Beide Hückings schließen ihre Metzgereien

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Ulrich und Annita Hücking haben beide das 70. Lebensjahr überschritten und geben ihren Betrieb auf. Ihre langjährige Angestellte Sonja Malcus kommt im neuen Edeka-Markt unter.

Altena - Eine knappe Woche noch, dann gehen in der Metzgerei Hücking in der Lennestraße die Lichter aus.

Ulrich und Annita Hücking haben beide das 70. Lebensjahr überschritten, die Arbeit wird nicht leichter und die neuen gesetzlichen Anforderungen an Waagen und Kassen würden eine Investition in Höhe von 20 000 Euro erfordern. „Wir machen nach dem Schützenfest nicht mehr auf und bereiten unseren Ruhestand vor”, erklären die beiden.

Auch Ulrichs Bruder Manfred Hücking zieht in diesem Jahr einen Schlussstrich in der Werdohler Straße, womit Altena schlagartig zwei Traditionsmetzgereien verliert. 1937 hatte der Vater sich mit der Metzgerei selbstständig gemacht und 1957 um eine Filiale auf dem Breitenhagen erweitert. Zwei Jahre später folgte der Kauf des Wohn- und Geschäftshauses an der Lennestraße.

„Dass Manfred und ich an verschiedenen Standorten weitermachen würden, war von vornherein klar. Es war so geregelt, als unser Vater 1962 starb und auch, als nach dem Tod unserer Mutter 1984 unser Angestelltenverhältnis bei ihr endete”, erklärt Ulrich Hücking die Existenz der zwei Familienmetzgereien in Altena. „Die Stadt hat ja mal unzählige solcher Geschäfte gehabt”, erinnert sich der Meister. Zwei Hände reichten nicht aus, um die Betriebe abzuzählen. „Und als wir noch 30 000 Einwohner hatten, konnten auch alle gut davon leben.”

Annita und Ulrich erinnern sich gut an die Zeiten, als sie noch vier Angestellte im Laden beschäftigten. Nach dem Umbau im Jahr 1992 wurde zudem der Mittagstisch eingeführt – zusätzlich zu den fertigen Frühstücksbüfetts, die in die Firmen geliefert wurden. Auch sie sind der Grund dafür gewesen, dass der Metzger immer zeitig aufstehen musste: „Ich war meistens um vier Uhr morgens hier und habe die Schweinehälften geschleppt, meine Frau kam um fünf und machte die Brötchen und die Theke."

Auslage einer Metzgerei: Bundesweit ist die Zahl der Betriebe zwischen 2002 und 2016 um 30 Prozent gesunken. Hauptgründe sind Nachwuchsmangel und Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter.

Jene Arbeitszeiten und die harte körperliche Arbeit sind ein Grund dafür, dass kaum noch eine Metzgerei Nachfolger findet. „Unsere Innenstadt ist ein Paradebeispiel für diese Entwicklung. Keiner der anderen Läden existiert noch…”

Manfred Hückings Betrieb an der Werdohler Straße läuft noch bis August. „Ich bin 79, das muss ja wohl reichen“, sagt der Metzgermeister, der sich lange, letztlich aber erfolglos um eine Nachfolgeregelung bemüht hat und froh ist, dass seine Mitarbeiter schon neue Stellen in Aussicht haben. Übrigens: Hückings Partystuben wird es weiterhin geben.

Zurück zu den anderen Hückings: Deren Sohn Ralf hatte einst die Ambition, die Metzgerei weiterzuführen. Die Nachfolge war bereits angedacht, bis der Junior schwer mit dem Auto verunfallte und Verletzungen davon trug, die die Übernahme unmöglich machten. „Wenn es geklappt hätte, dann hätten wir ihn bestimmt noch unterstützt, bis wir 100 sind”, lachten Annita und Ulrich Hücking, die froh sind, dass ihr Sohn das Unglück überlebt hat und nach langwieriger Rehabilitation wieder eigenständig leben kann.

Der Beruf hat mittlerweile 59 Jahre fast jeden Lebenstag von Ulrich Hücking getaktet – und auch den seiner Frau, mit der er in diesem Jahr goldene Hochzeit feiern kann.

Glücklich sind beide auch darüber, dass die langjährige Angestellte Sonja Malcus nach 30 Jahren im Betrieb gut untergekommen ist. „Wir haben sie selbst ausgebildet, sie hatte sogar Job-Angebote aus Schwerte”, berichten Hückings nicht ohne Stolz auf ihre bewährte Kraft. Sie wird Altena erhalten bleiben hinter der Fleischtheke im neuen Edeka-Markt, der auf dem Jmra-Gelände eröffnet wird. Und auch Ulrich Hücking wird man noch sehen im Stadtbild: „Wenn wir im Juni aufräumen und ausmisten, dann bestimmt nicht die Grills. Ich werde mich nicht langweilen im Ruhestand. Aber ich freue mich, dass ich demnächst mal unter der Woche mit meiner Frau in Ruhe frühstücken kann. Das ging ja immer nur sonntags”, schließt Ulrich Hücking lachend ab.

Übrig bleiben John und Anlauf

Wenn Manfred und Ulrich Hücking im Laufe des Jahres 2018 ihre Betriebe schließen, dann bleiben in Altena noch die Metzgereien von Gerhard John (Knerling) und Wolfgang Anlauf (Bahnhofstraße) übrig. Hinzu kommt der Werksverkauf des Großhandels Schnabel in der Rahmede.

Früher gab es praktisch in jedem Stadtteil wenigstens einen Metzger. Der Rückgang ist vor allem auf das Angebot von Supermärkten und Discountern zurückzuführen und auch außerhalb der Burgstadt zu beobachten. Bundesweit sank die Zahl der Metzgereien zwischen 2002 und 2016 um gut 5500 auf knapp 12 800. Im Märkischen Kreis gab es Ende 2016 nur noch 41 in die Handwerksrolle eingetragene Betriebe. 2010 noch waren es 55, meldet die Handwerkskammer Südwestfalen.

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