Am Besten schmecken sie strauchfrisch

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Rosa Weiß pflückt gerne die roten, süßen Früchte auf dem Erdbeerfeld auf Rosmart ▪

ALTENA ▪ Als Eneue und El Santa kennt sie vermutlich niemand. Und wirklich merken muss sich auch kein Erdbeerfreund diese Bezeichnung. Sie stehen für die Herkunftsländer der leckeren Früchte, die in diesen Tagen auf einem 2,5 Hektar großen Feld auf Rosmart an der Stadtgrenze von Altena zu Lüdenscheid darauf warten, geerntet zu werden.

„Wir beziehen unsere Erdbeerpflanzen aus den Niederlanden (Eneue) oder Amerika (El Santa). Sie sind widerstandsfähig und gedeihen prächtig auf unserem eher kargen Sauerländer Höhenboden“, sagt dazu Knut Schulze-Neuhoff. Der Landwirt aus Fröndenberg übernahm vor elf Jahren das Erdbeergeschäft vom Vater, der selbst über drei Jahrzehnte vom Anbau der süßen Früchte in der Region lebte.

Zwar konnten die Rosmarter Erdbeeren in den vergangenen Tagen und Wochen mächtig Sonne tanken, dafür fehlte ihnen aber der Regen. „Dafür mussten wir sorgen“, sagt Landwirt Schulze-Neuhoff. Mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem mittels Schläuchen führte er seinen Pflanzen „bestes Trinkwasser aus dem Hydranten“ zu. Das sei unumgänglich gewesen, „sonst hätte ich nichts ernten können“.

Erdbeeren, das weiß auch der Fröndenberger, gehören heute längst zum Ganzjahressortiment im Supermarkt. Doch was die Erntezeit auf den Höhen von Rosmart angeht, beträgt die Erntezeit „vielleicht vier Wochen“, so der erfahrene Bauer. Eine mehrtägige Lagerung bekomme der Erdbeere überhaupt nicht. Und so rät das Team um Schulze-Neuhoff, der drei fest angestellte Kräfte und Saisonarbeiter aus der Türkei und Polen auf seinen Ländereien beschäftigt: „Am besten schmecken Erdbeeren immer noch strauchfrisch“.

Gewohnte Ladenöffnungszeiten gelten auf Rosmart übrigens nicht. Geöffnet ist hier montags bis freitags von 9 Uhr bis 19 Uhr, samstags und sonntags ab 9 Uhr, „außer bei starkem Regen“, wie der Herr der Erdbeeren schmunzelnd feststellt.

Im kleinen Holzhäuschen am Rand des 2,5 Hektar großen Feldes reicht den Mitarbeitern für ihren Verkaufsjob eine Minimalausstattung: Eine Waage, die Kasse, Preistafeln und große Stapel voller Span-Körbchen. Für ganz eilige Kunden gibt es gegen einen kleinen Aufpreis sogar bereits gefüllte Obstkörbchen. Wer ins Erdbeerfeld auf dem Rosmart geht, bringt sich in der Regel aber Schüsseln oder Eimer von zu Hause mit. Allzu sehr quälen müssen sich dabei die Hobby-Pflücker nicht. Dank der regelmäßigen Pflege durch die Fachkräfte Schulze-Neuhofs reicht wohl kaum eine Stunde, um selbst eine reiche Ernte in die mitgebrachten Gefäße einzufahren. Und gekostet werden darf dabei immer mal wieder zwischendurch.

In Altena baut die Familie Schulze-Neuhoff seit vielen Jahren Erdbeeren an. Es sei etwas schwieriger, als zu Hause in Fröndenberg oder in der Soester Börde. Dort seien nicht nur die Böden anders beschaffen, es sei auch deutlich wärmer. Und so können die Sauerland-Erdbeeren von den Höhen der Stadt in der Regel immer erst 14 Tage später geerntet werden, als in Fröndenberg und benötigen im Frühjahr sogar Spezialdünger.

Stichwort Darmerreger Ehec: Sind Verbraucher nicht in Sachen Obsternte vom Feld verunsichert und halten sich dementsprechend zurück? Knut Schulze-Neuhoff räumt ein, dass es vor ein paar Tagen schon einen gewissen Umsatzknick gegeben habe. „Aber wir halten alle hygienischen Standards ein“, sagt er. „Wissen Sie, wir bringen keine Gülle auf unsere Felder auf und Erdbeeren sind keine Ehec-Überträger.“

Wer durch einen speziellen Einweiser auf dem Rosmart-Feld an „seine Beerenarbeit“ gehen darf, findet rund um die Früchte dichte Lagen von Stroh vor. Damit wird verhindert, dass die reifen Erdbeeren bei starkem Regen zu sehr verschmutzen und es hilft den Pflanzen auch, besser heranzureifen. Diese Strohstraßen sind auch ein Beitrag zur besonderen Hygiene auf der alles in allem sehr gepflegt anmutenden Anlage.

Wer frische Rosmarter Erdbeeren kosten will, muss in diesem Jahr etwas tiefer in die Tasche greifen. So kostet das 1-Kilogramm-Körbchen für Selbstpflücker 2,30 Euro, ab fünf Kilogramm wird es pro 1 000 Gramm um zehn Cent günstiger. „Der geringe Preisaufschlag gegenüber dem Vorjahr liegt an unserem immensen Aufwand in Sachen Bewässerung und gestiegenen Lohnkosten“, räumt Schulze-Neuhoff ein und reicht eine frisch gepflückte Erdbeere. Ob es nun eine Eneue oder El Santa ist, kann er selbst nicht auf Anhieb sagen: Diese Beere ist aber kräftig rot, bissfest und ihr Fruchtfleisch schmeckt einfach herrlich aromatisch.

Von Johannes Bonnekoh

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