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Berufssoldat aus dem MK in Izmir stationiert: „Aktuelle Lage ist eine Zeitenwende“

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Von: Ilka Kremer

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Bundeswehr-Oberst Erik Gontermann lebt zwar nicht mehr in Altena, fühlt sich mit der Burgstadt aber noch immer verbunden.
Bundeswehr-Oberst Erik Gontermann lebt zwar nicht mehr in Altena, fühlt sich mit der Burgstadt aber noch immer verbunden. © Kremer, Ilka

Bundeswehr-Oberst Erik Gontermann aus Altena blickt auf 36 Dienstjahre zurück und berichtet unter anderem von seiner Zeit in Izmir.

Altena/Izmir – Aufgewachsen in Altena, in einem pazifistischen Elternhaus, interessierte sich Erik Gontermann als Jugendlicher keinen Funken für die Bundeswehr. Dennoch leistete er den Wehrdienst. „Ich habe einfach versäumt, rechtzeitig zu verweigern“, schmunzelt er.

Wider Erwarten erlebte er die Wehrdienstzeit als positiv. Die Grundausbildung absolvierte Gontermann in Lüneburg. „Ich lernte Ordnung, Struktur und Führungsverantwortung, ebenso den Umgang mit den Konsequenzen des eigenen Handelns. Das hat mir gut gefallen – es hat mir Halt und Richtung gegeben hat“, erinnert sich der 57-Jährige an die ersten Wochen und Monate als Soldat.

Berufssoldat aus dem MK in Izmir stationiert: Kontakt nach Altena nie abgebrochen

Mit Sport hatte er in seiner Heimatstadt auch nicht „viel am Hut“, entdeckte erst bei der Bundeswehr, dass ihm körperliches Training Spaß machte. So stand für ihn bald fest, Berufssoldat zu werden. „Diese Entscheidung habe ich nie bereut“, sagt er heute. In den zurückliegenden 36 Dienstjahren führte der Weg des Panzeroffiziers über viele Stationen im In- und Ausland.

Als Oberst ist Erik Gontermann seit zwei Jahren in der türkischen Küstenstadt Izmir beim Allied Land Command, kurz Landcom, dem Hauptquartier der Landstreitkräfte der Nato, stationiert. Sein Kontakt zur Heimatstadt ist nie abgebrochen, regelmäßig besucht er in Altena seine Mutter und seine Freunde. „Ich habe mich schon darauf gefreut, bald mal wieder das Schützenfest in Altena zu besuchen und alte Freunde zu treffen. Ich hoffe, das ist trotz Covid-19 und Putin bald wieder möglich.“

Persönlich war Gontermann während seiner Laufbahn in diversen Kriegsgebieten: 1994 Bosnien, 1999 Kosovo, 2002 und 2004 Bosnien, 2011 Afghanistan. Er hat viel Not und Leid gesehen, ist aber dennoch ein durchweg positiv eingestellter Mensch geblieben. „Meine Frau Inna und meine Familie, einschließlich der beiden Hunde, geben mir den nötigen Rückhalt“, verdeutlicht er. Abschalten kann der 57-Jährige in seiner Freizeit beim Segeln oder Musizieren. Er spielt in Izmir in einer bunt gemischten Band aus sechs Nationen Gitarre und Bass.

Das Nato Allied Land Command

Das Allied Land Command (Landcom) ist eine Nato-Kommandobehörde. Es gilt als Hauptquartier der Nato-Landstreitkräfte. In der Kommandostruktur untersteht es der Allied Command Operations (Aco) mit Sitz in der belgischen Stadt Mons. Sitz des Allied Land Command ist in Izmir in der Türkei. Dort sind etwa 400 Streitkräfte stationiert, einer von ihnen ist Erik Gontermann. Das Quartier in Izmir besteht bereits seit mehreren Jahrzehnten. Landcom führt, koordiniert und synchronisiert die Landstreitkräfte der Nato und deren Partner, in den Bereichen Bereitschaft, Interoperabilität, Standardisierung und Kompetenz. Das Landcom ist auf Facebook sehr aktiv. Dort werden regelmäßig Beiträge mit aussagekräftigen Fotos und professionelle Videos zu verschiedenen Themen gepostet. Die Nato selbst ist ein Verteidigungsbündnis, das aus 30 souveränen, europäischen und nordamerikanischen Mitgliedsstaaten besteht. Es dient dem Schutz der eigenen Territorien und darüber hinaus der weltweiten Sicherheit und Stabilität. Die Mitgliedsstaaten bekennen sich in ihrem Vertrag zu Frieden, Demokratie, Freiheit und der Herrschaft des Rechts. Daher versteht sich die Nato auch als Wertegemeinschaft freier demokratischer Staaten. kre/Quelle: WIKIPEDIA

Persönliche Erfahrungen: Berufssoldat aus dem MK in Izmir stationiert

Bei Landcom leitet er die Abteilung Kommunikation. Medien- und Pressearbeit, Social Media, Umgang mit VIPs und Weiteres gehören zu seinen täglichen Aufgaben. Die Themen sind vielfältig. Seit dem 24. Februar jedoch ist auch er nahezu ausschließlich mit den Auswirkungen des von Russland verursachten Krieges in der Ukraine beschäftigt. Und im Speziellen mit der Sicherheitsarchitektur an der Ostflanke der Allianz. „Ich bin stolz darauf, dass sich Deutschland schon seit Jahren im Baltikum stark engagiert hat und dieses Engagement nun auch weiter südlich ausbaut.“ Was genau er bearbeitet, darf er allerdings nicht preisgeben.

Aus den persönlichen Erfahrungen, die er in den fremden, vom Krieg beherrschten Ländern gemacht hat, hat er viel für sich mitgenommen. „Zum einen lernt man Respekt vor den Menschen und deren Kulturen. Toleranz ist eine wichtige Eigenschaft, die jedoch ihre Grenzen findet, wenn das Recht mit Füßen getreten wird, wie es zurzeit Russland macht“, sagt er. Zum anderen lerne man aber auch wieder das zu schätzen, was man in der Heimat hat. „Deutschland hat Sicherheit, Wohlstand und Würde. Alles, was wir jetzt in Putins Krieg sehen, ist das Resultat daraus, wenn die Würde hinten ansteht“, so die Überzeugung des 57-Jährigen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, zitiert er den Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes.

„Aktuelle Lage ist eine Zeitenwende“: Berufssoldat Erik Gontermann äußert sich

„Deutschland hat aus den dunklen Abschnitten der Geschichte gelernt und viele Entwicklungen durchgemacht. Die aktuelle Lage ist wohl nicht nur nach meiner Meinung eine Zeitenwende“, so Gontermann. „Und ich bin froh, mit meiner Arbeit einen kleinen Beitrag für unsere gemeinsame Sicherheit leisten zu können.“

Auf die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Dritten Weltkrieges sei, meinte Erik Gontermann: „Ich halte das nicht für sehr wahrscheinlich. Jedoch weiß niemand, was in Putins Kopf vorgeht“. Der russische Präsident verstehe anscheinend Schwäche als Einladung. Im kalten Krieg habe die konventionelle und nukleare Abschreckung den Dritten Weltkrieg verhindert. „Offenbar steuern wir wieder dahin, wie auch der russische Außenminister Sergej Lawrow kürzlich anmerkte. Das Einzige, was auf die russische Führung momentan offenbar Eindruck macht, ist Geschlossenheit und Stärke. Die Kurzversion der Abschreckung lautete damals: Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen. Das scheint sich heute leider zu bewahrheiten“, kommentiert Gontermann die aktuelle Lage in Europa.

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