Abstraktion und Gegenständlichkeit begegnen sich / Bildinhalte lassen sich nicht erklären

Ulrike Donié in der Stadtgalerie

Barbara Langos (Kulturbeauftragte der Stadt Altena), Ulrike Donié und Dr. Carolin Krüger-Bahr, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Städtischen Galerie Lüdenscheid. v.l. Fotos: Jacob Salzmann

Altena -   „Was Moderne ist, lässt sich an den Arbeiten von Ulrike Donié exemplarisch ablesen.“ Als beispielhaft für moderne Malerei bezeichnete Dr. Carolin Krüger-Bahr, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Städtischen Galerie Lüdenscheid, am Donnerstagabend die Arbeiten von Ulrike Donié, die bis 9. August in der Stadtgalerie Haus Köster Emden ausstellt.

„Untiefen“ lautet der Titel der Schau. Erstmalig stellt die aus Saarbrücken stammende Künstlerin, die heute in Hennef lebt, ihre Werke in Altena aus. Auf die beiden Pole Abstraktion und Gegenständlichkeit, die sich in den farblich üppigen Werken der Malerin begegnen, ging Dr. Carolin Krüger-Bahr in ihrer Einführung ein. Reduzierte Gegenständlichkeit erkannte sie in den kleinen, scheinbar aus „Untiefen“ der Erde beziehungsweise des Meeres krabbelnden Tieren, die die Gemälde von Ulrike Donié „bevölkern“.

Auf der anderen Seite stehe die Abstraktion, die reine Malerei. „Wenn ich etwas reduziere, komme ich auf das Essentielle“, so die Kunsthistorikerin. Mit der Üppigkeit des Barock und einem unvergleichlichen Tiefenzug nähmen die Bilder mit in eine unterirdische Welt. Vergleiche mit barocken Deckengemälden, wie sie etwa in der Würzburger Residenz zu finden sind, stellte sie an, um die Sogwirkung der Arbeiten zu erklären. „In den Werken ist eine doppelte Ebene zu erkennen, die auffällig ist.“ Jeder werde von dieser Malerei anders angesprochen.

„Mein Anliegen ist Farbe“, ergänzte die Künstlerin bei der Vernissage. Das Barocke sei nicht beabsichtigt. „Der Barock geht von einer klaren Positionierung zu Gott aus.“ Sie selbst beziehe jedoch eine kritische Position und wolle Fragen aufwerfen. „Der Stoffwechsel ist fast ein Gegenbeweis (zum Göttlichen).“ Das Stichwort Agnostizismus, der die Frage nach Gott mit „Es ist nicht geklärt“ beantwortet und von daher sowohl mit dem Glauben an eine höhere Instanz als auch mit dem Atheismus vereinbar ist, warf sie in den Raum. „Es geht um archetypische Merkmale“, erklärte sie. „Es geht darum, dass alle Menschen Bilder in sich tragen, die genetisch vorprogrammiert sind.“ Metamorphosen, Evolution, den Kampf ums Werden und Vergehen sprach sie an. Dennoch seien Elemente von Unterwasserwelten, an die sich die meisten Betrachter bei ihren Bildern erinnert fühlen, durchaus in ihren Gemälden vorhanden. Erklären ließen sich die Gemälde nicht. Sie seien vielmehr auf Zwiesprache mit dem Betrachter angelegt. „Die theoretische Unterlegung kommt durch die Zwiesprache mit dem Publikum, sie kommt nicht von der Leinwand.“ Ihre üppige, berauschende Farbigkeit erhalten die Gemälde von Ulrike Donié durch Komplementärkontraste, also die Steigerung der Leucht- und Strahlkraft von Farben, welche im Farbton die größte Unterschiedlichkeit aufweisen. In Acryl auf Nessel gemalt, „springen“ die Farben den Betrachter gleichsam an.

Zu sehen sind die Arbeiten von Ulrike Donié donnerstags von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr, freitags von 15 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 13 Uhr.

von Monika Salzmann

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