Bäckerei-Prozess: Sohn der Angeklagten: "Sie war ein menschliches Wrack"

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Wegen versuchten Mordes muss sich eine Frau vor Gericht verantworten. Sie hatte einer Altenaerin ein Messer in den Bauch gerammt.

Altena –  Kann der Messerstich, der eine Frau aus Altena beinahe getötet hätte,  ein Versehen gewesen sein? Nicht so einfach zu beantworten, wie sich im Prozess zeigt.

Gerichtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff nahm Stellung zu der Frage, ob die Angeklagte dem 19-jährigen Opfers aus Altena die lebensgefährlichen Bauchverletzungen versehentlich zugefügt haben könnte. 

Die 48-Jährige hatte die junge Kollegin mit einem Messer in den Bauch gestochen und behauptet, dies sei durch eine unglückliche Bewegung des Opfers passiert.

"Nur" ein tiefer Stich

Im Ergebnis hielt der Gutachter einen Unfall für möglich: „Ausgeschlossen ist das nicht“, erklärte er, aber dies seien „extrem seltene Fälle“. Der Mediziner nannte wichtige Voraussetzungen dafür, dass eine solche Möglichkeit überhaupt in Betracht gezogen werden muss: Das Opfer erlitt „nur“ einen tiefen Stich. 

Wären es mehrere gewesen, wäre ein Unfall so gut wie ausgeschlossen. Außerdem hatte die 19-Jährige keine Abwehrverletzungen an den Händen, die auf ein vorangegangenes Gerangel hindeuten würde. 

Dr. Ralf Zweihoff betonte aber auch, dass die Aussage des Opfers „das Geschehen sehr plausibel erklärt“. Die Altenaerin hatte kurz nach der Tat in allen Vernehmungen und vor Gericht wiederholt, dass ihre Kollegin ihr das Messer absichtlich in den Bauch gerammt habe. 

Spielsucht: Details zu klären

Vor dem Urteil, das am Freitag, 7. August, fallen soll, müssen die Prozessbeteiligten noch drei Aktenordner mit dem schriftlichen Gutachten des Gerichtsmediziners und weitere Schriftstücke zur Kenntnis nehmen. Dabei wollen die Prozessbeteiligten die Geldflüsse auf den Konten der angeblich spielsüchtigen Angeklagten klären. 

Zudem gab es in der Verhandlung Aussagen zur psychischen Verfassung der Angeklagten zum Tatzeitpunkt. „Wenn es mich und meine Schwester nicht gäbe, hätte sie keinen Grund mehr zu leben“, schilderte der Sohn der 48-Jährigen deren schwere depressive Verstimmung. „Sie ist ein menschliches Wrack, nur noch am Heulen. Die Lust am Leben war einfach weg.“ 

Als Mutter "liebevoll und aufopferungsvoll"

Er bestätigte die Spielsucht seiner Mutter, die dafür mehrere Kredite aufgenommen habe. Auch von ihm habe sie sich Geld geliehen. Er beschrieb seine Mutter aber auch als „liebevoll und aufopferungsvoll. Sie war immer für uns da.“ 

Von der Plünderung seiner Kreditkarte vor drei Jahren hatte der Expartner der Angeklagten berichtet. Er bezahlte ihre Spielsucht mit einem Schaden von rund 35 000 Euro. Nur wenig zahlte sie zurück. Weil er „kein volles Vertrauen mehr“ hatte, trennte er sich von seiner Partnerin einige Monate vor dem Zwischenfall in der Bäckerei. Dieses Ereignis verschärfte die schwere Krise der Angeklagten offenbar.

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