Die Blackjets: Erste CD nach 56 Jahren

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Die Frühzeit der Blackjets: (v.l.) Jürgen Henke, Hans Fritsch, Rüdiger Förste, Herbert Mynar, Ekke Steinberg und Gerd Scholl beim Sprudelball im Jugendheim.

Altena – Das wurde aber auch Zeit: 56 Jahre nach ihrer Gründung haben die Blackjets ihre erste – und wahrscheinlich auch letzte – CD herausgebracht.

Die Band will „ein wichtiges Stück der eigenen Identität sichern“, wie es Jürgen Henke formuliert. Er gehörte zu den damals blutjungen Männern, die die Beatband im Jahr 1963 gründeten. Hauptinitiator war Eckehard „Ekke“ Steinberg. 

Anfangs firmierte die Gruppe als „Jugendmusikgruppe des Volksbildungswerkes“, die in der Albert-Schweitzer-Schule in Nachrodt proben durfte und sich mit gelegentlichen Konzerten im Forum für dieses Entgegenkommen bedankte. 

Kapellenwettstreite im TV

Damit begann ein beinahe kometenhafter Aufstieg. Die Blackjets traten zunächst in den Städten des Märkischen Kreises auf – in Altena und Werdohl, aber auch in der Iserlohner Tanzschule Buchenwäldchen und in der Lüdenscheider Schützenhalle, wo es damals große, zum Teil vom WDR live übertragene „Kapellenwettstreite“ gab. Die Musiker traten dort ebenso mit Krawatte auf wie die jungen Herren im Publikum. 

Trotzdem attestierte die Lüdenscheider Lokalpresse dem einen oder anderen Musiker „das Auftreten eines Scheintoten“ und zeigte sich verwundert darüber, dass die Schützenhalle nach dem Konzert nicht in Trümmern lag. 

Die Band zog immer weitere Kreise: Sehr bald schon ging es ins Ruhrgebiet, wo sich Recklinghausen zu einer Art Mekka der westfälischen Beat-Szene entwickelte. Die Blackjets traten in Hannover auf und sogar im Hit-Club auf der Reeperbahn in Hamburg. Sie spielten als Vorgruppe für weltbekannte Bands wie den Searchers, den Lords, den Rainbows und Chris Barbers Jazzband. 

Der Hauptinitiator der Bandgründung: Eckehard Steinberg.

„Die Leute haben die Lords ausgepfiffen, weil sie weiter uns hören wollten“, erinnert sich Steinberg an einen der größten Erfolge. Die Popularität kam nicht von ungefähr: Der Probenfleiß war immens. „Wir hätten nie etwas gespielt, was nicht 100-prozentig saß“, sagt Henke zurückblickend. Die Blackjets waren eine reine Coverband, spielten also Stücke anderer Gruppen. 

Heute gibt es dafür Arrangements, früher hörten die jungen Musiker die Stücke am Tonband und schrieben die Texte mit. Zum Repertoire gehörten Songs der Rolling Stones und von Chuck Berry, der Spencer-Davis-Group und den Deep Purple. „Wenig von den Beatles, die waren nicht so unser Ding“, erzählt Henke. 

Verdacht, Playback zu singen

Wegen der hohen Stimmlagen sangen die Musiker sehr anspruchsvolle Songs der Beach Boys mit einer solchen Perfektion, dass sie unter Verdacht gerieten, Playback gesungen zu haben. „Haben wir aber nicht“, stellt Henke klar. Er und Steinberg waren die Sänger und Gitarristen der Blackjets. „Wir verdienten damals richtig gutes Geld“, erinnert sich Henke, Steinberg kann das anhand alter Akten gut belegen. „Im Grunde waren wir eine kleine Firma“, erinnert er sich. 

Deshalb wurde von ihm, aber auch von Manager Klaus Knipping, Buch geführt. Die Belege haben die Ruheständler bis heute aufbewahrt. Sechs Eier verzehrten Mitglieder der Band nach einem Auftritt in Leer, über 6000 D-Mark wurden für einen Verstärker ausgegeben, und der „Oberschüler Jürgen Henke“ musste 34 D-Mark Bußgeld zahlen, weil er ein Blackjets-Plakat an die Friedenseiche am Markaner geheftet hatte. 

In der Hochzeit dieser ersten Phase der Blackjets habe eine Profikarriere im Raum gestanden. „Wir hatten ein entsprechendes Angebot“, sagt Steinberg. 

Es kam anders, weil auch die Eltern noch ein Wörtchen mitzureden hatten und der Vater des Keyboarders darauf drängte, dass der Sohn studieren und dann in die elterliche Firma einsteigen möge. „Ich hätte wohl auch nicht gedurft“, meint Henke, der damals noch zum Burggymnasium ging und mit seinem Hobby bei den Lehrern nicht unbedingt auf Verständnis stieß. Auch Steinberg musste sich den damals beliebten Spruch von der „Negermusik“ anhören. 

Comeback mit fast 50

1968 war die erste, die heiße Phase der Blackjets vorbei: Wehrdienst und Studium, Familiengründung und berufliche Orientierung standen an. 1990 trafen sich mehrere Bandmitglieder auf einem Oldie-Revival-Festival wieder. Sie schwärmten nicht nur von der guten alten Zeit, sondern wagten als inzwischen recht gestandene Herrschaften – Steinberg ging damals auf die 50 zu – ein Comeback. 

Bis 2004 traten die Blackjets immer mal wieder auf, unter anderem beim St.-Claus-Rock in der Nachrodter Lennehalle. Die Besetzung wechselte in den Folgejahren öfter, weil eher nach Lust und Laune musiziert wurde. 

Die erste CD der Blackjets.

Es finden sich in Altena bekannte Namen wie Jan Möhling, Klaus Dei oder auch Thomas Selter unter den Bandmitgliedern. Auch die Gebrüder Steegmanns stießen in jenen Jahren zu den Blackjets. Einem davon, Norbert Steegmanns, sei es ganz maßgeblich zu verdanken, dass die CD herausgegeben werden konnte, betonen Henke und Steinberg. Als Musikschullehrer hatte er Zugang zu einer guten Studio-Software, mit der einzelne Arrangements professionell miteinander verknüpft werden konnten. 

CD nur für Freunde und Fans

In der Musikschule Hemer und später in Steegmanns Keller wurde über Jahre hinweg immer wieder an den Stücken gefeilt, bis die Musiker endlich zufrieden waren und die CD in Auftrag gegeben werden konnte. „Die ehemaligen Mitglieder der Band haben sich am 1. Juni getroffen, um ihr Werk anzuhören und kritisch zu begutachten. Sie sind der Auffassung, die Aufnahmen könnten freigegeben und an – noch lebende – ehemalige Fans verteilt werden“, heißt es in einem Begleitschreiben zur CD. 

Die kann man nämlich nicht kaufen, sie wird ausschließlich an Freunde und Weggefährten verschenkt. Ein paar CDs sind noch übrig: Wer partizipieren will am „Rückblick auf das, was richtig Spaß gemacht hat im Leben“ (Henke), kann sich an die beiden ehemaligen Sänger wenden.

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