Björn Boshe-Plois ist in den Vorstand der Kreishandwerkerschaft eingetreten

Lernen mit Hobel und Handsäge

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Viel Arbeit hat Björn Boshe-Plois in die Rekonstruktion der Laube in der Lutherkirche gesteckt. Sie musste ausschließlich anhand von Fotografien neu gestaltet werden. Nicht für die Öffentlichkeit sichtbar ist eine Produktionssignatur auf der Rückseite des Kunstwerks.

Altena – Björn Boshe-Plois ist in den Vorstand der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis berufen worden. Der 33-jährige Tischlermeister ist damit im Prüfungsausschuss der Innung und prüft nun regelmäßig die Auszubildenden.

 Das ist ihm eine Herzensangelegenheit. „Das war es für meinen Ausbilder und Geschäftspartner Jochen Harte schon. Das will ich gerne fortführen.“ Björn Boshe-Plois kann sich gut daran erinnern, wie er selbst als Azubi im Bankraum der Tischlerei Harte stand und Jochen Harte und dessen damaliger Geselle Udo Braeuker ihn nebenbei abfragten: Werkstoffe und Formeln, der genaue Aufbau eines Baumstamms...

Der junge Lehrling war überrascht, spielte aber gerne mit, wenn mal wieder eine betriebsinterne „Zwischenprüfung“ anstand. „Das hatte den riesigen Vorteil, dass ich für die Theorie nicht mehr extra pauken musste. Ich bin während des laufenden Betriebs hervorragend darauf vorbereitet worden. Das würde ich jedem Auszubildenden wünschen“, erklärt Björn Boshe-Plois. Mit Annahme eines Vorstandsamts in der Kreishandwerkerschaft tritt er auch das Erbe seines verstorbenen Lehrmeisters an. Die Wege von Björn Boshe-Plois und Jochen Harte hatten sich nach der Ausbildung zunächst getrennt, denn der frische Geselle machte zunächst sein Fachabitur nach und begann ein Bauingenieurstudium. Anschließend arbeitete er weiter als Tischler und widmete sich dann in Vollzeit seiner Meisterprüfung. Als 2015 die Lutherkirche Opfer eines Brandanschlags wurde und umfangreiche Sanierungsarbeiten nötig wurden, holte Jochen Harte Björn Boshe-Plois zurück in sein Team. Eine besondere Arbeit war die Rekonstruktion der kunstvoll gestalteten Laube im hinteren Kirchenschiff.

Das Team Harte reproduzierte die kunstvollen Ornamente anhand von Fotografien - „ein Projekt, das mich durchaus schlaflose Nächte gekostet hat. Aber als wir dann endlich den Dreh raus hatten, war es eine großartige Sache. Solche Aufträge hat man in der Branche nur noch ganz selten. Im Denkmalschutz tauchen sie schon mal auf, aber es lässt sich heute ja niemand mehr Kunstwerke in eine Zimmerdecke schnitzen. Das Schnitzwerkzeug kommt heutzutage in unserem Beruf kaum noch zum Einsatz“, erklärt Björn Boshe-Plois durchaus mit Bedauern. Die Zusammenarbeit mit Jochen Harte funktionierte so gut, dass der Meister aus der Nette ihm schließlich ein Angebot machte: „Probier die Selbstständigkeit aus. Wenn sie Dir gefällt, können wir etwas zusammen machen!“ Im April 2017 gründeten Björn Boshe-Plois und Jochen Harte schließlich die Tischlerei Harte GbR. Im Duo hatten die beiden Meister aber nicht mehr lange etwas voneinander, denn Jochen Harte ist im November 2018 verstorben. Ein herber Verlust für das Unternehmen, das aber in seinem Sinne weitergeführt werden soll.

Neben Bärbel Harte und Björn Boshe-Plois sind ein Geselle und eine Auszubildende im Betrieb beschäftigt. Der Tischlerberuf hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr verändert. „Der Werkstoff Holz steht längst nicht mehr im Mittelpunkt, sondern ist ein kleiner Teil geworden von vielen anderen Materialien, die in unserem Alltag eine Rolle spielen. Das sehe ich nicht nur bei uns in Altena im Betrieb, sondern bei allen anderen Azubis auch.“ Wandlungsfähig sein ist aber etwas, das Björn Boshe-Plois wichtig ist. „Eingefahrene Strukturen bringen uns in der Branche nicht weiter. Ein guter Tischler lebt heute von der Kunst, Methoden des alten Handwerks mit modernen Vorstellungen kombinieren zu können.“

Ihm als Ausbilder ist es wichtig, dass alle Lehrlinge auch noch einen geraden Strich mit der Handsäge hinbekommen und auch den klassischen Handhobel noch zu bedienen wissen. „Im Berufsalltag ist das zwar kaum noch notwendig, aber ich finde, dass ein Tischler so etwas können muss. Das gehört doch irgendwie auch zur Berufsehre“, erklärt er lachend. „Und es ist außerdem ganz toll, wenn man auf einer spärlich ausgestatteten Baustelle Hand anlegen kann - unabhängig von technischem Gerät und Strom.“

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