Bevölkerungsverlust nimmt an Dramatik zu

Unten breit und oben schlank – wie ein Weihnachtsbaum sieht idealerweise eine Alterspyramide aus. Die obere ist bereits weit von dieser Idealform entfernt – sie zeigt die Zusammensetzung der Altenaer Bevölkerung im Jahr 2009. Wie es 2030 aussehen wird, verdeutlicht die untere Grafik. Der Weihnachtsbaum steht Kopf...

ALTENA ▪ Alle paar Monate liefert der Landesbetrieb Information und Technik (IT.NRW) aktuelle Einwohnerzahlen für die NRW-Kommunen. Die Daten für Altena sind seit Jahren beunruhigend, daran ändert auch die neueste Statistik nichts: Ende Juni lebten in Altena noch 18 156 Menschen, 388 weniger als ein Jahr zuvor. Der Einwohnerrückgang betrug also rund zwei Prozent und ist damit überdurchschnittlich hoch.

Starker Anstieg des

Durchschnittsalters

Ergänzt wird diese Momentaufnahme durch eine aktualisierte Bevölkerungsprognose, die die Bertelsmannstiftung am Mittwoch veröffentlicht hat. Sie betrachtet den Zeitraum bis 2030 und kommt zu dem Ergebnis, dass dann in Altena noch 13 800 Menschen leben werden – damit ist die Lage schlimmer als bisher gedacht. Das Durchschnittsalter steigt von 44,9 (2009) auf 48,9 Jahre (2030) und das so genannte Medianalter wird in 20 Jahren bei 51,9 Jahren liegen. Der Durchschnittswert für NRW liegt dann nach Berechnungen der Bertelsmannstiftung bei 48 Jahren, besonders „junge“ Städte wie Köln oder Münster bringen es auf 43 bis 44 Jahre.

Das bedeutet zweierlei. Zum einen wird die Negativ-Entwicklung sich nach 2030 fortsetzen, weil es dann noch weniger Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter geben wird. Zum anderen zeichnen sich schon jetzt dramatische Veränderungen bei der Infrastruktur ab – schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass Jugendamtsleiter Wolfgang Friess schon heute mit Kindergartenträgern über die Schließung von Gruppen beziehungsweise ganzen Einrichtungen verhandeln muss. Ginge er nicht in absehbarer Zeit in Rente, bliebe das eine Lebensaufgabe für ihn. Die Bertelsmannstiftung hat nämlich auch berechnet, wie sich einzelne Altersgruppen entwickeln werden. Beispiel Drei- bis Fünfjährige: Davon gab es 2009 in der Stadt noch 440, 2030 werden es 310 sein. Das heißt, dass dann noch zwölf Kindergartengruppen benötigt werden – im Moment sind es noch 24 Gruppen in zwölf Kindergärten.

Schulen und Kindergärten

in Gefahr

Anderes Beispiel: Die Grundschulen. 2009 lebten in Altena 670 Kinder im Grundschulalter (sechs bis neun Jahre). Diese Zahl wird nach der Prognose bis 2030 auf 430 sinken – kaum anzunehmen, dass es dann in der Burgstadt noch drei Grundschulen mit vier Standorten geben wird.

Anderswo entstehen wahrscheinlich neue Bedarfe: Allein die Zahl der über 80-Jährigen wird nämlich bis 2030 steigen, und zwar von 1080 auf 1220. Das könnte mehr Pflegedienste und Heimplätze erforderlich machen.

Von Thomas Bender

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