Bewegung hilft, Stürzen vorzubeugen

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Ein eher ungewöhnliches Bild: Zweimal pro Woche treffen sich Bewohner des Ellen-Scheuner-Hauses im Gemeinschaftsraum zum Krafttraining.

ALTENA - Stürze der Bewohner sind in Altenpflegeeinrichtungen gefürchtet – alte Knochen brechen eben schneller. Wie viele andere Leiterinnen auch suchte Christa Kisser vom Ellen-Scheuner-Haus nach Möglichkeiten, das Risiko zu mindern. Fündig wurde sie in Bayern.

Auf einer Fortbildung lernte Kisser ein Projekt kennen, an dem sich in Bayern fast 1000 Pflegeeinrichtungen beteiligten. Es handelt sich dabei um ein Training, das gleichzeitig zum Aufbau von Muskeln oder wenigstens deren Erhalt dient und den Gleichgewichtssinn schult. „Das wollen wir auch“ beschlossen Kisser und ihr Team im Jahr 2012 und engagierten Nicole Kellner als Beraterin. Im vergangenen Herbst bildete sie die ersten Anleiterinnen des Ellen-Scheuner-Hauses aus, im Moment werden zwei weitere Mitarbeiterinnen in die Materie eingeführt, damit das Training auch in Urlaubs- oder Krankheitszeiten weitergeführt werden kann.

Der Erfolg kann sich sehen lassen. Zum Beispiel Edeltraud Kahlert: Früher traute sie sich alleine kaum aus dem Haus, inzwischen ist sie wieder regelmäßig in der Innenstadt unterwegs – zwar mit dem Rollator, aber mit dem schafft sie es immerhin bis zum Markaner und zurück. Auch Ruth Reuter berichtet, dass ihr das Training gut tut: „Ich gehe jetzt wieder jeden Morgen raus“. Werner Meyer lobt das Projekt aus einem anderen Grund: „Es wird auch schon mal Quatsch dabei gemacht“. „Die Bewohner haben Spaß“, berichtet Meike Jäger, eine der Anleiterinnen – ein durchaus erwünschter Nebeneffekt, wie Nicole Kellner betont: „Dass der Kontakt der Bewohner untereinander gestärkt wird, ist gewollt“. Das trage auch zur gegenseitigen Motivation bei, sagt Jennifer Schmidt-Peter.

„Die Erfolge sind spürbar“, versichert Christa Kisser acht Monate nach dem Start des Projektes. Zahlen kann sie für eine Einrichtung zwar nicht liefern, kann aber auch Untersuchungen verweisen, die das Projekt in Bayern begleiteten: „Dort ist die Zahl der Stürze um 25 Prozent zurückgegangen“.

Ein Wermutstropfen bleibt: Die Kosten. In Bayern wurde das Projekt komplett von einer Krankenkasse finanziert. Das gibt es in NRW nicht, Kisser muss das Training aus ihrem regulären Etat bezahlen. Dazu gehört das Honorar für die Ausbildung durch Nicole Kellner, auch Geräte wie Hanteln oder Gewichtsmanschetten für die Beine mussten angeschafft werden. „Aber das war uns die Sache wert“, betont die Leiterin des Ellen-Scheuner-Hauses.

von Thomas Bender

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