BGA-Schülerin berichtet von dreimonatigem Frankreich-Austausch

Maschinengewehre in der Stadt der Liebe

Antonia Hammecke, 15, war für drei Monate in Frankreich 

Altena - „Wir haben oft darüber geredet, dass Marine Le Pen auf keinen Fall an die Macht kommen darf. Von der Wahl von Donald Trump waren hier auch alle schockiert“, berichtet Antonia Hammecke, 15, von ihrer Wahrnehmung des politischen Klimas in Frankreich. Am 18. September begann sie einen dreimonatigen Schüleraustausch, seit Ende November ist sie wieder zuhause und hat sich am Burggymnasium bereits wieder eingelebt.

„Generell mag ich die französische Sprache und war auch schon immer gut darin. Außerdem wollte ich schon immer hinaus in die Welt und Erfahrungen sammeln“, erklärt die Küntroperin Antonia ihre Entscheidung. 

Für einen einjährigen Austausch war sie mit 15 Jahren noch zu jung, deshalb ging es im Rahmen des Brigitte-Sauzy-Programms für drei Monate in die Nähe von Orléans. Angst hatte sie zunächst nur vor Verständigungsproblemen: „Das hat sich aber direkt wieder gelegt. Meine Gastfamilie hat mir viel geholfen und mich immer unterstützt.“ Bereits vor ihrem Besuch in Frankreich hätten sie viel über Skype kommuniziert und sich so besser kennengelernt. Im Brigitte-Sauzy-Programm fällt die Gestaltung des Tandem-Austauschs sehr individuell aus, zudem findet er für die Schüler nicht gleichzeitig sondern zeitversetzt statt, sodass sie sich während des Austauschs gegenseitig helfen und von den jeweiligen Kenntnissen und Erfahrungen profitieren können. 

Umstellung aufs französische Schulsystem - Aufstehen erst um acht Uhr

Antonias Tausch-Partnerin Loréna war der BGA-Schülerin eine große Hilfe und gute Freundin. „Von außen betrachtet wünsche ich den beiden, dass es eine Freundschaft fürs Leben wird und dass der Kontakt nicht einschläft“, sagt Französischlehrerin Angela Brunscheidt-Haferberger, die die französische Schülerin während ihres Aufenthaltes betreut hat. Einschlafen wird der Kontakt wohl zunächst nicht, denn nach wie vor skypt Antonia mit ihrer französischen Gastfamilie – der nächste Besuch ist auch schon geplant. Das französische Schulsystem bedeutete für Antonia zunächst eine Umstellung: „Die Schule begann um 9.30 Uhr, also konnte ich bis 8 Uhr ausschlafen. Zuhause muss ich ja schon um 6 Uhr aufstehen“, berichtet die Schülerin. 

Jedoch sei der französische Schultag auch erst um 18 Uhr zu Ende – tauschen möchte Antonia daher nicht. „Meine französischen Mitschüler waren ganz neidisch, dass ich in Deutschland schon gegen 15 Uhr frei habe.“ Die französische Schul-Kantine sei jedoch eine gute Sache, blickt Antonia zurück. Auch Brunscheidt-Haferberger ist der Meinung, dass eine Kantine besser für die Schüler ist als ein kleiner Imbiss: „Das ist auch viel gesünder.“ 

"Ich hätte nie gedacht, dass drei Monate so schnell vorbei gehen können"

Der Einstieg in den französischen Schulalltag wurde ihr sehr erleichtert, vor allem durch die Mitschüler: „Ich wurde sehr gut aufgenommen, es sind direkt alle auf mich zugekommen.“ Bereits an ihrem zweiten Tag in der Schule habe ihr ein Mitschüler mit den Mathematik-Aufgaben geholfen. Auch die Lehrer seien stets sehr aufmerksam und hilfsbereit gewesen. Schlechte Erfahrungen habe sie in den drei Monaten eigentlich gar keine gemacht. „Ich hätte nie gedacht, dass drei Monate so schnell vorbei gehen können. Ich kann einen Austausch jedem nur empfehlen, wenn man die Chance dazu bekommt. Das war wirklich gut.“ 

Dass in Frankreich seit den Anschlägen in der Hauptstadt Paris und der Metropole Nizza nach wie vor der Ausnahmezustand herrscht, blieb Antonia nicht verborgen. Bei Ausflügen zum Touristenmagneten Mont Saint Michel und nach Paris seien ihr zahlreiche Fahrzeuge des Militär, und auch mit Maschinengewehren bewaffnete Polizisten und Soldaten aufgefallen: „Sie sollen ja eigentlich auch ein Gefühl von Schutz vermitteln. Aber am ersten Tag in Paris hatte ich schon Angst, denn ein Maschinengewehr hatte ich ja noch nie in Echt gesehen. Am zweiten Tag ist mir aufgefallen, dass ich viel mehr auf mein Umfeld geachtet habe.“

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