1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Bekanntes Denkmal in Altena: So geht es Lok Carl heute in Holland

Erstellt:

Von: Jona Wiechowski

Kommentare

Der Carl im Magazin von Kleinbaan Service: „Eine Stange der Steuerung ist verbogen und muss gerichtet werden. Falls dies nicht mehr geht, ist sogar ein neues Schmiedeteil erforderlich“, heißt es.
Der Carl im Magazin von Kleinbaan Service: „Eine Stange der Steuerung ist verbogen und muss gerichtet werden. Falls dies nicht mehr geht, ist sogar ein neues Schmiedeteil erforderlich“, heißt es. © ROLAND MOLZ

Vor über fünf Jahren kaufte Wim Pater die Lok Carl aus Altena. So laufen die Restaurierungs-Arbeiten.

Altena – Im November 2016 hat ein Kran die traurigen Reste der Kleinbahnlok Carl, die seit Jahrzehnten neben dem Bahnhof stand, auf einen Schwertransporter gehoben. Die Lok war verkauft worden – an den niederländischen Eisenbahnfan Wim Pater, der den „Kleinbaan Service“ in Winschoten in der niederländischen Provinz Groningen gegründet hat. Auch über fünf Jahre später ist noch viel zu tun – mindestens drei, vier Jahre wird die Restaurierung wohl noch dauern. Unverändertes Ziel ist es, die Lok in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen – und das kostet.

Das liegt auch daran, dass es um den Zustand der Lok nicht allzu gut bestellt ist. „Der Carl ist durch die lange Aufstellung als Denkmal in einem sehr schlechten und unvollständigen Zustand“, berichtet Roland Molz vom Kleinbaan Service. Fast sämtliche Armaturen und Anbauteile seien als Ersatzteile für andere Loks abmontiert worden oder seien im Laufe der Jahre auf dem Denkmalssockel verschwunden. Und: „Bei der letzten Renovierung des Denkmals in Altena wurden das abgängige Führerhaus und die Kohlenkästen durch eine stark vereinfachte Attrappe ersetzt“, erklärt er.

Dieses Bild zeigt den neuen Kessel des Carl während der Wasserdruckprobe bei der Abnahme durch den Tüv. „Die Feuertüre und der Domdeckel stammen vom Ursprungskessel, der Rest ist neu“, erklärt Roland Molz vom Kleinbaan Service.
Dieses Bild zeigt den neuen Kessel des Carl während der Wasserdruckprobe bei der Abnahme durch den Tüv. „Die Feuertüre und der Domdeckel stammen vom Ursprungskessel, der Rest ist neu“, erklärt Roland Molz vom Kleinbaan Service. © Roland Molz

Leider seien dabei auch die meisten originalen Beschläge verloren gegangen. „Deshalb müssen wir für eine authentische Restaurierung viel Arbeit in die Rekonstruktion des Ursprungszustandes der Lok stecken.“ Das bedeute unter anderem die Auswertung alter Fotos, das Studium der Fabrikzeichnung und Vergleichsmessungen an der in Bruchhausen-Vilsen vorhandenen KAE-Schwesterlok Hermann. KAE steht für Kreis Altenaer Eisenbahn.

Ziel ist nach wie vor, die Lok betriebsfähig aufzuarbeiten. Deswegen habe man 2018 bei der Firma Lonkwitz in Wetzlar auch einen neuen Kessel nach der heute gültigen Druckgeräterichtlinie bauen und vom Tüv als Sachverständigen abnehmen lassen. „Ebenso wurde auch schon eine neue Rauchkammer gebaut und ein neuer Schornstein gegossen“, berichtet Molz. Viel Zeit hätten sie dabei in die Suche und Beschaffung der fehlenden Armaturen und Anbauteile investiert – sei es durch die Aufarbeitung noch aufgetriebener, passender Altteile oder deren Neufertigungen. „Für verschiedene Armaturen haben wir sogar neue Gussmodelle konstruieren und bauen lassen.“ So seien beispielsweise bereits die Loklaternen, die Wasserstände, die Injektoren, die Speiseventile und diverse Anstellventile einbaufertig eingelagert. Dazu kämen unzählige Kleinteile, wie etwa nach alten Zeichnungen nachgegossene Handräder aus Rotguss. Heute handelsübliche Handräder würden zwar auch passen und vielleicht nur ein Zehntel kosten – sie würden aber den optischen Eindruck später auf dem Führerstand nachhaltig stören, berichtet Molz.

