Beim Hamburger Theater Festival

Hollstein diskutiert mit beim „Chor des Hasses“

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Gestalten den Abend (v.l.): Cem Özdemir (Foto: Weber); Claudia Michelsen (Foto: Buss), Dietmar Bär (Foto: Degraa), Dr. Andreas Hollstein, Giovanni di Lorenzo (Foto: Rakete/Die Zeit 2015), Heiko Maas, Iris Berben (Foto: dpa), Jörg Hartmann (Foto: Klueter) und Ursula von der Leyen (Foto: BMVg).

Altena - Er freue sich, angesprochen worden zu sein. Wobei er „freuen“ sehr wohl in An- und Abführung setzen würde, sagt Dr. Andreas Hollstein. Am Sonntag, 7. Oktober, 20 Uhr, ist Altenas Verwaltungschef einer von zahlreichen Protagonisten im laufenden Programm des Hamburger Theaterfestivals 2018. Unter der Moderation von Giovanni di Lorenzo sitzt er als Bürgermeister einer Kleinstadt Seite an Seite mit Ministern, Bundespolitikern und TV-Stars im Hamburger Spielort Kampnagel im Projekt „Chor des Hasses.“

„Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes Kulturgut der Westlichen Welt. Doch wer äußert was? Wem gegenüber? In welcher Form und auf welchem Weg? Mit der Omnipräsenz der neuen Medien und dem direkten und anonymen Zugang zu einer breiten Öffentlichkeit, der heute jedermann offen steht, hat sich der Ton im politischen und gesellschaftlichen Miteinander erheblich verschärft.“ So heißt es erklärend zum Projekt selbst. Anja Michalke als Pressesprecherin des Theaters ergänzt: „Giovanni di Lorenzo lädt an diesem Tag exponierte Persönlichkeiten aus der Politik zum Gespräch über Meinungsbildung, Kommunikation und Menschenwürde.“ Rückblick. Das alte Griechenland, Wiege der abendländischen Zivilisation. Kaum ein antikes Drama, in dem nicht der Chor eine entscheidende Rolle spielte. Er kommentierte die zentralen Themen eines Stückes, stellte Fragen und stand stellvertretend für die Meinung des Volkes. Dabei konnte ein Chor unsichtbar oder offen als Teilnehmer des Geschehens agieren. Der Chor sprach da, wo den Tragöden die Stimme versagte. Wie könnte diese Keimzelle des griechischen Theaters heute aussehen? Was würde der Chor sprechen, welche Emotionen würde er transportieren? Das Projekt „Chor des Hasses“ versucht, diese Frage auf eine zugespitzte Weise zu beantworten und hat dazu diejenigen eingeladen, die alle Stimmen kennen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesaußenminister Heiko Maas, der Grünen-Spitzenpolitiker Cem Özdemir und Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein bieten von Berufswegen öffentlichen Diskussionen die Stirn. Und wie sieht es in ihren Mailboxen aus? In Zeiten des Internets und der sozialen Medien fühlen sich viele „Unsichtbare“ berufen, direkt am Drama der Politik teilzunehmen, indem sie die Beteiligten persönlich ansprechen, ja oft auch mit Hass überschütten. Diesen anschwellenden Bocksgesang will das Projekt „Chor des Hasses“ der Unsichtbarkeit entreißen. Dr. Andreas Hollstein: „Iris Berben, Claudia Michelsen, Dietmar Bär und Jörg Hartmann sollen dem Chor ihre Stimmen geben und die Hassbriefe an Politiker lesen.“ Theater-Pressesprecherin Anja Michalke: „Anschließend spricht Giovanni di Lorenzo mit seinen Gästen darüber, wie sie mit diesen Kommentaren, diesem Teil von Volkes Stimme, umgehen.“

Mit diesem Logo wirbt die Hansestadt für das Festival.

Bereits am 14. Dezember 2016 machte unsere Zeitung Hass- und Drohmails gegen Hollstein öffentlich. Damals trat in Bocholt der örtliche SPD-Chef Thomas Purwin zurück, weil Rechte ihn und speziell seine Familie wegen seiner Haltung in der Flüchtlingsfrage bedrohten. Hollstein berichtete damals gegenüber unserer Zeitung über Dutzende von anonymen Briefen, Anrufen, Karten und Mails, die ihm signalisierten, mit seiner Art des Umgangs mit Flüchtlingen sei man nicht einverstanden. Er schaltete sogar den Staatsschutz ein. Ende November 2017 wurde er in der Stadt angegriffen und mit einem Messer verletzt. Zu Schauspielerin Iris Berben hat er eine ganz besondere Beziehung. Sie gehörte zu einem Kreis, der ihn persönlich 2015 ermunterte, an einem besonderen Buchprojekt teilzunehmen. 2015/16 gab der Europa-Verlag das Werk „Mein Kampf - gegen Rechts“ heraus. Es setzte damals mit dem Auslaufen des Urheberrechtschutzes von Hitlers „Mein Kampf“ ein Buch dagegen. Hollstein war einer von 16 Autoren, die in persönlichen Worten ihren Kampf gegen rechtes Gedankengut formulierten. 

Chor des Hasses, 7. Oktober, 20 Uhr, Hamburg Kampnagel. Karten: 35 Euro, Ermäßigung für Schüler, Studenten, Azubis, keine Gruppen. Vorverkauf: Kasse auf Kampnagel (Tel.: 040/27 09 49 49), oder online über www.hamburgertheaterfestival.de bzw. www.kampnagel.de Die TV-Schauspieler Iris Berben, Claudia Michelsen, Dietmar Bär und Jörg Hartmann sollen dem Chor ihre Stimmen geben und die Hassbriefe an Politiker lesen. Gäste sind: Dr. Ursula von der Leyen, Heiko Maas, Cem Özdemir und Dr. Andreas Hollstein. Die Moderation übernimmt Giovanni di Lorenzo.

 

 

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