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Puppen tanzen auf der Burg: Sonderausstellung „Vorhang auf!“ eröffnet

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Von: Jona Wiechowski

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Eine ganze Geschichte im Miniaturformat erzählen manche Bühnenbilder und Exponate der Sonderausstellung „Vorhang auf! Marionetten“. Sie sind mal lustig, mal gruselig – und immer spannend.
Eine ganze Geschichte im Miniaturformat erzählen manche Bühnenbilder und Exponate der Sonderausstellung „Vorhang auf! Marionetten“. Sie sind mal lustig, mal gruselig – und immer spannend. © Jona Wiechowski

Vorhang auf! Seit Sonntag haben die Marionetten das Sagen auf der Burg Altena und im Drahtmuseum. Passend zum zehnjährigen Jubiläum der beliebten Puppentheatertage widmet der Märkische Kreis den Figuren an Draht und Faden eine eigene Ausstellung. Die läuft noch bis November nächsten Jahres und wurde gleich bei der Eröffnung gut angenommen.

Altena – Wenn es um Marionetten geht, dann darf die Augsburger Puppenkiste nicht fehlen. In der Burg beschäftigt sich der ganze Ausstellungsraum mit der wohl bekanntesten Marionettenbühne Deutschlands. In verglasten Holzkisten können die Figuren aus „Urmel aus dem Eis“ genauso bestaunt werden wie jene aus „Der Prinz von Pumpelonien“. Das haben Gäste, darunter viele Ehepaare und junge Familien, bei der Eröffnung gern und gut genutzt. Sie hatten an diesem Tag kostenfreien Eintritt.

Schon beim Betreten des Raums sticht das Originalmodell der Lummerland-Insel aus der Neuverfilmung von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ hervor, das Anfang der 1970er Jahre entstanden ist. Oben sind die Protagonisten in der Lok zu sehen, unten durchsichtige Plastikfolie und blauer Stoff, womit in den TV-Sendungen stets das Meer dargestellt worden ist.

Puppen tanzen auf der Burg: Einblicke in die Geschichte der Augsburger Puppenkiste

Wie der Dreh fürs Fernsehformat abgelaufen ist, wird anhand eines Drehbuchs deutlich. Aufgeschlagen ist die Seite mit den Aufgaben für den Kameramann. „Emma (die Lok) kommt. Mitschwenken bis sie im Tunneleingang verschwindet“, heißt es da zum Beispiel. Oder: „Hochschwenken auf das königliche Schloss.“ Die fertige TV-Produktion läuft nebenan auf einem Fernseher.

Eintauchen können Interessierte auch in die Geschichte der Augsburger Puppenkiste, die im Zweiten Weltkrieg begann, als Gründer Walter Oehmichen als Soldat mit seiner Einheit in Calais stationiert war. „In einer dortigen Schule fand er ein Puppentheater ohne Figuren vor“, heißt es auf einer Info-Tafel. „Aus Pappe fertigte er eine Marionette, führte sie seinen Kameraden vor und erntete großen Zuspruch.“ 1948 fand mit „Der gestiefelte Kater“ schließlich die erste Vorstellung der Puppenkiste in der Augsburger Spitalgasse statt, wo das Theater bis heute ansässig ist. Bundesweit bekannt wurde die Puppenkiste in den 1950er und 60er Jahren durch Filme und Serien im Fernsehen.

Puppen tanzen auf der Burg:

Doch bis die Puppen endlich tanzen können, muss einiges getan werden. Eine Werkbank mit Skizzen, halbfertigen Körperteilen und vielen Werkzeugen lässt erahnen, wie groß der Aufwand ist, bis die im Schnitt 40 bis 45 Zentimeter großen Figuren fertig sind.

Marionette ist nicht gleich Marionette – das wird im Drahtmuseum deutlich, wo der zweite Teil der Ausstellung untergebracht ist. Dort begannen auch die vier Führungen zur Eröffnung der Sonderausstellung. Die ersten vier Interessierten leitete Museumsführerin Martina Rathjen-Sprenger entlang der Vitrinen. Sie zeigte die kleinsten Puppenmodelle der Ausstellung, die gerade einmal 20 Zentimeter groß sind, und stellte sizilianische Marionetten vor: „Die sind bis zu 1,5 Meter groß und bis zu 40 Kilogramm schwer.“ Bewegt würden diese Figuren mit Stäben und nicht, wie die meisten Figuren, mit Fäden an einem Spielkreuz.

Die Führung ging vorbei an einer Marienkäfer-Marionette, an einer großen Holzkiste aus den 1920er Jahren, in der Puppen sicher transportiert werden konnten, und an Fadenmarionetten aus Indien. „Eine These ist, dass die Wiege des Marionettentheaters in Indien liegt“, erklärte Rathjen-Sprenger.

Puppen tanzen auf der Burg: Große Wanderbühne zum Einpacken

Kennenlernen können Besucher im Drahtmuseum auch bekannte Puppenbildner, darunter Till de Kock, von dem Marionetten zu Goethes „Faust“ ausgestellt sind. 30 000 Handpuppen, Stabfiguren und Marionetten soll er während seines Lebens erschaffen haben. Ausgestellt sind zahlreiche historische Fotos, Theaterzettel, Plakate und Textbücher.

Viele Blicke zieht auch die vier mal sechs Meter große Wandermarionetten-Bühne, eine Leihgabe des Mitteldeutschen Marionettentheatermuseums in Bad Liebenwerda, auf sich. Besonderheit: Die Bühne besteht fast komplett aus Stoff und lässt sich platzsparend einpacken. Die illusorische Bemalung suggeriert dennoch einen richtigen Theaterraum mit Tiefe. Ein Höhepunkt der Ausstellung, den Kuratorin Dr. Agnes Zelck in ihrem Begrüßungsvideo hervorhebt. Dieses wurde vor jeder Führung gezeigt. Mit Blick auf Corona war eine größere Eröffnungsveranstaltung nicht möglich.

Zu den größten Ausstellungsstücken gehört ein Holzschiff mit Besatzung und Meerjungfrau aus „Robinson“ nach Daniel Defoe, das gar nicht so weit von Altena entfernt entstanden ist. Gebaut hat es Andreas Ermster, der 2008 die Lüdenscheider Marionettenbühne Mummenschanz zusammen mit seiner Familie ins Leben gerufen hatte. Inzwischen ist sie ein gemeinnütziger Verein. Ermster baut die Marionetten, Requisiten und Kulissen. Musik, Texte und Ton werden für die Vorführungen mittlerweile vorher in einem Tonstudio aufgenommen und zu einem Hörspiel abgemischt, heißt es auf der Info-Tafel. „Die Spieler können sich so besser auf das eigentliche Spiel konzentrieren.“ Wer sich selbst im Marionettenspielen versuchen möchte, hat dazu vor einem Spiegel die Möglichkeit.

Die Sonderausstellung „Vorhang auf! Marionetten“ kann bis zum 6. November 2022 im Drahtmuseum und auf der Burg besucht werden. Weitere Infos gibt es unter www.maerkischer-kreis.de, unter Telefon 0 23 52/9 66 70 34 oder per E-Mail an museen@maerkischer-kreis.de. Auch Führungen können dort gebucht werden.

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