Arbeiten am Fahrwerk noch nicht begonnen

Noch nicht begonnen hätten die Arbeiten am Fahrwerk. Darunter fallen unter anderem der Rahmen, Radsätze, Achslager, Zylinder mit Kolben und Schieber sowie Gestänge. „Ein Großteil dieser Arbeiten muss an hierfür qualifizierte Fachwerkstätten vergeben werden“, erklärt Molz die Hintergründe. Erfahrene Fachwerkstätten könne man heute an einer Hand abzählen und diese Betriebe seien momentan ausgebucht.

Der originale Schornstein vom Carl ist durchgerostet und nicht mehr verwendbar. Vom Deutschen Eisenbahnverein aus Bruchhausen-Vilsen konnte sich Kleinbaan ein Gussmodell ausleihen und einen neuen Schornstein gießen lassen.
Der originale Schornstein vom Carl ist durchgerostet und nicht mehr verwendbar. Vom Deutschen Eisenbahnverein aus Bruchhausen-Vilsen konnte sich Kleinbaan ein Gussmodell ausleihen und einen neuen Schornstein gießen lassen. © Kleinbaan Service

Aktuell hat Kleinbaan drei andere Dampfloks in Arbeit, die in den nächsten zwei Jahren fertig werden sollen. „Wir gehen davon aus, dass dann im Jahr 2024 ein Stand für den Carl frei wird“, erklärt er. Neben etlichen Stunden Eigenleistungen seien bisher gut 200 000 Euro an Materialkosten und Fremdleistungen für den Carl angefallen. „Schätzungsweise werden wir für das Fahrwerk, die Blecharbeiten und die Endmontage dann noch drei bis vier Jahre und weitere 400 000 bis 500 000 Euro brauchen. Überraschungen sind dabei möglich, weil zum Beispiel verschiedene Schäden erst nach Demontage, Sandstrahlen und Rissprüfung sichtbar werden.“

Als die Kleinbahn-Lok damals verkauft worden war, hieß es, dass die fahrtüchtige Eisenbahn auch der Märkischen Museumseisenbahn in Hüinghausen (gut 40 Minuten entfernt von Altena) bei bestimmten Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden könnte. Dabei bleibt es. Molz unterstreicht: „Mit der MME sind wir freundschaftlich verbunden und arbeiten eng zusammen.“ So nutze die Kleinbaan die Werkstatt der MME in Hüinghausen für die Aufarbeitung von Wagen und Loks. „Aktuell sind hier für unsere Dampflok RUR die Kesselverkleidung und der Kohlenkasten in Arbeit.“ Auch die Endmontage der RUR werde in Hüinghausen durchgeführt, sobald das Fahrwerk der RUR aus einer Werkstatt in Tschechien zurück sei.

Zehn Wagen von Kleinbaan bei der MME

„Leider wird die RUR bis zum 40-jährigen Jubiläum der MME im Juli nicht fertig. Zum Jubiläum sind aber zehn von Kleinbaan ausgeliehene Güter- und Personenwagen bei der MME im Einsatz.“ Feststeht für Molz: „Auch der Carl wird definitiv bei der MME fahren – leider wird das noch gute fünf Jahre dauern.“

Aus alten Lagerbeständen konnten Kleinbaan Service ein Paar fabrikneuer Injektoren in genau der richtigen Bauart und Größe für den Carl kaufen. Der Kaufpreis der zwei Injektoren entspreche in etwa dem eines neuen Kleinwagen, so Roland Molz.
Aus alten Lagerbeständen konnten Kleinbaan Service ein Paar fabrikneuer Injektoren in genau der richtigen Bauart und Größe für den Carl kaufen. Der Kaufpreis der zwei Injektoren entspreche in etwa dem eines neuen Kleinwagen, so Roland Molz. © Roland Molz

Gefahren ist die Kleinbahn Carl seit Jahrzehnten nicht. In Diensten der Kreis-Altenaer-Eisenbahn bewegte er zwischen 1907 und 1961 bis zu 80 Tonnen.

Nachbau kam 2019 nach Altena

Ziemlich genau drei Jahre nachdem die Lok Carl in die Niederlande transportiert worden war, war der Nachbau fertig, der seit Oktober 2019 im Tunnelportal an der Lüdenscheider Straße steht. Wim Pater, der neue niederländische Besitzer des echten Carl, hatte diese Kleinbahn-Replik als Teil der Ablösesumme für die historische Lok versprochen.

Auch interessant

Kommentare