Klage über "Schrottimmoblien"

In Altena: Immer mehr Häuser, die keiner will

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Eines von vielen: Auch am so genannten Aschenweg ist ein kleines Wohnhaus dem Verfall preisgegeben.

ALTENA ▪ „Schrottimmobilien“– da fallen dem Altenaer zuallererst die Hochhäuser auf dem Nettenscheid ein und das ein oder andere Gebäude aus der Erbmasse von Chafik Itani. Dabei geht das Problem viel weiter.

„Es gibt immer mehr Häuser, die von ihren Besitzern quasi aufgegeben worden sind“, beobachtet Roland Balkenhol, der im Bauamt auch für die Bauaufsicht verantwortlich zeichnet.

Fensterscheiben zerbrochen, Bäume in der Dachrinne und Risse im Putz – wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, findet immer wieder solche Häuser, vor allem in den Industrietälern. Oft sind sie deutlich unter 100 Quadratmetern groß, mit winzig kleinem Grundstück – so will heute keiner mehr wohnen. Folglich werden die Häuser für deren Eigentümer zum Zuschussgeschäft – und das kann oder will sich nicht jeder leisten.

Bei der Stadtverwaltung wird keine Liste dieser Häuser geführt – „die kennen wir auch so“, versichert Balkenhol. Er und seine Mitarbeiter kommen ins Spiel, wenn der Verfall so weit fortgeschritten ist, dass von den Gebäuden eine Gefahr ausgeht. Dann muss gehandelt werden. Sehr zum Leidwesen mancher Nachbarn spielt Optik keine Rolle – im Zweifel reicht ein Bauzaun rund ums Grundstück zur Gefahrenabwehr aus. Dafür muss der Eigentümer sorgen. Tut er das nicht, kann die Stadt per „Ersatzvornahme“ handeln und dann versuchen, sich das Geld beim Besitzer wiederzuholen. Den kennt die Verwaltung von nahezu allen Immobilien: Rund 6000 Grundsteuerbescheide verschicke die Stadt im Jahr, nur knapp 100 kämen zurück, berichtet Kämmerer Stefan Kemper.

In Einzelfällen hat die Stadt in den vergangenen Jahren schon Häuser abreißen lassen. Dabei entstehen Kosten, auf denen sie in der Regel sitzen bleibt. Balkenhol hat sich vorgenommen, sich in dieser Sache bei Gelegnheit ans Städtebauministerium zu wenden. Das fördert nämlich Hausabbrüche, allerdings nur eher großflächige Maßnahmen in so genannten Fördergebieten wie zuletzt am Breitenhagen, wo mit Landeshilfe Baugesellschaftshäuser verschwanden. Für den Abbruch kleinerer Einzelobjekte gibt es kein Geld aus Düsseldorfd – „dabei gibt es da Handlungsbedarf, und zwar nicht nur in Altena“, meint Balkenhol. ▪ Thomas Bender

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