So behält der Wanderer den Überblick im Wald

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Michael Krämer malt ein neues Wegezeichen auf einen Baum.

Altena - Auf den vielen Wanderwegen Altenas kann man schonmal den Überblick verlieren. Wäre da nicht Michael Krämer, der mit Pinsel und Farbe durch den Wald streift.

Langsam fährt das rote Auto bis zum Waldsaum vor. Michael Krämer steigt aus, öffnet die Beifahrertür und kommt mit einer kleinen Kombikiste zurück zum Treffpunkt am Rande des Adolf-Hahn-Sportplatzes. Sie enthält sein Arbeitszeug und wird im SGV-Sprachgebrauch als die „Wegemarkierungskiste“ bezeichnet.

Der 70-Jährige gehört seit Jahrzehnten dem Sauerländer Gebirgsverein, SGV, an und ist in der örtlichen SGV-Abteilung seit Jahren für das Zeichnen von Wanderwegen zuständig. Das sei zwar keine leichte, „aber eine sehr zufriedenstellende Aufgabe“, sagt der Mann mit dem SGV-T-Shirt samt der Aufschrift „Servicekraft“ und stellt seine Kiste auf den Boden. 

Runter mit der alten Farbe

Wenn er in der Natur unterwegs ist, hat er stets Acryllackfarbe in Schwarz und Weiß, eine Baumschere, einen Kratzer inklusive Klinge, verschieden große Alu-Schablonen und eine kräftige Bürste dabei. „Ohne geht gar nicht“, sagt der Altenaer, lacht und geht schnurstracks auf einen stattlichen Baum zu. Der steht am Rande des Adolf-Hahn-Sportplatzes. 

„Schauen Sie mal genau hin“, sagt Krämer. „Die Markierung als A1-SGV-Wanderweg ist kaum noch zu erkennen.“ Kaum gesagt, macht er sich auch schon an die Arbeit. Etwa in Brusthöhe beginnt er mit seinem Kratzer über die Rinde zu fahren, nimmt später noch die Bürste hinzu. „Altfarbe oder Farbreste müssen vollständig entfernt werden. Sonst bringt das Aufbringen neuer Farbe nichts“, sagt der erfahrene SGV-Wegemarkierer. 

Sieben Wege-Klassen

Augenblicke später hat er schon den kleinen Pinsel in der Hand und taucht ihn in ein Glas mit weißem Arcryllack. Vier, fünf gekonnte Striche und der A-Wanderweg mit dem Balken darunter ist wieder zu erkennen. „Auch aus der Distanz von vielen Metern“, sagt Krämer. 

Die Wege in Wald und Forst sind in sieben verschiedene Klassen unterteilt. So gibt es Hauptwanderwege, Qualitätswege, touristische Wege und Wege durch sogenannte Qualitätsregionen. Ob Qualitätsweg, Hauptwanderweg, Naturerlebnispfad oder Ortsrundweg: Im gesamten Gebiet des Sauerländer Gebirgsvereins erstreckt sich das Wegenetz über mehr als 43 000 Kilometer und bietet jede Menge Abwechslung. „Das ist in etwa so viel, als wenn ein Mensch einmal um die Erde laufen würde“, sagt der Wegemarkierer. 

Michael Krämer mit seiner Markiererkiste.

SGV-Mann Krämer ist für seinen Verein, aber auch für den übergeordneten SGV-Bezirk – für mehr als 82 Kilometer Markierungsstrecke – zuständig. Zehntausende Bäume kenne er „vom Sehen“, wie er augenzwinkernd sagt. 

Markieren muss gelernt sein

„Wir haben ihn zur SGV-Akademie nach Arnsberg geschickt. Dort ist er in Sachen Markierung in vielen Lehrgangsstunden speziell ausgebildet worden“, sagt Altenas SGV-Chef Thomas Braun nicht ohne einen gewissen hörbaren Stolz in der Stimme. Denn einfach einen Baum, eine Rinde oder einen Masten aus Holz oder Alu anzupinseln, das gibt es nicht. „Wir haben vorgeschriebene Zeichen, die muss jeder beherrschen. Zudem arbeiten wir auch mit aufklebbaren Zeichen aus Folienmaterial. Da gilt es schon einiges zu beachten.“

Besonders gern markiert Krämer die mehr als 13 Kilometer lange Sauerland-Höhenflug-Premium-Wanderroute auf Altenaer Stadtgebiet. Sie führt von der Burg bis zum Quitmannsturm. Auch der Drahthandelsweg ist für ihn erwähnenswert. „Denn wir zeichnen und überprüfen eigentlich alle Wege im Zwei-Jahres-Rhythmus. Nur diese beiden jährlich“, sagt er. Und er höre immer wieder von begeisterten Wanderern, die sich auf seine Zeichen verließen – „und sich noch nie verlaufen haben“. 

Narzissengelb muss es sein

Aufwendig sei die Arbeit mit Folie, Pinsel und Bürste im Wald nicht. „Ich bin gerne draußen, mitten in der Natur. Und so richtig Arbeit ist das ja auch nicht.“ Und, so fügt er an, „ ich bin wohl der Einzige, der Graffiti auf Bäume malen darf“. Obwohl: Einem Graffiti gleichen die Buchstaben A 1, A 2 und die darunter verlaufenden Balken, offenen Quadrate oder Kreise nun wirklich nicht. Neben Weiß und Schwarz darf Michael Krämer nur mit gelber Folie arbeiten. Dann ist es mit der Farbspielerei in der Natur auch schon vorbei. Die Folie ist aber dem Sauerländer Höhenflug vorbehalten. 

Gibt es bei der Wagenfarbe von Feuerwehrfahrzeugen eine amtlich geeichte Ral-Farbnummer, reicht es völlig aus, den Höhenflug in Narzissengelb zu markieren. Ein wenig stolz sind sowohl Thomas Braun als auch sein Vorstandskollege Michael Krämer, „als alleinige Zeichnungsberechtigte laut Landschaftsschutzgesetz“ im Wald unterwegs sein zu dürfen. In offiziell im Handel zu erwerbenden Wanderkarten sind die Wege, die im Altenaer Wald gezeichnet sind, natürlich zu finden. 

Wandermarkierer gesucht

So können sich Wanderfreunde zwischen zwei, drei oder 60 Kilometer-Wegen entscheiden und wissen in der Regel auch, wie anspruchsvoll eine Tour werden kann, wo es Steigungen, enge und schmale Stege gibt.

„Wer unterwegs ist“, diesen Rat gibt Thomas Braun allen Wanderern immer mit auf den Weg, „sollte stets Wasser mitführen und möglichst Rucksack-Verpflegung. Das ist einfach ein Muss, dann ist jeder auf der sicheren Seite.“ Altenas SGV-Abteilung arbeitet – auch was das Zeichnen der Wege angeht – eng mit dem SGV-Hauptverein in Arnsberg zusammen. „Dort wird alles digitalisiert und auch überörtlich beworben. 

Meine große Bitte an Wanderfreunde: Denken Sie mal darüber nach, ob so ein Job als SGV-Wandermarkierer nichts für Sie wäre? Wir suchen dringend noch Ehrenamtliche.“ Michael Krämer hat indes in Höhe des Adolf-Hahn-Platzes weitere Zeichen wieder lesbar gemacht. „Wissen Sie: Manchmal wirft ein Sturm Bäume um. Manchmal gibt es Vandalismusschäden. Ich gehe gerne in den Wald und mache meinen Job. Es tut mir gut. Und ich hoffe, so verlaufen sich weniger Menschen und erkennen, wie schön es ist, zu wandern."

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