Bar-Kasse des St. Vinzenz ist gut gefüllt

ALTENA ▪ Was wird aus dem Krankenhaus? Offiziell blieb diese bange Frage vieler Bürger auch gestern unbeantwortet – eine zunächst geplante Pressekonferenz der Geschäftsführung wurde wieder abgesagt, dann eine angekündigte Presseerklärung auf heute verschoben.

Bis in den späten Nachmittag hinein tagte gestern die „Klinikkonferenz“, der alle Mitarbeiter des Krankenhauses angehören. Dort informierte die Geschäftsführung über ihre Pläne – wie berichtet, soll das Pflegeheim deutlich vergrößert und der Rest des Hauses als geriatrische Rehabilitationsklinik genutzt werden. Für akute Notfälle soll es nicht mehr zur Verfügung stehen. In dem Fall, dass sich das nicht verwirklichen lasse, sei die Möglichkeit einer Schließung zum Jahresende in den Raum gestellt worden, berichteten Teilnehmer an der Sitzung anschließend geschockt.

Das Krankenhaus hat nach eigener Auskunft über 100 Mitarbeiter allein in der Pflege, hinzu kommen Verwaltungskräfte, Mitarbeiter in Funktionsbereichen wie Küche und Haustechnik und natürlich die Ärzte. Es gilt damit als einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

Völlig unklar ist im Moment vor allem, wie groß der finanzielle Druck auf das Krankenhaus tatsächlich ist. Bis zu seinem Ausscheiden im Spätsommer 2009 habe das Haus „keine müde Mark Verlust gemacht“, versichert der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Einhard Pflüger. Gewinn- und Verlustrechnungen der Jahre 1997 bis 2007, die dem AK vorliegen, bestätigen das: In diesen elf Jahren machte das Krankenhaus Gewinne von über 3,5 Mio. Euro, die nicht ausgeschüttet, sondern in die Rücklagen überführt wurden. Die Bilanzen aus diesen Jahren weisen ein ständig steigendes Eigenkapital aus, zudem verfügte das Krankenhaus danach Ende 2007 über ein Barvermögen beziehungsweise offene Forderungen von über vier Millionen Euro. Ganz bewusst sei dieses Polster gebildet worden, um für die mit der Einführung neuer Abrechnungsmodalitäten seit Anfang 2010 einhergehenden Einnahmeausfälle gerüstet zu sein, sagte Pflüger schon im Jahr 2009. Er berichtete auch, dass die St. Vinzenz-Zahlen beim Bistum stets als vorbildlich gegolten hätten.

Wie es nach 2007 weiterging mit den Finanzen des Hauses, liegt weitestgehend i Dunkeln. In diesem Jahr wurde das Krankenhaus in eine GmbH umgewandelt und muss seither eigentlich seine Bilanzen im Bundesanzeiger veröffentlichen. Das hätte erstmals im Jahr 2009 geschehen müssen, im Bundesanzeiger findet sich ein dementsprechender Eintrag aber nicht.

„Es ist genauso gekommen, wie ich es gesagt habe“, kommentierte Pflüger die neuesten Ereignisse. Dass es ab 2010 eng werde, sei absehbar gewesen, deshalb habe der alte Aufsichtsrat sich beizeiten auf die Suche nach Kooperationspartnern gemacht. Jetzt sei gar kein Konzept mehr erkennbar. Das Problem dabei: „Die haben fast ein ganzes Jahr versäumt, etwas zu tun“.

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