Gemeinschaft erhalten

Bischof der Diözese Mossul zu Besuch in der Burgstadt

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Zum Abschluss seines Besuches trug sich der Gast aus dem Irak ins Goldene Buch der Stadt ein. Im Gespräch mit dem Bürgermeister hatte der Geistliche für Unterstützung seiner christlichen Gemeinden geworben.

Altena - Prominenter Besuch in der Burg Holtzbrinck. Zu Gast war am Mittwoch der Bischof der syrisch-katholischen Diözese von Mossul, Monsignore Petros Yohanna Mouché. Es gab einen ausführlichen Gedankenaustausch mit Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein.

Themen waren Flüchtlingsfragen, aber besonders die Situation in Mossul. Dort ist die Diözese – wie das Land – sehr vom Krieg gebeutelt, die Flüchtlingsbewegungen haben sich sehr bemerkbar gemacht. Zählte die Gemeinsschaft einst bis zu 53000 Mitglieder, so sind es nach Angaben des Bischofs jetzt nur noch 26000.

Mouché schätzt, dass von den landesweit vormals bis zu 1,5 Millionen Christen im Irak bis heute rund eine Million - erst unter Saddam Hussein, dann vor dem IS - geflohen sind. Derzeit hat Mouché die Hoffnung, dass es gelingt, die Lage in der Region zu beruhigen und dass die Menschen wieder zurückkommen. „Wir wollen unsere christliche Kultur, Liturgie und Sprache leben, dazu brauchen wir Menschen, die zurückkehren.“ Er meint nicht nur die syrisch-katholischen Christen, sondern schließt auch andere christliche Minderheiten ein. Deswegen dürfe man beim Wiederaufbau keine Zeit verlieren.

Erste Voraussetzung sei Sicherheit. „Als Christen fühlen wir uns aber noch nicht sicher“, so Mouché. Zerstörte Häuser und Grundstücke von geflohenen Christen würden aufkauft – oder einfach besetzt. Der Bischof seinerseits hofft auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und appelliert an die EU und Amerika, Schutz und Sicherheit für Rückkehrer zu gewährleisten.

Derzeit gebe es allerdings weder Wasser, Straßen, Strom noch Schulen in der Region. Mouché aber schwebt eine von Christen selbstverwaltete Region im Nordirak vor, „unter dem Schutz der internationalen Gemeinschaft.“ Die zweite Phase sei der Wiederaufbau der Infrastruktur und der Häuser, die zum Teil von islamischen Nachbarn niedergebrannt und geplündert worden seien. „Solidarität würde unseren Leuten ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und sie zur Rückkehr bewegen.“ Aber – und da ist Moche skeptisch - je länger die militärische Sicherung ausbliebe, desto unwahrscheinlicher würde auch die Rückkehr der Menschen.

Bürgermeister Dr. Hollstein sagte, es sei davon auszugehen, dass etliche Geflüchtete nicht zurückkehren wurden, verwies aber auch auf Rückkehrhilfen der Bundesregierung. Diejenigen, die blieben, sehe er als „Botschaftter ihrer Kultur“ und man werde von einander viel lernen. Die großen Zentren syrisch-katholischer Christen seien Köln und Essen, aber vielleicht gelinge es auch in der Burgstadt, eine – kleine – Gemeinschaft zu schaffen. Eine Familie aus der Diözese lebt bereits hier. Vielleicht würden sich ihr noch drei Familien anschließen, hieß es.

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