Skandal um falsche Abrechnungen in NRW

Betrug mit Corona-Tests: DRK im MK steuert gegen

Regina Kohlbecker ist eine der Helferinnen im Testzentrum Altena.
+
Ins Testzentrum in Altena kamen im Mai insgesamt 3500 Bürger zum Corona-Test. Über die Tests gibt es belegbare Zahlen.

Falsche Abrechnungen von Corona-Tests: Der Skandal schlägt Wellen in NRW. Das DRK sagt: An ihren sechs Teststellen im MK kann das nicht passieren.

„Mich macht das nicht wütend. Es gibt immer und überall schwarze Schafe.“ Dass Corona-Tests falsch abgerechnet wurden, erstaunt Ulrich Hoffmann, hauptamtlicher Vorstand der DRK-Kreisverbände Altena-Lüdenscheid und Iserlohn, noch nicht einmal.

Trotzdem ist es auch für das Deutsche Rote Kreuz ein Problem, da Bürger eventuell aufgrund der Vorkommnisse hinter jedem Anbieter einen möglichen Betrüger sehen könnten. „Ich kann eine Statistik vorlegen. Die bekommen wir jeden Monat vom Rechenzentrum, über die wir die Tests elektronisch abwickeln. Da sind wir auf der sicheren Seite“, sagt Ulrich Hoffmann. Die beiden DRK-Kreisverbände im MK betreiben insgesamt sechs Testzentren im Märkischen Kreis, darunter auch die Zentren in Altena und Nachrodt.

Schwierige Frage der Kontrolle

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Bochum Ermittlungen gegen zwei Verantwortliche der Bochumer Firma MediCan aufgenommen, nachdem an verschiedenen Standorten in NRW augenscheinlich deutlich höhere Test-Zahlen an das Düsseldorfer Gesundheitsministerium gemeldet wurden, als an den Teststellen an diesem Tag tatsächlich durchgeführt wurden.

Ulrich Hoffmann befürwortet unbedingt Kontrollen, fragt sich allerdings auch, wer sie in welcher Form durchführen könnte. Die Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe? Oder die Gesundheitsämter? „Ich bin froh, dass ich das nicht entscheiden muss“, sagt Ulrich Hoffmann. Schließlich heißt es im Paragraf 7, Absatz 4 der Testverordnung: „Die zu übermittelnden Angaben dürfen keinen Bezug zu der getesteten Person aufweisen.“

DRK-Chef: Tests nicht „aus reiner Nächstenliebe“

Dass auch die DRK-Kreisverbände die Corona-Tests nicht „aus reiner Nächstenliebe anbieten“, gibt Ulrich Hoffmann unumwunden zu: „Da steckt aber auch ein Riesenaufwand hinter. Ich habe allein 150 Arbeitsverträge abgeschlossen. Wir haben in Hard- und Software investiert.“

Zudem sei der Verbrauch an Hygieneartikeln immens, nach jedem Test würden die Einmalhandschuhe gewechselt, hinzu kämen die Personalkosten. „Aber es wird was übrig bleiben“, sagt Ulrich Hoffmann mit Blick auf die 18 Euro, die pro Bürgertest abgerechnet werden können.

In Menden, Iserlohn, Altena, Nachrodt, Meinerzhagen-Valbert und Kierspe wurden seit Öffnung der DRK-Testzentren bis heute 30 000 Corona-Tests durchgeführt. Dabei wurden 60 positive Fälle „herausgefischt“. Fällt ein Test positiv aus, wird das Testzentrum für eine Reinigung kurzfristig geschlossen. Am besten angenommen wird das Testzentrum in Menden, am wenigsten in Nachrodt und Valbert. In Altena kamen im Mai 3500 Bürger zum Coronatest, in Nachrodt 1700. In allen Zentren zusammen fanden im Mai 18 000 Tests statt.

Ein Zentrum muss anderes mittragen

Alle sechs Zentren bleiben weiterhin geöffnet. Dass man in Nachrodt in der vergangenen Woche keine Termine für den Juni buchen konnte, hatte ein rein technisches Problem als Ursache. „Wir werden die Nachmittagszeiten auf jeden Fall beibehalten, beim Vormittagsangebot müssen wir noch mal schauen. Das wird nicht so gut angenommen“, sagt Ulrich Hoffmann. Dass das eine Testzentrum weniger gut läuft als das andere, ist für das DRK kein Problem. „Wir machen eine Mischkalkulation, da müssen die einen die anderen vielleicht auch mal mittragen. Für ein einziges Testzentrum hätte sich der Aufwand nicht gelohnt“, so Ulrich Hoffmann.

Er ist stolz auf sein Personal. Es gibt wenig Fluktuation, „die Leute sind verantwortungsbewusst und zuverlässig“, schickt er ein großes Lob an die Mitarbeiter in den Testzentren. Aktuell werden Öffnungszeiten auch an den Sonntagen zwischen 9 und 12 Uhr geprüft, weil viele Bürger gern die Gastronomie nutzen möchten. Alle Neuigkeiten rund um die Corona-Pandemie im MK lesen Sie in unserem News-Blog

„In Altena müssen wir immer gucken, wann wir in die Burg Holtzbrinck können. Es war am Anfang überhaupt schwer, an die 26 Stunden zu kommen, die wir für ein Testzentrum brauchen“, erzählt Ulrich Hoffmann. Da die Tests für 48 Stunden gelten, sind Tests samstags (9 bis 14 Uhr in Nachrodt, 10 bis 14 Uhr in Altena) für das ganze Wochenende gültig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare