse, festgelegte Verhaltensregeln und die Organisation und Durchführung von entsprechenden Krisenstäben“. Dabei arbeite die Enervie natürlich auch mit den Krisenstäben der Kommunen und den Feuerwehren zusammen.

„Wir können nicht neben jede Druckerhöhungsanlage ein Notstromaggregat stellen“

Was neben der Enervie auch viele andere ganz besonders fürchten, ist eine länger anhaltende Unterbrechung der Stromversorgung. Davon wären über kurz oder lang auch andere wichtige Versorgungs- und Infrastrukturen wie Wasser, Abwasser, Kommunikation und der Geldverkehr betroffen. In einer Videokonferenz mit dem Landrat gingen Bürgermeister, Feuerwehrchefs, Stadtwerke-Geschäftsführer und andere zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur wichtige Fachleute der Frage nach, welche Folgen ein 72-stündiger Stromausfall im Märkischen Kreis hätte. Seitdem wird bei den Stadtwerken gerechnet – man geht dort vor allem der Frage nach, welche Leistungen Notstromaggregate haben müssen, um die Wasseraufbereitungen an der Springer Quelle und an der Fuelbecke-Talsperre weiterbetreiben zu können. „Die müssen auf jeden Fall laufen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführerin Katrin Brenner – „aber wir können ganz sicher nicht neben jede Druckerhöhungsanlage ein Notstromaggregat stellen“. Das scheitere wahrscheinlich schon daran, dass solche Geräte im Moment nur schwer zu bekommen seien. Man müsse deshalb auch darüber nachdenken, wie man das Wasser zum Kunden bringen könne. Brenners Einschätzung: „Eine 100-Prozent-Versorgung wird in einem solchen Fall nicht möglich sein“.

Krisen-Informations-Ersthilfe-Zentren

Massive Auswirkungen hätte ein länger anhaltender Stromausfall auch auf das Telefonnetz – es würde schlicht und einfach nicht mehr funktionieren. Darauf bereiten sich die Feuerwehren vor: Der Kreis arbeitet derzeit daran, sogenannte KIEZ einzurichten. Diese Abkürzung steht für Krisen-Informations-Ersthilfe-Zentren. „KIEZ sind unter anderem für die Annahme und Weiterleitung von Notfällen ausgestattet. Die Anzahl dieser Zentren ist abhängig von der Größe der Kommunen. Sie sollen in jedem größeren Ortsteil eingerichtet werden“, erklärt Kreisbrandmeister Michael Kling. „Hierzu befinden sich der Fachdienst Bevölkerungsschutz und die Kreisbrandmeister mit allen Kommunen in Einzelgesprächen für die Planung und Durchführung dieser Konzepte.“ Über die Leistungsangebote und die Orte, an denen KIEZ entstehen, soll im Zuge einer Öffentlichkeitskampagne zeitnah informiert werden.

Wärmeinseln für die Bevölkerung

Dort könnten sich die Menschen wohl auch aufwärmen, wenn die Heizung zu Hause länger kalt bleibt. „Es wurden einige Notstromaggregate beschafft, die durch Feuerwehren betrieben werden, um in den KIEZ Wärmeinseln für die Bevölkerung einzurichten“, erläutert Michael Kling.

Die Bargeldversorgung soll auch bei einem Stromausfall gewährleistet sein.
Die Bargeldversorgung soll auch bei einem Stromausfall gewährleistet sein. © Agentur

In den KIEZ wird auch die Möglichkeit zur Kommunikation gegeben sein – schon für die Weiterleitung von Notfällen. Der Kreis hatte bereits angekündigt, Satellitentelefone anzuschaffen, um im Falle eines Blackouts die Kommunikation der Katastrophenschützer zu gewährleisten. Sie sind auf das öffentliche Telefonnetz nicht angewiesen, sondern kommunizieren direkt über Funk mit einem Satelliten. Anfangs wurden die Geräte vorwiegend in der Seefahrt eingesetzt.

Der Märkische Kreis hat seiner Ankündigung zur Anschaffung der Technik Taten folgen lassen: „Es wurden mittlerweile Satellitentelefone beschafft. Ausreichend viele Geräte, um die Kommunikation zwischen den Stäben und Führungsfahrzeugen des Kreises und auch den Kommunen zu sichern“, betont Michael Kling.

Kühlungen würden ausfallen

Auch für den Handel wäre ein längerfristiger Stromausfall problematisch: Kühlungen würden ausfallen, Registrierkassen nicht mehr funktionieren und bargeldlose Zahlung wäre auch nicht möglich. Die Bargeldversorgung für die Kunden bleibe aber gewährleistet, versichert man bei der Vereinigten Sparkasse – es werde halt von Hand ausgezahlt. Was sonst noch Bestandteil der vorhandenen Notfallpläne ist, will das Geldinstitut nicht sagen – aus Sicherheitsgründen. Die Volksbank hält sich mit Details ebenfalls zurück. Ihr Sprecher Thomas Sommer schreibt lediglich, dass es natürlich Notfallkonzepte gebe. Und: „Selbstverständlich werden wir die Versorgung der Kundinnen und Kunden so lange wie möglich aufrechterhalten, falls es zu dem unwahrscheinlichen Fall eines längeren Stromausfalls kommen sollte“.

Pumpen funktionieren nicht ohne Strom

Und die Gasversorgung? „Ein regional begrenzter Stromausfall ist für die Gasversorgung in Altena unkritisch, weil es sich dort um druckgeregelte Netze handelt, dessen Druck von vorgelagerten Netzbetreibern bereitgestellt wird“, erklärt Enervie-Sprecher Köster, weist dann aber darauf hin, dass die meisten Heizungsanlagen ausfallen dürften, weil deren Pumpen ohne Strom nicht mehr funktionieren.

Pläne der Krisenvorsorge

Im Falle eines großflächigen Blackouts könnte es allerdings auch beim Gas zu Versorgungsunterbrechungen kommen. „Dann greifen die Pläne der Krisenvorsorge Gas, die ebenfalls von uns vorgehalten werden“, erklärt Köster. Diese Krisenvorsorge ist ein bundesweit gültiges Instrumentarium, das das Vorgehen bei Störungen der Gasversorgung regelt. Es sieht vor, im Notfall zunächst industrielle Großversorger vom Netz zu nehmen, um private Haushalte, Krankenhäuser und andere Sozialeinrichtungen weiter zu versorgen.

Notabschaltungen

Zurück zum Strom: Aufgabe der Enervie sei es auch, vor einem sich abzeichnenden Blackout mitzuhelfen, dass dieser gar nicht erst flächendeckend eintritt, schildert der Unternehmenssprecher. Dazu könnten Notabschaltungen vorgenommen werden. Und wenn der Strom dann wieder fließt, sind längst noch nicht alle Probleme beseitigt, weil man dann nicht einfach einen Schalter umlegen kann: „Wenn er wieder da ist, müssen wir dafür sorgen, dass die Netze schnellstmöglich wieder komplett aufgebaut und versorgt werden“.

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