Nachfolger steht in den Startlöchern

Auszug nach 36 Jahren: Leiter verlässt das Bergheim

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Reinhard Fuchs (links) verabschiedet sich in den Ruhestand. Seine Nachfolge als Heimleiter des Bergheim Mühlenrahmede übernehmen Marc Krätzig und seine Frau Judith.

Altena - 36 Jahre lang war Reinhard Fuchs Heimleiter des Bergheims Mühlenrahmede, der Erholungs- und Tagungsstätte der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand und übergab das Haus Anfang des Monats an seinen Nachfolger Marc Krätzig.

„Ich hätte gerne einen Tag der offenen Tür veranstaltet, um mich von allen zu verabschieden und meinen Nachfolger vorzustellen. Ein gemütliches Beisammensein wäre schön gewesen. Wegen Corona geht das alles aber leider nicht“, sagt Reinhard Fuchs. Im Alter von 28 Jahren hatte er damals, am 1. Juni 1984, das Haus zusammen mit seiner Frau übernommen.

„Eigentlich sollte ich sogar schon einige Jahre zuvor in den Dienst des Bergheims treten. Ich sollte hier der erste Zivildienstleistende werden. Ich kannte den damaligen Heimleiter und hatte schon mal handwerkliche Tätigkeiten übernommen oder beim Schafe scheren geholfen“, sagt er.

Allerdings wurde er ausgemustert und der Zivildienst erübrigte sich damit. Daher blieb Fuchs zunächst beruflich im Außendienst der Kirche. In diesem war er neun Jahre tätig, bevor er schließlich doch zum Bergheim kam und der Heimleiter wurde.

In der langen Zeit in dieser Tätigkeit sammelte er viele schöne Erinnerungen und beobachtete, dass nicht nur für ihn der Ort zu einem Zuhause geworden war, sondern auch für viele wiederkehrende Gäste. Viele Veranstaltungen sowie auch Hochzeiten wurden am Kalkofenweg gefeiert. An eine kann sich Reinhard Fuchs noch sehr gut erinnern. „Die Braut wollte frische Kuhmilch haben. Ich bin dann zu Spelsberg, zum Bauern, gegangen, und habe eine Kuh im Hänger hier hingebracht. Die Braut durfte sich dann einen Liter Milch melken“, erzählt Fuchs. Und auch ein Paar, dass seine Gnadenhochzeit im Bergheim feierte, blieb ihm in Erinnerung. Denn der Ehemann feierte später auch seinen 100. Geburtstag mit 100 Gästen dort. Zudem wurde in seiner Zeit als Heimleiter das Schwimmbad gebaut und er konnte gleich zwei Jubiläen des Bergheims begleiten.

Über die Jahre wuchs ihm das Bergheim sehr ans Herz. Umso mehr ärgert sich der ehemalige Heimleiter, der derzeit noch bis zu seinem Umzug nach Lünen ein Zimmer im Heim bezogen hat und seinen Nachfolger bei Bedarf unterstützt, dass das Gelände Opfer von Vandalismus wurde. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden drei Bänke am Waldrand mutwillig zerstört (wir berichteten). „Eine wurde umgeschmissen und lag auf dem Weg und bei den anderen wurde die Holzsitzfläche zerbrochen“, schildert Marc Krätzig.

Zwei Wochen zuvor hatten Unbekannte erst den Riegel vom Schwimmbad abgerissen. „Es gab über die Jahre immer mal wieder kleinere Fälle von Vandalismus, aber so massiv, das ist schon heftig“, sagt Reinhard Fuchs. Das habe er zuvor noch nicht erlebt. Eigentlich möchte man das Heim und das dazugehörige Außengelände nicht abschotten. „Wir haben ein gutes Miteinander mit den Menschen hier“, sagt Reinhard Fuchs. Aber sollten sich solche Fälle häufen, sehe man sich vielleicht doch dazu gezwungen.

Repariert wurden die Bänke bisher nicht und das könnte auch noch einige Zeit dauern. Der Vorfall sei nicht nur ärgerlich, weil viel Arbeit darin stecke, sondern auch, weil durch die Coronakrise die finanziellen Mittel fehlen.

„Am meisten vermissen werde ich den Kontakt zu den Gästen. Viele, die als Kinder schon mit ihren Eltern hier waren, kommen jetzt mit ihren eigenen Kindern“, sagt Reinhard Fuchs. Er habe viele Menschen begleitet und es sei eine sehr spannende Zeit gewesen. Die Verbundenheit zu den Gästen wünscht er auch Marc Krätzig und seiner Frau Judith. Wirklich neu ist das Ehepaar im Bergheim nicht. Sie waren zuvor selbst schon des Öfteren zu Gast im Bergheim und lernten sich sogar dort kennen.

„Ich habe als Jugendlicher an Freizeiten teilgenommen, später auch an Gruppenleiterschulungen und war als Referent hier. Da habe ich meine Frau kennengelernt“, sagt Marc Krätzig. Gebürtig kommt er aus Bonn, lebte 25 Jahre lang in Bayern und war vor zwei Jahren mit seiner Frau wieder zurück nach Bonn gezogen, bevor sie nun das Bergheim ihr Zuhause nennen konnten. Beruflich ist Marc Krätzig eigentlich gelernter Koch, arbeitete in der gehobenen Gastronomie, und bildete sich zum Bürokaufmann weiter. Zuletzt war er im Messebau im Projektmanagement tätig und seine Frau ist gelernte Erzieherin. Nun machen sie ihr Hobby zum Beruf, denn das Paar war viele Jahre ehrenamtlich in der Jugend- und Pfadfinder-Arbeit tätig. Durch die Corona-Pandemie konnte die neue Heimleitung bisher noch nicht viele Gäste begrüßen, Reinhard Fuchs nutze die Zeit jedoch für eine ausführliche Übergabe in allen anderen Bereichen.

„Ich komme mir vor wie ein Bademeister, der ein Schwimmbad übergibt, in dem kein Wasser ist“, sagt er im Bezug auf die Umstände. Doch das werde sich hoffentlich bald wieder ändern.

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