Berg-Stiftung: Das große Schweigen

+
Dieser Anblick bietet sich im Sommer den Gästen, die vor dem Eiscafé an der Marktstraße Platz nehmen: Auch die Nachbarn sind alles andere als begeistert über den Baustopp am Neubau der Berg-Stiftung.

Altena - Großer Bahnhof beim Baubeginn, Werbetrommelwirbel zum Vermarktungsbeginn – Klappern gehörte bei der Berg-Stiftung so lange zum Handwerk, solange alles gut lief. Seit das Neubauprojekt am Bungern vor knapp einem Jahr ins Stocken geriet, hüllt sich der Kuratoriumsvorsitzende Olaf Berg weitgehend Schweigen.

Es gebe Probleme mit der Bewehrung, also mit dem Stahl, der Betonwände und -decken stabilisiert – das ist alles, was Berg seit dem Baustopp Ostern 2016 verlauten ließ. Dass die Situation ernst ist, sehr ernst sogar, das ist offenkundig: Eigentlich sollte der Bau längst fertig sein und Miete einbringen. Stattdessen gammelt er im Rohbauzustand vor sich hin, kostet aber trotzdem Geld – allein die Miete für das Gerüst dürfte monatlich einen vierstelligen Betrag verschlingen.

Minderwertig sei der verbaute Stahl gewesen, wollen indirekt an der Baustelle Beteiligte wissen – abgerechnet worden sei aber deutlich besseres Material. Auch dazu gibt es weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Ob so etwas nicht auffallen müsste? Immerhin versuchte die Berg-Stiftung, sich sogar doppelt abzusichern: Neben einem Planungsbüro wurde ein Prokjektcontroller beauftragt. Beide Unternehmen beantworten Anfragen nahezu gleichlautend: „Die öffentliche Kommunikation bezüglich des Projekts „Wohnen am Bungern“ behält sich der Bauherr vor“. Der - siehe oben – aber auch nichts sagt, auch weil sich inzwischen wohl eine Schar von Anwälten mit der Sache beschäftigt.

Ob es, wann es und wie es weitergeht – das interessiert vor allem die potenziellen Mieter: Fast alle Wohnungen waren bereits vermietet, als der Baustopp kam. Manch einer hat bereits sein Haus verkauft, um am Bungern einziehen. Alles andere als begeistert sind natürlich auch die unmittelbaren Nachbarn, die den Gammel täglich vor Augen haben.

Man könne einem Bauherrn nicht vorschreiben, wie schnell er bauen müsse – mit dieser Feststellung antwortet Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein auf die Frage nach Einflussmöglichkeiten der Stadt. Sein fürs Bauen zuständiger Abteilungsleiter Roland Balkenhol steht im Kontakt mit der Berg-Stiftung und ihren Planern – „man sucht dort nach wie vor nach Lösungen“ ist alles, was er mitteilen kann.

Übrigens: Bis vor ein paar Jahren musste die Bauaufsicht die Bewehrung auf solch großen Baustellen abnehmen, bevor betoniert wurde. Balkenhol: „Heute ist das ganz allein Sache des Bauherren“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare