Bischofsbesuch ist doch kein Kirchen-Tüv

Bischof Franz Vorrath visitierte Altena.

ALTENA - Vier Wochen war Franz Vorrath, Weihbischof im Bistum Essen, zu Gast an der Lenne. Dabei nahm sich der geistliche Würdenträger ausführlich Zeit, Altena und seine katholischen Gemeinden und Einrichtungen kennen zu lernen. Über seinen kirchenrechtlich als Visitation bezeichneten Besuch sprach er mit AK-Redakteur Johannes Bonnekoh.

Was haben Sie für einen Eindruck von Altena?

Altena ist eine Stadt im Umbruch. Die demographische Entwicklung, in der die Region steckt, ist hier präsenter und bewusster als noch an anderen Orten. Doch in Altena will man nicht aufgeben, man sucht hier aktiv und mit Nachdruck nach neuen Lösungen. Ich begegnete vielen, die sich engagieren und einbringen wollen. Das finde ich gut und kann die Menschen nur ermutigen, überall dort neue Modelle und Konzepte auszuprobieren, wo Altes nicht mehr funktioniert.

Wie wurden Sie aufgenommen?

Sehr freundlich und offen. Mit meinem Besuch hier wollte ich auch ein positives Signal setzten: Altena ist nicht, wie manche meinen, weit weg von Essen und damit außerhalb des Interesses. Altena ist und bleibt ein Teil des Bistums. In einem persönlichen Gespräch nehmen die Menschen einem das ab und sprechen offen von ihren Sorgen.

Hat man als Bischof überhaupt Zeit, sich in die Belange einer Gemeinde „einzuklinken?“ und kann man sie wirklich in vier Wochen beurteilen?

Die Rolle des Visitators ist nicht die eines Kirchen-Tüv. Letztlich sind die Gremien und die dort tätigen Menschen der Pfarrei für die pastorale und inhaltliche Ausrichtung verantwortlich. Allerdings geht es dabei um den Blick von Außen, eine alle fünf Jahre turnusmäßig wiederkehrende Gelegenheit, miteinander blinde Flecken zu erkennen, vertraute, aber nicht mehr gangbare Pfade zu verlassen, Positives Wert zu schätzen und miteinander neue Wege und Konzepte zu suchen.

Stichwort St. Vinzenz-Krankenhaus. Das war oft ein Reizthema in den letzten Monaten und Jahren. Heute wird der Kaufvertrag mit der Deutschen Klinik-Union und dem Bistum Essen besiegelt. War das öfters noch mal ein Thema bei Gesprächen?

Vielen sind die Auseinandersetzungen um das St. Vinzenz-Krankenhaus noch sehr lebendig vor Augen. Doch der Nebel hat sich gelegt und man hat gegen so manche Erwartung die Erfahrung gemacht, dass wir von der Seite des Bistums mehr für den Erhalt des Krankenhauses beigetragen haben, als uns so mancher zugetraut hat.

Wann kommen Sie wieder ?

Ich werde hoffentlich noch das eine oder andere Mal zu Besuch kommen. Doch in der Rolle des Visitators war das hier definitiv mein letztes Mal, da ich im kommenden Jahr die Altersgrenze für Bischöfe erreichen werde.

Stichwort Visitation:

Visitation kommt aus dem lateinischen visitare und bedeutet übersetzt so viel wie besuchen. In der katholische Kirche visitiert der Bischof oder Weihbischof in regelmäßigen Abständen Gemeinden zum Zweck der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle.Quelle: Wikipedia

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