Balkenhol interpretiert Gutachten komplett anders

ALTENA ▪ „Für mich hört der Spaß dann auf, wenn mit den Ängsten der Menschen gespielt wird“ - das sagte Bürgermeister Dr. Hollstein Montagabend im Rat zum neuesten Vorstoß von Altena- innovativ. Wie berichtet, prophezeit die Gruppe um den Ex-Ratsherrn Wilfried Bracht für den Fall, dass der Burgaufzug gebaut wird, erhebliche Schäden an der Burg und den Häusern in der Innenstadt. SPD-Ratsherrr Mario Westphal bezeichnete das als „Frechheit“ und empfahl: „Die sollten endlich mal Ruhe geben“.

Bracht hatte am Freitag im Bauamt Einblick in das geologische Gutachten genommen und es offensichtlich völlig anders interpretiert als Roland Balkenhol, der zuständige Bereichsleiter im Rathaus: „Voraussichtlich ohne größere Schwierigkeiten“ könne der vorhandene Stollen erweitert und dann der Aufzugsschacht durch den Fels getrieben werden, sagte der vor dem Rat. Dass ein Gutachter auf mögliche Risiken hinweise, sei ebenso normal wie das Beweissicherungsverfahren, das im Vorfeld durchgeführt werden soll – „das werden wir auch vor dem Bau der Wacholderbrücke so machen“.

Natürlich werde während der Bauarbeiten peinlich genau darauf geachtet, dass nichts und niemand zu Schaden komme, fuhr Balkenhol fort – daran habe ja zum einen die ausführende Firma ein Interesse, zum anderen werde ein von ihr unabhängiges Büro für Geologie die Arbeiten begleiten. Der Stadtplaner wies auch darauf hin, dass zwischen dem geplanten Aufzugsschacht und der Bebauung immerhin 70 Meter Fels liegen.

Der Rat beriet das Thema gestern noch einmal, weil ein formeller Beschluss pro Burgaufzug gebraucht wurde, um die Zuschussanträge zu stellen. Das geschah einstimmig ohne Stimmenthaltungen. Gelassen reagierten die Kommunalpolitiker auf die Ankündigung eines Bürgerbegehrens. „Da hätte ich viel Spaß dran“, sagte CDU-Sprecher Uwe Scholz. Selten zuvor habe er in seiner langen politischen Laufbahn aus der Bevölkerung so viel positive Resonanz für ein Projekt erfahren wie für den Burgaufzug. Eine klare Absage erteilte Scholz den Alternativ-Plänen der Gruppe um Bracht: Das sei ein Rückschritt in die 70-er Jahre und „für uns nicht diskutabel“.

Unter dem Beifall aller Ratsmitglieder dankte Scholz dem Bürgermeister und seinem Team für ihren Einsatz: „Der dritte Stern ist schließlich nicht von allein nach Altena gefallen.“ ▪ ben.-

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