Feldpost aus der Hölle: Ehemaliger Kreisarchivdirektor würdigt Bracht-Werk

Auseinandersetzung mit einer vernachlässigten Geschichte

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Das Attentat von Sarajevo war natürlich Thema der AK-Ausgabe vom 29. Juni 1914. Fotos gab es damals in der Tageszeitung noch nicht.

Altena - Dr. Rolf Dieter Kohl, viele Jahre Kreisarchivdirektor beim Märkischen Kreis, empfiehlt jedem Dahler Bürger, das kürzlich erschienene Werk „Feldpost aus der Hölle des Ersten Weltkrieges“ von Wilfried Bracht zu lesen.

Das zahlreich bebilderte 530-Seiten-Werk ist für Kohl „(...) eine Möglichkeit, sich in das Geschehen vor 100 Jahren einzulesen und damit die Auseinandersetzung mit der vernachlässigten Geschichte der damaligen Zeit nachzuholen.“

Kohl attestiert dem Autoren, einen wesentlichen Beitrag zu leisten und den Dahlern und allen Geschichtsinteressierten etwas an die Hand zu geben, was im Bewusstsein der Dorfbewohner heute nicht mehr verankert sei. Er spricht beim Ersten Weltkrieg und seinen schmerzlichen Folgen für Dahle „von einer Verdrängung dieses Ereignisses, die bereits unmittelbar nach der Waffenruhe eingesetzt hatte.“ Es sei für ihn deshalb nicht verwunderlich, dass sehr viele Fotos, Dokumente und persönliche Aufzeichnungen über die Generationen hinweg verloren gingen.

Generationen

Das Bracht-Buch sieht er als „wesentlichen Beitrag zur Erforschung und Sicherung der Dahler Dorfgeschichte.“ Wilfried Bracht hat bekanntlich - unsere Zeitung stellte das Werk und Auszüge sowie Fotos mehrfach vor - mehr als 400 Feldpostbriefe und -postkarten in seinem Werk dargestellt. Einblicke in das schreckliche Kriegsgeschehen bekommt der Leser durch einen „wissbegierigen und schreibfreudigen Jugendlichen“, der einen umfangreichen Briefkontakt zu Dahler Freunden und Bekannten in den Kasernen und an der Front pflegte. Es sind teils erschütternde Einblicke in das Seelenleben der jungen Soldaten.

Wilfried Bracht 

Die Briefinhalte lassen aber auch Rückschlüsse auf die Versorgungslage sowohl der Soldaten als auch der Dahler zu. Zudem gibt Bracht dem Leser durch verschiedene Karten der Fronverläufe und dezidierte Zeittafeln einen genauen Ablauf des Kriegsgeschehens. Doch auch mit dem Ende des Krieges ist das Buch nicht abgeschlossen. Bracht gelang es, niederzuschreiben, wie die einst auf einen großen Sieg hoffenden Kämpfer mit der schmachvollen Niederlage wieder zuhause emotional umgingen, obwohl sie daheim nur selten über die Kriegsereignisse sprachen. Feldpost aus der Hölle ist nicht das erste Buch von Wilfried Bracht.

Nicht das einzige Werk

 Der ehemalige Lehrer und Grundschulrektor wirkte an vielen historischen Büchern und Schriften über Dahle und den heimischen Raum mit und brachte sich auch als Autor von Lehrwerken für die Grundschulen vielfach ein. Die Dokumentation ist über Wilfried Bracht persönlich oder über das Geschäft Appelhans zu erwerben.

Wilfried Bracht: Feldpost aus der Hölle des Ersten Weltkrieges, Dahler Soldaten an der Front. Dokumentation. 17 Euro.

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