Betrieb eingestellt

Nach Bestechungsskandal am Klinikum: Installationsbetrieb insolvent

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Geschlossen: Der Installationsbetrieb Hermann Schmidt ist insolvent.

Altena – Die Firma Hermann Schmidt ist Geschichte. Der frühere Inhaber ist in einen Bestechungsskandal am Klinikum involviert.

Der 1899 gegründete Installationsbetrieb an der Hagener Straße hat zum 31. März seinen Betrieb eingestellt, den Mitarbeitern wurde gekündigt – und das alles in Zeiten, wo das Handwerk (noch) boomt. 

Tatsächlich hat die Insolvenz mit Corona nichts zu tun, vielmehr sieht sich das Unternehmen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Das Lüdenscheider Klinikum hat einen Zivilprozess angestrengt und verlangt von der Firma und von einem ehemaligen Geschäftsführer mehr als eine Million Euro. Auch ein Strafprozess bahnt sich an. 

Inhaber des Unternehmens ist nach einer Mitteilung des Insolvenzgerichtes der Altenaer Jens F., der als „eingetragener Kaufmann“ (e.K.) handelte und damit auch mit seinem Privatvermögen haftet. Am 25. Februar stellte F. den Insolvenzantrag. Zum Insolvenzverwalter wurde der Hagener Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres ernannt. 

Zu wenig Geld für Gerichtskosten

Schon wenige Wochen später zeigte der dem Gericht die sogenannte „Masseunzulänglichkeit“ an. Zu wenig Geld für Gerichtskosten „Masseunzulänglichkeit liegt in der Regel vor, wenn die Insolvenzmasse zwar die Verfahrenskosten deckt, nicht aber die sonstigen Masseverbindlichkeiten“, erläutert Thomas Feldmann, der Pressesprecher des Hagener Rechtsanwaltes. 

Das bedeutet, dass noch nicht einmal genug Geld da ist, um die Gerichtskosten und das Honorar des Insolvenzverwalters zu bezahlen, geschweige denn, um die Ansprüche anderer Gläubiger zu befriedigen. Sie können ihre Ansprüche trotzdem am 8. Juni bei einer Gläubigerversammlung im Amtsgericht Hagen geltend machen. 

Alle Mitarbeiter entlassen

Einen Übernahme-Interessenten für das Unternehmen gebe es nicht, teilte Feldmann mit. Deshalb hat der Insolvenzverwalter mit dessen Abwicklung begonnen. In diesem Zug wurde auch den insgesamt 32 Mitarbeitern gekündigt. Viele von ihnen waren seit Jahrzehnten im Betrieb, entsprechend lang sind die Kündigungsfristen, die auch in solchen Fällen einzuhalten sind. Damit haben die Mitarbeiter zum Teil noch monatelang Anspruch auf ihr Gehalt. 

Das bedeutet aber nicht, dass sie das Geld tatsächlich auch bekommen. Sie reihen sich mit ihren Forderungen ein in die Reihe der anderen Gläubiger. Wenn nichts mehr zu holen ist, gehen auch sie leer aus. 

Nur auf den ersten Blick steht Jens F., der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, als Alleinverantwortlicher für die Misere da. Tatsächlich hat er den Betrieb vor sieben Jahren gemeinsam mit Andreas J. übernommen, die beiden bildeten zunächst eine Offene Handelsgesellschaft (OHG). 

Skandal um Arbeiten am Klinikum 

2018 schied J. aus, weil er ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten war. Seitdem war F. als alleiniger Inhaber eingetragen. Andreas J. ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Hagen für einen Bestechungsskandal am Klinikum in Lüdenscheid verantwortlich. 

Parallel zu dem Strafprozess, dessen Beginn noch nicht terminiert ist, ist auf Betreiben des Klinikum-Geschäftsführers Dr. Thorsten Kehe ein Zivilprozess beim Landgericht Hagen anhängig. Hier macht die Klinikleitung parallel Schadensersatz geltend – und fordert von dem ehemaligen Geschäftsführer sowie vom derzeitigen Inhaber des Handwerksbetriebes eine Zahlung von mehr als einer Million Euro

Kaum lukrative Aufträge

Als sich der Verdacht auf einen Bestechungsskandal verdichtete, beendete das Klinikum seine Geschäftsbeziehung zur Firma Hermann Schmidt, der damit der wichtigste Kunde wegbrach. Auch die Zahl der Neuaufträge sei deutlich eingebrochen, wohl wegen der Befürchtung, dass Gewährleistungsansprüche nicht mehr geltend gemacht werden könnten, berichten Mitarbeiter des Betriebes. Zum Schluss habe die Firma vorwiegend Wartungen, Leckage-Ortungen und andere weniger lukrative Aufträge abgearbeitet.

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