Ab sofort wird gebohrt

ALTENA ▪ Die Enge war das größte Problem: „Die Maschine hätte keine zehn Zentimeter größer sein dürfen, sonst hätten wir sie nicht hier auf den Burghof bekommen“, sagt Uwe Weber von der Firma Schützeichel in Neustadt. Und unten, im Stollen, sei es sogar noch enger gewesen.

Von Thomas Bender

Das ist geschafft, seit gestern wird gebohrt. Mit drei Zentimetern pro Minute frisst sich die mit Diamanten besetzte Bohrkrone in die Tiefe, nach knapp einer Stunde wird ein 1,50 Meter langer Bohrkern aus dem so entstandenen Loch gezogen und fein säuberlich in eine Holzkiste gelegt. Um die 100 werden es am Ende sein.

Die Kisten werden später auf dem Tisch von Thorsten Trapp landen. Er arbeitet im Labor von CDM, dem Generalplaner für den Aufzugsbau. Dieses Unternehmen hat die Erkundungsbohrungen in Auftrag gegeben, um genauen Aufschluss über die Beschaffenheit des Felsens zu bekommen. Trapp wird die Struktur der Proben unter die Lupe nehmen, ihre Dichte ermitteln und andere Parameter herausfinden.

Es würden aber nicht nur die Bohrkerne analysiert, erklärt Trapp: Wenn (vermutlich in der kommenden Woche) 90 Meter geschafft sind und der Bohrer auf Innenstadt-Niveau angekommen ist, wird er verschiedene Sonden in das so entstandene Loch ablassen, um noch mehr Daten zu sammeln.

Trapp glaubt, dass man dem Erfahrungsschatz der Burgerbauer vertrauen könne: „Die werden gewusst haben, warum sie hier bauen“, meint er. Und sein erster Blick auf die bereits vorhandenen Bohrkerne bestätigt ihn in dieser Auffassung: „Das sieht sehr gut aus“.

„Ich hoffe, dass wir mit einer Bohrkrone auskommen“, sagt derweil Weber. Sie sitzt ganz unten im Loch – muss sie wider Erwarten ausgetauscht werden, muss dasBohrgestänge komplett herausgezogen werden. Das würde viel Aufwand bedeuten.

Gestern hatten die Schützeichel-Mitarbeiter auf dem Burghof viele Zuschauer: Landrat Thomas Gemke war gekommen und auch Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Hinzu gesellten sich zahlreiche Vertreter auch überregionaler Medien – der Aufzug erfreut sich nach wie vor großen Interesses. Das ist Weber nicht gewohnt – für ihn ist der Auftrag in Altena (abgesehen vom engen Zugang zur Burg) reine Routine. Das Unternehmen ist auf Baugrunduntersuchungen spezialisert und baut die dafür erforderlichen Maschinen und Werkzeuge selbst. Etwas über 60 Kilowatt leistet die Maschine, die auf dem Burghof eingesetzt wird.

Unten, im Stollen, wird noch nicht gebohrt – wegen der Enge dauert dort die Einrichtung der Baustelle etwas länger. Und obwohl dort „nur“ ein 70 Meter langes Loch gebohrt werden muss, rechnet Altenas Stadtplaner Roland Balkenhol damit, dass die Arbeiten dort etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen : „Waagrechte Bohrungen dauern länger“, hat er inzwischen gelernt.

Übrigens: Vermessungsingenieure haben den genauen Winkel, in dem gebohrt werden muss, ermittelt – deswegen ist es Absicht, dass das vor der Remise stehende Gerät leicht schräg steht. Trotz der Vermessungen rechnet Balkenhol nicht damit, dass sich die beiden 15 Zentimeter großen Löcher unten treffen werden: „Das wäre dann schon Zufall“, sagte er – eine solche Genauigkeit wäre auch überhaupt nicht erforderlich.

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