1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Bieterduell um kaputtes Haus

Erstellt:

Von: Thomas Krumm

Kommentare

Dieses völlig heruntergekommene Gebäude an der Lüdenscheider Straße hat einen neuen Besitzer. Zwei Bieter hatten sich einen regelrechten Wettbewerb geliefert.
Dieses völlig heruntergekommene Gebäude an der Lüdenscheider Straße hat einen neuen Besitzer. Zwei Bieter hatten sich einen regelrechten Wettbewerb geliefert. © Krumm, Thomas

Zu einem packenden Bieterwettkampf ist es bei der Zwangsversteigerung des alten Bankgebäudes an der Lüdenscheider Straße gekommen. Ein Investmentunternehmen bekam den Zuschlag nach einem Gebot von 185 001 Euro.

Altena – Eine Vertreterin der Stadt Altena erteilte ihre Zustimmung. Die Stadt hatte die Zwangsversteigerung beantragt, weil nach der Insolvenz des bisherigen Eigentümers, einer niederländischen Immobiliengesellschaft, erhebliche Summen an nicht gezahlter Grundsteuer aufgelaufen waren. Dieses Problem dürfte sich nach dem hervorragenden Versteigerungsergebnis erledigt haben. Auch die Stadtkasse dürfte profitieren.

Wasser im Gebäude?

Dabei hatte die Rechtspflegerin zu Beginn der Sitzung noch pflichtgemäß gewarnt: Nach der sommerlichen Flut sei kein Ergänzungsgutachten erstellt worden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass ähnlich wie im benachbarten Duschking-Gebäude das Wasser vom Berg her in das Gebäude eingedrungen sei. Den vom Gutachter ermittelten Verkehrswert von einem Euro hätte aber selbst ein Wasserschaden nicht mehr weiter nach unten drücken können.

Überaltert und verschlissen

Das Gutachten versammelt die Gründe: Das 1920 errichtete Gebäude, das seit etwa 15 bis 20 Jahren leer steht, befinde sich „in einem mangelhaften Bau- und Unterhaltungszustand“. Es sei „überaltert und verschlissen“. „Durch den langen Leerstand sind weitere Schäden am Gebäude durch Vandalismus und natürliche Einwirkungen entstanden. In dem derzeitigen, mangelhaften baulichen Zustand ist eine Nutzung des Objektes in der bisherigen Form als Büro oder Geschäftshaus nicht denkbar.“

Hohe Abrisskosten

Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten: Das Gebäude wird abgerissen oder aufwendig saniert. Als Kosten für den Abriss errechnete der Gutachter eine Summe von 175 000 Euro. Dem stünde ein Wert des leeren Grundstücks von lediglich 54 400 Euro gegenüber. Das lohnt sich also nicht. Die Kosten für eine Wiederherstellung des Gebäudes bezifferte der Gutachter auf 1,63 Millionen Euro. Alles müsste erneuert werden: Heizung, Elektroinstallationen, Sanitäranlagen, Bodenbeläge, Maler- und Schreinerarbeiten, Fliesen, Trockenbau, Fenster und Türen. Nachdem das Gebäude 2007 für lediglich 30 000 Euro nach einer Versteigerung an die bisherigen Eigentümer ging, entwarf ein Projektentwickler den Plan, „das Objekt mittels umfangreicher Umbau-, Modernisierungs- und Sanierungsarbeiten in ein Neun-Familienwohnhaus umzunutzen“. Dieses Projekt kam jedoch nicht über die Vorplanungsphase hinaus.

20 Interessierte

Bei der jetzigen Versteigerung spielte der durchaus überzeugende Befund eines wirtschaftlichen Totalschadens überhaupt keine Rolle mehr. Rund 20 Interessierte versammelten sich im Saal 201 des Amtsgerichts, von denen etwa ein halbes Dutzend mitbot. Sie müssen gute Ideen und womöglich zuviel Geld gehabt haben, um sich an dem spektakulären Bieterwettkampf zu beteiligen. Schon das Einstiegsgebot lag bei 50 000 Euro. Auf der Zielgeraden wurde die Versteigerung zu einem Duell zwischen nur noch zwei Bietern. Mit dem 50. Gebot in Höhe von 185 001 Euro hatte das Gebäude 50 Minuten später einen neuen Eigentümer. „Der Zuschlag kann erteilt werden.“

Auch interessant

Kommentare