Besucher benehmen sich beim Klassik-Konzert völlig daneben

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Hatten es schwer beim Konzert: Pianistin Susanne Wendel und der syrische Geiger Ali Moraly

Altena –Zigarettenpausen, Nägel feilen und ein ständiges Kommen und Gehen: Mehrere Gäste haben ein Klassik-Konzert in der Burg Holtzbrinck massiv gestört. Selbst Bitten der Musiker halfen nicht.

Es ist Samstagabend 19.50 Uhr. In der Burg Holtzbrinck nehmen immer mehr Klassik-Freunde Platz und freuen sich auf einen musikalischen Hochgenuss mit Werken von Mozart, Schostakowitsch und dem syrischen Komponisten Badreddin. Doch die Freude währt nicht lange. 

Ein Kommen und Gehen während des Konzerts

Noch zwei Minuten bis zum Konzert. Die Altenaer Musikfreunde kennen sich, unterhalten sich leise, freuen sich aufs Konzert. Etwa 20 Besucher sind gekommen. Pianistin Susanne Wendel und der syrische Geiger Ali Moraly sind derweil noch mit Fototerminen beschäftigt. 

Während des Konzerts soll nicht fotografiert werden, das störe zum einen die Musiker in der Konzentration und lenke zum anderen die Zuhörer vom Zauber der Klänge ab. „East meets West“ lautet der Titel des Konzerts, dass den beiden Profis sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Sonaten von Mozart und Schostakowitsch wollen sie mit einem Stück des syrischen Komponisten Shafi Badreddin verbinden. 

Die Vorfreude steigt. Mit Applaus begrüßen die Altenaer die Musiker auf der Bühne. Ali Moraly begrüßt die Gäste und gibt dem Publikum eine Einführung in die syrische Komposition, die folgen wird: „Das Stück Sabayat besteht aus den beiden arabischen Modalen Saba und Bayat.“ 

Durchdrängen zu mittleren Plätzen

Plötzlich geht die Tür auf. Weitere Zuhörer begrüßen sich und nehmen Platz. Unbeirrt macht Moraly weiter und ahnt noch nicht, welche Geduldsprobe folgen wird. Während er erklärt, dass sich die beiden Modale lediglich in einem Ton unterscheiden und der maßgeblich für den Spannungsverlauf des Stückes ist, wird sich in den hinteren Reihen unterhalten, das Programm knisternd gefaltet. 

Erstmalig drehen sich die ersten Zuhörer um, werfen den Besuchern ermahnende Blicke zu. Die ersten Klänge ertönen. Ungewohnt für das westliche Klassikohr. Aber schön. Während der Besucher überlegt, was das Besondere ist, geht die Tür erneut auf. Etwa zehn weitere Gäste kommen, drängen sich durch die engen Reihen, denn in der Mitte sieht man am besten. 

Es geht weiter. Gerade entsteht durch Moralys freie Interpretation ein ungewöhnlicher Spannungsbogen. Drei Leute stehen auf – Zigarettenpause. Zwei Minuten später kommen sie wieder. Moraly und Wendel kämpfen sich durchs Programm. 

Bei Mozart wird es dann doch zu arg. Inzwischen sind 53 Zuhörer im Raum, also gut 30 mehr als zu Beginn. Moraly bittet die Gäste höflich sitzen zu bleiben und die Tür zu schließen. Doch ändern tut das nichts. Weiterhin ist es ein Kommen und Gehen. 

Nägel feilen und Handy statt Zuhören 

Die, die bleiben, haben offensichtlich nicht alle Interesse an dem Konzert, feilen sich die Nägel und erstellen Instagram-Storys. Zur Pause suchen die erfahrenen Konzertbesucher das Gespräch. Sie sind ratlos. Einerseits ist es schön, wenn viele junge Leute sich für ein klassisches Konzert interessieren, andererseits hat eine ganz besondere Ost-West-Symbiose ihren musikalischen Zauber nicht entfalten können.

Am Dienstag hat der Vorsitzende des Kulturrings, Wolfgang Noack, zu dem Vorfall Stellung genommen und einen Erklärungsversuch gewagt. Von einem "Eklat" wollte Noack nicht sprechen. 

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