Aufzugskritiker Bracht tritt aus der SPD aus

Gibt sein SPD-Parteibuch nach 48 Jahren ab: Wilfried Bracht

ALTENA - Wilfried Bracht ist aus der SPD ausgetreten. In einem Schreiben an den Ortsvereinsvorsitzenden Matthias Bergfeld und den Kassierer beendete der 67-Jährige damit eine genau 48 Jahre dauernde Mitgliedschaft.

Der Burgstädter, der innerhalb der Sozialdemokratie Altenas Spitzenämter inne hatte – er war jahrelang stellvertretender Bürgermeister und Fraktionschef im Rat – geht, weil ihm aus seiner Sicht die Partei den Dialog verwehrte.

Der Initiator von „altena innovativ“, der bekanntlich seit Wochen und Monaten gegen das Projekt Burgaufzug zu Felde zieht, macht seiner Ex-Partei entsprechend Vorwürfe. Natürlich habe er und die Gruppe „altena innovativ“ die Fraktion angeschrieben, um die eigenen Vorstellungen und Alternativen zum Burgaufzugsprojekt vorzustellen. „Doch wir haben weder eine Einladung in eine Sitzung noch überhaupt eine Antwort erhalten“, sagte er gestern. Das ist für Bracht „unerträglich“ und einer demokratischen Partei unwürdig.

Einer Partei unwürdig

Vorbilder wie Kurt Schumacher, Fritz Erler, Willy Brandt und später Johannes Rau führten ihn einst als jungen Mann in die SPD. „Die Reden von Fritz Erler habe ich als Kind im Radio verfolgt“, sagt er. Ihn habe immer fasziniert, wie die SPD daran gearbeitet habe, die Identifikation mit dem Aufbau einer demokratischen, auf Gerechtigkeit basierenden Gesellschaft voranzutreiben. Neben Brandt habe ihn später auch Johannes Rau mit seinen Ideen angezogen. Dazu gehörten in erster Linie die Verbesserung der Chancengleichheit für Arbeitnehmerkinder, die Eindämmung der Macht des Kapitals und die Friedenspolitik.

Nach wie vor fühle er sich aber der SPD und den Ideen der Sozialdemokratie eng verbunden. Willy Brand habe immer versucht, das „mehr Demokratie wagen“ zu propagieren und zu leben. Bracht wörtlich: „Ich glaube, das gilt heute mehr denn je, da die Bevölkerung den Eindruck hat, die Parteien würden ihre Interessen nicht mehr vertreten.“

Zur Kenntnis nehmen

SPD-Ortsvereinschef Matthias Bergfeld sagte auf Anfrage: „Es ist immer bedauerlich, wenn altgediente Genossen die Partei verlassen. Wenn für Wilfried Bracht die gemeinsame Geschichte aber an dieser Stelle zu Ende ist, können wir das nur zur Kenntnis nehmen.“

von Johannes Bonnekoh

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