Schüler auf den Spuren von Johann Caspar Rumpe

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Die Klasse 8a mit ihrem Lehrer und Regisseur Gregor Kertelge. Er schrieb das Stück über Johann Caspar Rumpe, den Niclas Herkelmann (kleines Bild) überzeugend darstellte. - Fotos: Bender

Altena - Man nehme eine Prise Historie, füge etwas Lovestory hinzu – und fertig ist das Erfolgsstück. Was dem ehemaligen Altenaer Peter Prange zu literarischem Ruhm verholfen hat, wird an seiner alten Penne jetzt wieder gepflegt: Die Klasse 8a des Burggymnasiums führte dort am Mittwochabend, 2. Juli, das Stück „Johann Caspar Rumpe – es ist Zeit für ein Genie“ auf.

Das Werk stammt aus der Feder des Klassenlehrers Gregor Kertelge, der damit bereits zum zweiten Mal ein Theaterstück für Schüler geschrieben hat. Fertiges kommt für ihn eher nicht in Frage: „Suchen sie mal eine Vorlage mit genau 23 Rollen“, sagt er. So viele Schüler hat die Klasse nämlich, Kertelge war es wichtig, dass jeder davon beteiligt wurde.

Johann Caspar Rumpe lebte im 18. Jahrhundert und gehörte als Fabrikant, Kaufmann und Bürgermeister zu den einflussreichsten Altenaer Bürgern seiner Zeit. Eindrucksvoll schildert das Stück seine Versuche, den Reichtum zu mehren – zum Beispiel durch den „Lennedurchstich“ am Hünengraben – das ist ein heute noch vorhandener Stollen zwischen der Linscheidbrücke und dem Reineckstadion. „Wasserräder, wie Preußen sie noch nie gesehen hat“ wurden dort in Rumpes Nadelfabrik mit der Wasserkraft der Lenne betrieben.

Unter anderem im Kreisarchiv haben Schüler das Material zusammengetragen, das ihr Lehrer brauchte. Sie stießen dabei auch auf eine Autobiografie von Peter-Eberhard Müllensiefen, der Hauslehrer bei Rumpe war und später dessen Kompagnon wurde und Rumpes Tochter Minna heiratete. Das Vorgehen seines Schwiegervaters hieß er aber nicht immer gut – „weitere Ränke Rumpes“ überschrieb Müllensiefen ein Kapitel seines Buches.

Mehr als ein Dutzend Akte schrieb Kertelge seinen Schülern auf den Leib und nahm dabei viel Rücksicht auf deren Wünsche und Fähigkeiten – als sich Schülerinnen beschwerten, dass sie zu wenig zu sagen hätten, fügte er für sie extra noch ein Szene ein. Und er nahm sich natürlich auch eine gewisse künstlerische Freiheit. Ob sich die Altenaerinnen im 18. Jahrhundert wirklich mit Frauenrechten befasst haben? Man weiß es nicht – aber Kertelge lässt sie die Schriften der französischen Frauenrechtlerin Olympe de Gouges lesen. Rumpe und Müllensiefen debattieren über die Thesen des britischen Ökonomen Adam Smith, der Pfarrer echauffiert sich über „diesen Goethe“, der mit „Die Leiden des jungen Werthers“ das Kultbuch jener Jahre geschrieben hatte. Auch die soziale Frage blieb nicht außen vor: „Die Herren Fabrikanten werfen die Arbeiter weg wie ein Stück Dreck“, schimpft die Frau eines verletzten und deswegen arbeits- und einkommenslosen Drahtziehers.

Ein ausgesprochen dichtes und facettenreiches Stück also – trotzdem erledigten die jungen Akteure, die etwa ein halbes Jahr lang geprobt hatten, ihre Aufgaben mit Bravour. Erleichtert wurde ihnen das durch die schnellen Szenenwechsel, die ihnen Zeit gaben, sich wieder zu sammeln. Das soll aber ihre Leistung nicht schmälern.

Besonders die tragenden Rollen wie zum Beispiel Rumpe (gespielt von Niclas Herkelmann), Müllensiefen (Jonathan Lehmkuhl), Minna Rumpe (Benita Sullery) oder auch Pastor Kelterberg (Chris Hesse) hatten ein ordentliches Textpensum abzuarbeiten, was ihnen ohne großer „Hänger“ gut gelang und mit viel Applaus und einem dicken Lob von Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper zu Recht reichlich belohnt wurde. von Thomas Bender

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