Lydia Machelett reitet als St. Martin durch die Lande

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Lydia Machelett und ihr Pferd Shirkhan. Der Tinker ist ausgesprochen gutmütig.

ALTENA - Am Donnerstag, 8. November, beginnt der Stress für Lydia Machelett und ihr 30 Jahre altes Pferd Shirkhan. Der weiß-braune Tinker und die 27-Jährige touren dann eine Woche durch die Region und treten neun Mal als Hauptakteure in den Laternenumzügen zu St. Martin auf.

Eine Woche Urlaub hat sich die junge Frau genommen. „Das ist nötig, denn gegen 16 Uhr, wenn die ersten Umzüge starten, habe ich in der Regel noch keinen Feierabend. In Altena haben wir in diesem Jahr drei, im Umfeld weitere sechs Auftritte“, erzählt sie. Es sei viel Arbeit, an einem Laternenumzug teilzunehmen, „und das ist deshalb nur im Team zu bewerkstelligen.“ Papa Ralf fährt beispielsweise den Pferdeanhänger zu den Auftrittsorten und zurück, Reitkollege Ralf Ossenberg-Engels schlüpft wechselweise mit ihr in die Uniform des römischen Offiziers Martin und sitzt dann als „Mantelteiler“ im Sattel. Freundin Nina Hillebrand führt bei jedem Umzug das Pferd am Halfter. „Es geht nicht ohne“, sagt Lydia Machelett. Denn ihr und den Kollegen ist wichtig, „dass die Kinder den Kontakt zum Pferd aufnehmen können. Viele wollen es streicheln, einfach mal anfassen.“

Viel Kurioses hat die Martin-Darstellerin in den vergangenen Jahren schon erlebt. Besonders in Städten mit einem hohen Migrantenanteil und damit anderem religiösen Hintergrund gab es schon Aussprüche wie: „Ist das aber ein großer Hund“ oder „Spricht das Pferd auch deutsch?“.

Damit ein Umzug reibungslos läuft, müssen Reiterin und Helfer stets das Umfeld im Auge haben. „Pferde sind Fluchttiere“, erzählt Lydia Machelett. So kann ihr Tinker zwar Blasmusik, Dunkelheit, vielstimmigen Gesang und Kinder gut vertragen, „aber wenn wir nahe an der Bahnlinie sind und immer wieder Züge vorbei rauschen, ganz so prickelnd ist das auch für Shirkhan nicht.“

Natürlich hat die junge Frau eine Extra-Versicherung abgeschlossen, wenn sie und ihr Pferd in öffentlichem Raum unterwegs sind. „Das ist Vorschrift“, aber man wolle ja nichts herausfordern. Bei Shirkhan fühle sie sich aber immer sicher, „der steht wie ein Baum und ist völlig unkompliziert“.

Lydia Machelett und ihre Kollegen sind übrigens ehrenamtlich unterwegs. „Wir bitten nur um einen kleinen Selbstkostenanteil.“ Die Mantelteil-Szene, oft Höhepunkt in vielen Umzügen, sei heute nicht mehr ganz so wichtig. Aber: „Dass wir als Martinsdarsteller mit Helm, Brustpanzer, Schwert und rotem Mantel hoch zu Roß dabei sind, reicht meistens“, sagt sie. Wenn es gewünscht sei, schlüpfe Begleiterin Nina Hillebrand aber auch mal schnell in die Rolle des Bettlers.

Saison ist für Lydia Machelett bis Mittwoch kommender Woche. „Dann ist alles gelaufen.“ Bis zum kommenden Jahr. Bis dahin sind Pferd und Reiter aber auch auf Kindergarten- oder Schulfesten und beim Mittelaltermarkt anzutreffen. „Es gibt halt immer etwas zu tun“, schmunzelt die junge Frau und striegelt Shirkhan. „Das Pferd steht draußen. Wenn es Kinder anfassen, sollen sie sich nun mal nicht einmatschen.“

von Johannes Bonnekoh

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