Geflügelpest im MK: Halter warnen vor Hysterie

Das ist „der Sultan von Nachrodt“: Er lebt mit seinem Harem bei Ede und Martina Holstein.
+
Das ist „der Sultan von Nachrodt“: Er lebt mit seinem Harem bei Ede und Martina Holstein.

Da lachen ja die Hühner? In diesem Fall bestimmt nicht. Sie müssen seit sechs Tagen im Stall bleiben, dürfen nicht draußen ihrer Lieblingsbeschäftigung „Picken und Scharren“ nachgehen. Nachdem die Geflügelpest in einem Betrieb in Menden ausgebrochen war, hat der Märkische Kreis eine Stallpflicht verhängt. Aber nicht überall. Es gilt ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern und ein Beobachtungsradius von zehn Kilometern.

Altena/Nachrodt – Trotzdem sollten auch Altenaer und Nachrodter Geflügelhalter vorsichtig sein. Denn der Erreger ist hoch ansteckend und befällt neben Hühnern auch Puten, Enten und Gänse. In Altena und Nachrodt-Wiblingwerde gibt es jede Menge Federvieh – unter anderem bei Regina und Fynn Weustermann. 200 Legehennen genießen normalerweise frische Luft in Herlsen. Alle 14 Tage wird der zum Hühnermobil umgebaute Kühlanhänger versetzt. Und nun? Die Hühner haben einen Wintergarten bekommen. Ausgestattet mit einem Netz, Strohballen und Weidezaun können die Tiere weiterhin raus, wenn auch ihr Platz jetzt eingeschränkt ist. „Kein Greifvogel oder ein anderes Tier kommt dran“, sagt Regina Weustermann, wohlwissend, dass die Hühner, wenn sie komplett im Stall eingepfercht werden, sehr darunter leiden. Die Notlösung klappt dagegen gut. „Wir schützen die Hühner. Die Eier bleiben die gleichen“, sagt Regina Weustermann, um allen möglichen Spekulationen entgegenzuwirken. Es bestehe keine Gefahr für die Verbraucher. Andere Hühner-Besitzer haben Partyzelte aufgebaut, weiß Regina Weustermann. „Die bekommt man in der Pandemie sicher günstiger als sonst.“ Für Menschen, die keinen unmittelbaren Kontakt zu infizierten Tieren haben, bedeutet das Geflügelpest-Virus keine Gefahr. Auch können Geflügelfleisch sowie Eier nach Erhitzen gefahrlos verzehrt werden.

Belastend für Besitzer

Für die Besitzer der Tiere dagegen ist die Geflügelpest natürlich sehr belastend, zumal sie ganze Bestände betreffen und töten kann. Doch Ottfried Ferber, Vorsitzender des Altenaer Rassegeflügelzuchtvereins, sagt: „Ich bin trotzdem nicht beunruhigt.“ Er hat 25 Hennen und drei Hähne der Rasse „Große Welsumer orangefarbig“. Die Außenvoliere ist engmaschig mit einem Zaun geschützt und auch von oben abgedeckt.

„Die Tiere brauchen frische Luft. Man muss vermeiden, dass sie eng eingestallt sind, sonst können sie sich durch Federfressen gegenseitig schädigen“, erzählt Ottfried Ferber, der immer wieder erstaunt ist, wie viele Menschen Hühner halten. Zwar gehören nur etwa 100 Tiere zum Verein, aber es melden sich sehr viele Besitzer zwecks einer New-Castle-Impfung ihrer Tiere. Für die Newcastle-Krankheit gibt es in Deutschland eine Impfpflicht. Dies gilt auch für Hobbyhaltungen von einem oder zwei Tieren.

„Wenn man Platz hat, ist eine Hühnerhaltung wirklich schön“, findet Ottfried Ferber und ergänzt: „Man hat Eier, die man ruhigen Gewissens essen kann.“ Hühner legen übrigens auch ohne Anwesenheit eines Hahns Eier, aber Ottfried Ferber rät unbedingt auch zur Haltung eines Hahns, wenn auch manche Hühnerbesitzer auf Rücksicht zu den Nachbarn darauf verzichten. „Wenn nur Hühner da sind, wird sich eine dominante Henne hervortun und versuchen, den Hahn zu ersetzen. Manchmal versucht sie dann auch zu krähen. Und diese Henne legt häufig dann keine Eier.“

Grünfutterkörbe helfen

Mit Blick auf die Geflügelpest rät Ottfried Ferber allen Tierbesitzern, zum Beispiel Grünfutterkörbe in den Stall zu hängen, damit sich die Tiere besser beschäftigen können. Martina Holstein aus Nachrodt hat noch eine andere Idee: eine Badewanne mit trockenem Sand für den Stall. „Die Hühner lieben ihr Staubbad und wälzen sich gern darin“, erzählt die Besitzerin von 14 Hühnern und einem Hahn. Er trägt den Namen „Sultan von Nachrodt“. „Trotz Geflügelpest bin ich wirklich entspannt, weil unsere Tiere auch draußen geschützt sind“, sagt Martina Holstein und erzählt von Netzen, die gespannt sind.

Greifvögel sind bisher noch nie ins Gehege gekommen, allerdings schaffte es ein Fuchs. „Er kam durch alle Gärten, hat uns fünf Hühner gekostet und lief mit einem Huhn im Maul über die Klingestraße“, erzählt Martina Holstein, die braune und weiße Hühner hat. Übrigens: Tiere, die eine weiße Augenscheibe haben, legen weiße, mit einer dunklen Augenscheibe braune Eier – mit den Federn hat das also nichts zu tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare