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Ausfall der Strom- und Gasversorgung: Bürgermeister appelliert an Altenaer

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Von: Thomas Bender

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Das Altenaer Rathaus verfügt über keine Notstromversorgung.
Das Altenaer Rathaus verfügt über keine Notstromversorgung. © Archiv

„Ich will gar nicht darüber nachdenken, was alles passieren könnte“, sagt Altenas Bürgermeister Uwe Kober zum möglichen Ausfall der Strom- und Gasversorgung im Winter. Er appelliert an die Altenaer.

Altena – Die Bürgermeister im Märkischen Kreis machen sich auf das Schlimmste gefasst: Mehrfach schon sei in ihrer Runde darüber diskutiert worden, welche Folgen längere Stromausfälle oder ein Ausfall der Gasversorgung haben könnten, schilderte Bürgermeister Uwe Kober in der Ratssitzung am Montag, 22. August.

„Ich will gar nicht darüber nachdenken, was alles passieren könnte“, sagte er, ließ die Ratsmitglieder dann aber doch an allerlei Schreckensszenarien teilhaben. Telefonnetze, die Wasserversorgung, Supermarktkassen und -türen – all’ das könnte ausfallen. Eine denkbare Folge sei, dass Alkoholiker mit dem Hammer die Scheiben der Tankstelle einschlügen, um an Schnaps zu kommen. Kommunales Handeln sei in solchen Situationen nur sehr eingeschränkt möglich: Das Rathaus verfüge über keine Notstromversorgung, bei Stromausfall verriegele die Alarmanlage automatisch die Türen.

„Unter Umständen müssen wir Möglichkeiten schaffen, dass Leute sich aufwärmen können“, sagte Kober vor dem Hintergrund, dass es auch zu Beeinträchtigungen für private Gaskunden kommen könnte. Das Problem: Die Stadt heizt auch mit Gas, und zwar fast ausschließlich. Einzige Ausnahme ist das Schulgebäude in Evingsen – allerdings wurde die dort vorhandene Ölheizung außer Betrieb gesetzt, weil das Gebäude leersteht. „Wir müssen darüber nachdenken, dort den Öltank wieder füllen zu lassern“, sagte der Bürgermeister.

Die Stadt selbst habe inzwischen alle nicht unbedingt erforderlichen Heizungen ausgeschaltet, vor dem Winter werde jede noch einmal gewartet und optimal eingestellt. Kobers Appell an die Altenaer: „Trefft Vorbereitungen“.

Dass die Befürchtungen des Bürgermeisters nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt eine Rückschau ins Jahr 2014: An einem Freitagabend im April kam es im Umspannwerk im Kleff zu einem Brand, der zu einer vierstündigen Unterbrechung der Stromversorgung in der gesamten Innenstadt führte. Auch damals lief in den Supermärkten gar nichts mehr, weil die Kassen nicht mehr funktionierten. Die Feuerwehr musste mehrere Menschen aus Aufzügen befreien – darunter auch zwei Monteure, die zweieinhalb Stunden im damals noch im Bau befindlichen Burgaufzug gefangen waren. Besonders dramatisch und beängstigend war die Situation damals für Menschen, die aus medzinischen Gründen (etwa weil sie zuhause beatmet werden) auf Strom angewiesen waren.

Mit den finanziellen Folgen der aktuellen Entwicklung beschäftigte sich Stadtkämmerer Stefan Kemper: Allein die von der Bundesregierung beschlossene Gasumlage koste für ein mittelgroßes Schulgebäude wie das der Sekundarschule rund 14 500 Euro pro Jahr, zitierte er aus einer Mitteilung des Städte- und Gemeindebundes. Hinzu kämen die bereits angekündigten weiteren Preissteigerungen für Gas und auch für Strom. Kemper: „Ein milder Winter würde uns helfen, ein strenger wäre schlecht“.

Besonders bedenklich ist in dieser Situation, dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer hinter den Erwartungen zurückbleiben – und die waren im Vergleich zu den Vorjahren schon deutlich zurückgeschraubt worden. Mit 7,36 Millionen Euro hatte der Kämmerer für das laufende Jahr gerechnet, nach jetzigem Stand wird eher eine sechs vor dem Komma stehen.

Ob der Haushaltsplanentwurf für 2023, den die Verwaltung im November einbringen wird, ausgeglichen sein werde, sei völlig offen, teilte Kemper den Ratsmitgliedern mit.

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