Reformationsjubiläum mit vielen Facetten

Bläserflashmob: In ganz Deutschland spielten Posaunenchöre am Dienstag „Ein feste Burg ist unser Gott“. Der CVJM Dahle beteiligte sich an dieser Aktion.

Altena - „Ein feste Burg ist unser Gott“ – das von Luther geschriebene „Kriegslied des Glaubens“ spielte der Dahler CVJM-Posaunenchor am Dienstag zum Reformationsjubiläum. Ganz anders klang es später durch die Lutherkirche, als die Chöre der evangelischen und der katholischen Gemeinde zur gleichen Melodie „ein fester Halt ist unser Gott“ und „wer glaubt, wird selig“ sangen.

500 Jahre nachdem Luther seine Thesen veröffentlicht hatte, zeigten Besuche der verschiedenen Veranstaltungen zum Reformationstag, wie viele verschiedene Facetten er bis heute hat. Zum Beispiel die Evingser: Sie feierten schon am Vorabend einen Gottesdienst mit Pfarrer Uwe Krause, der sie auch zum „Church Day“ am Dienstag in Dahle einlud.

Dort war den ganzen Tag lang Programm. Im „Backes“ neben der reformierten Kirche wurden dutzende von Broten gebacken, mittags gab es Kürbissuppe und abends, nach dem Gottesdienst, Bratwurst vom Grill. Immer dicht umlagert war die Druckerpresse – dass das von Luther ins Deutsche übersetzte Wort Gottes und seine Gedanken dazu mit ihrer Hilfe massenhaft verbreitet werden konnte, war ein wesentlicher Fortschritt.

Ähnlich familiär ging es in der Rahmede zu. Da diese Gemeinde als einzige in Altena zum Kirchenkreis Lüdenscheid gehört, profitierte sie von einer Aktion, bei der 14 Kirchen im Südkreis illuminiert wurden. Mit Profi-Beamern wurden meterhohe Begriffe auf die Kirchtürme projiziert. Die Rahmeder hatten sich für das Wort „Dennoch“ entschieden und damit Psalm 73 zitiert, der sich mit Zweifeln an Gott befasst. „Dennoch bleibe ich stets bei Dir“, wird dort versprochen. Die Lichtinstallation wurde bereits am Montagabend aufgebaut. Die Jugend der Gemeinde bildete die Nachtwache und übernachtete im Gemeindehaus.

Die Lutherkirche ist wie kaum etwas sonst in Altena Symbol der Reformation: Ihr Kirchturm wurde bereits um 14. Jahrhundert errichtet, im Kern ist die Kirche damit katholisch. 1538, also 20 Jahre nach Luthers Thesenanschlag, erreichte die Reformation Altena; die „Stadtkirche“ wurde protestantisch.

Am Reformationstag war die Lutherkirche Schauplatz eines ökumenischen Gottesdienstes, der die Einheit der Christenheit in den Mittelpunkt stellte – und das nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten. Danksagungen, Fürbitten und Lesungen erfolgten im Wechsel durch katholische und evangelischen Laien, in der Predigt spielten sich die beiden Pfarrer Jürgen Ruck (evangelisch) und Ulrich Schmalenbach (katholisch) gegenseitig die Bälle zu. Sie beschäftigten sich mit dem Johannesevangelium, in dem Jesus spricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“. Reben könnten unterschiedlich sein, sagten die beiden – der Weinstock sei trotzdem bis heute Basis aller Christen.

Nicht unerwähnt blieb, dass jahrhundertelange Konflikt zwischen den Kirchen viel Leid hervorrief und dass ein Gottesdienst wie dieser bis weit in unsere Zeit hinein undenkbar gewesen wäre. Ruck, der im eher katholisch geprägten Menden lebt, kam vor knapp drei Jahren in die Gemeinde. Es habe ihn damals überrascht, wie gut das Zusammenspiel der Kirchen in Altena funktioniere und wie selbstverständlich Ökumene hier gelebt werde, sagte er. Eine kirchenmusikalische Besonderheit des Gottesdienstes ging etwas unter: Die Chöre beider Gemeinden hatten in mehreren gemeinsamen Proben ein Kirchenlied einstudiert, das seit vielen hundert Jahren nicht mehr gesungen wird. „Ehr, Ruhm und Preis in aller Weis“ wurde von Engelbert Cloicken gedichtet. Er war im 16. Jahrhundert einer der ersten lutherischen Pfarrer in Altena.

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