Besondere WG für Demenzkranke

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Anne Maaß (vierte von links) ist Teamleiterin der Demenz-WG. Betreut wird sich vom Dortmunder Pflegedienst Humanika, zu dessen Geschäftsführung Erdan Dülberg (zweiter von rechts) gehört.

ALTENA - Kleines Jubiläum auf der obersten Etage des ehemaligen St. Vinzenz-Schwesternwohnheims an der Bornstraße: Seit fünf Jahren existiert dort eine Demenz-WG – und kaum ein Altenaer kennt sie.

Bis zu acht Männer und Frauen können auf der großzügigen Etage leben. Sie sind Mieter des Krankenhauses, das aber nur die Räume zur Verfügung stellt. Betreut werden die Bewohner von Mitarbeitern des Dortmunder Pflegedienstes Humanika, der auf die Pflege psychiatrisch und gerontopsychiatrisch erkrankter Menschen spezialisiert hat.

Auf der Seite http://www.demenz-wg.de wird die überschaubare Größe als besonderer Pluspunkt dieser Lebens- und Wohnform bezeichnet: „Die WG hat eine so überschaubare Größe, dass eine „Gemeinschaft“ entsteht. Ähnlich wie die früher auf dem Lande übliche Großfamilie. Die WG wird damit zu einem Ort der Geborgenheit.“ Diese Vertrautheit sei gerade für Demenzkranke wichtig, sagt Eldin Dülberg. Er ist als Humanika-Pflegedienstleister für mehrere Demenz-WGs zuständig. Deswegen werde auch jedes Zimmer mit den Möbeln des Bewohners eingerichtet. Auch sonst wird auf die Individualität der Bewohner größtmögliche Rücksicht genommen. Ein Bespiel dafür schildert Anne Maaß, Teamleiterin der in der WG eingesetzten Humanika-Mitarbeiter: „Hier darf jeder so lange, schlafen, wie er möchte.“ Wer erst um 9 Uhr morgens aufstehe, bereitet sich dann eben selbst in der großen Wohnküche sein Frühstück. Die Folge sei, dass die Bewohner die WG tatsächlich als ihr Zuhause, ihre Familie verstehen: „Viele wollten an Weihnachten nicht zu ihren Familien, die wollten hier feiern“. Was natürlich kein Problem war: Rund um die Uhr und an sieben Tagen pro Woche sind die Betreuer vor Ort. Zwei bis drei Leute pro Schicht kümmern sich um dei alten Menschen – ein Personalschlüssel, den man in Pflegeheimen nicht finden werde, berichtet Eldin Dülberg.

Das ist möglich, weil einige, in Heimen sonst übliche Bereiche wegfallen. „Wir leben hier zusammen den Alltag“ – so beschreibt Anna Maaß ihre Aufgabe. Zusammen mit den Bewohnern wird immer sonntags der Speiseplan für die Woche erstellt, Einkäufe erfolgen gemeinsam und auch die Putzarbeit – natürlich im Rahmen der Möglichkeiten jedes einzelnen Bewohners.

Stärker eingebunden als im Heim sind die Angehörigen: Jeder von ihnen habe einen Schlüssel für die WG und sei jederzeit willkommen, berichtet Dülberg. An geselligen Veranstaltungen nehmen oft nicht nur Kinder und Enkel der Bewohner teil, sondern auch Familienangehörige der Betreuer. „Mein Enkel kommt immer ‘mal vorbei und spielt mit einem der Bewohner Schach“, verrät die Teamleiterin.

Und die Kosten? Sie lägen auf dem gleichen Niveau wie die Pflege in einem Heim und seien damit von jedermann zu bezahlen, betont Dülberg. Wenn das eigene Einkommen nicht ausreiche, sprängen die Pflegekasse und das Sozialamt ein.

http://www.vinzenz-altena.de

http://www.humanika-pflege.de

von Thomas Bender

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