Mustermanns müssen sparen

Vater Staat und Mutter Stadt schlagen zu: 500 Euro mehr als bisher zahlen die Mustermanns für Strom, Gas und kommunale Steuern und Gebühren. ▪ Grafik: Grafe

ALTENA ▪ Vater, Mutter, zwei Kinder und ein Hund: Die Mustermanns sind eine ganz normale Familie. Wie alle anderen auch müssen sie seit gestern für viele Dinge tiefer in die Tasche greifen – fast 500 Euro mehr werden sie in diesem Jahr für Strom, Gas, Grundsteuer und viele andere Posten mehr bezahlen müssen. Aber: Sie können was dagegen tun.

Mustermanns haben vor einigen Jahren ein kleines, gebrauchtes Haus am Linscheider Bach gekauft. Sie heizen mit Gas, brauchen 150 Kubikmeter Wasser im Jahr und Mutter Erika ist Leserin der Stadtbücherei.

Gas ist und bleibt der größte Kostenfaktor für die Mustermanns, auch wenn der Preisanstieg hier moderat ausfällt. Sie verbrauchen 25000 Kilowattstunden im Jahr, ihr Lieferant sind die Stadtwerke. Nach Stand von heute müssen sie für ihren Jahresverbrauch 1732,03 Euro überweisen. Das sind 3,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Weitaus drastischer steigen die Kosten für Strom – Mustermanns kommen mit 5000 Kilowattstunden aus. 2012 berechnete Mark-E dafür 1241,19 Euro. Zum Jahreswechsel erhöht das Hagener Unternehmen seine Preise um mehr als 16 Prozent und führt zur Begründung den Anstieg der Umlagen für erneuerbare Energie, steigende Netznutzungsentgelte und andere, von außen beeinflusste Faktoren an. Fakt ist: 2012 zahlten die Mustermanns 23,51 Cent pro Kilowattstunde Strom, seit gestern sind es 27,55 Cent. Die Ausgaben für Strom steigen dadurch um gut 200 Euro auf 1443,19 Euro.

Vier Personen brauchen rund 150 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Hier bleibt der Preis stabil, Mustermanns zahlen dafür 555,37 Euro. Daran wird sich auch im neuen Jahr nichts ändern. Allerdings: Das Abwasserwerk langt heftig zu. 682,50 Euro musste die Familie bisher für die Kanalbenutzung, in diesem Jahr werden 807 Euro fällig – und da haben die Mustermanns noch Glück, dass die versiegelte Fläche ihres Grundstücks mit 100 Quadratmetern vergleichsweise klein ist. Mit 18,2 Prozent fällt der Preisanstieg hier noch höher aus als beim Strom.

Das verwundert vor allem deshalb, weil es sich bei diesen Kosten um kommunale Gebühren handelt – und für die gilt der Grundsatz, dass sie kostendeckend sein müssen.

Das ist offensichtlich ein dehnbarer Begriff – der Rat hat der Gebührenkalkulation nämlich schlicht eine neue, teure Position hinzugefügt. Angesichts der in Altena ohnehin schon überdurchschnittlich hohen Abwassergebühr wurde nämlich bisher auf eine Eigenkapitalverzinsung verzichtet. Das wird jetzt nachgeholt – im ersten Schritt wurde mit drei Prozent kalkuliert, das bringt der Stadt Mehreinnahmen von rund 400000 Euro. Für das Jahr 2016 ist eine Erhöhung des Zinssatzes auf sechs Prozent vorgesehen.

In den nächsten Wochen bekommen die Mustermanns wie alle anderen Hausbesitzer auch ihren „Bescheid über Grundbesitzabgaben“. Auch er bringt Mehrausgaben mit sich, und zwar bei der Grundsteuer. Deren Hebesatz hat der Rat mit der Haushaltsverabschiedung von 400 auf 500 Punkte erhöht. Für das „Gebrauchthaus“ der Familie werden 400 statt bisher 320 Euro fällig.

Der nächste Gebührenbescheid folgt auf dem Fuße, und zwar der für die Familienhündin Shakira. Für die muss Hundesteuer gezahlt werden, und zwar jetzt 84 Euro – bis letztes Jahr waren es noch 66 Euro, der Anstieg beträgt damit gut 27 Prozent. Mehr als dieser Anstieg ärgert die Mustermanns übrigens, dass ihre Nachbarn, die Müllers, für ihren Kater Theo keinen Cent Steuern zahlen.

Die prozentual gesehen höchste Kostensteigerung hat finanzielle Auswirkungen, die eher zu vernachlässigen sind – es geht um die Nutzungsgebühr der Stadtbücherei an der Marktstraße, die sich von 12 auf 24 Euro verdoppelt. Zahlen muss nur Mutter Erika – die beiden Kinder lesen nach wie vor zum Nulltarif, weil die jährliche Lesegebühr nur für Erwachsene erhoben wird.

Unterm Strich bedeuten all diese Zahlen, dass die Ausgaben der Familie in diesem Jahr um fast 500 Euro oder gut 11 Prozent steigen werden. Es sei denn, die Mustermanns tun etwas gegen die Preisanstiege. Dann können sie es nämlich tatsächlich schaffen, günstiger als bisher davon zu kommen.

„Anbieterwechsel“ heißt das Stichwort, vor allem bei m Strom lohnt sich die – dank Internet sehr einfache – Suche nach günstigeren Anbietern für Strom und Gas. Rund 350 Euro lassen sich zum Beispiel sparen, wenn man zum Anbieter „ExtraEnergie“ wechselt, der sogar Öko-Strom liefert und eine 24-monatige Preisgarantie gibt, die allerdings nicht mögliche Verteuerungen durch die Erhöhung staatlicher Abgaben einschließt.

Ihr Gas könnten die Mustermanns vom gleichen Anbieter beziehen und damit im Vergleich zu den Stadtwerken knapp 320 Euro sparen. In beiden Beträgen noch nicht berücksichtigt sind die so genannten Neukunden-Boni, die ExtraEnergie wie viele andere Anbieter einmalig zahlt und die zum Teil bei Betrtägen über 300 Euro liegen.

Von Thomas Bender

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