Aufbruch in das Unbekannte

ALTENA ▪ Ich bin dann mal weg“ – ähnlich dem Titel des Bestsellerromans von Hape Kerkeling muss es für Eva Pungels Familie und Freunde geklungen haben, als die 64-jährige Dahlerin im vergangenen Oktober ihre Koffer packte und sich für sieben Monate nach Jerusalem auf den Weg machte. „Die Reaktionen reichten von „super“ bis „du spinnst“, lächelt Eva Pungel und fährt fort: „Die einhellige Meinung war jedoch: Mutig, das passt zu Dir.“

1977 und 1994 hatte die ehemalige Leiterin eines Iserlohner Kindergartens Jerusalem bereits besucht und sich in „diese verrückte, widersprüchliche und wunderschöne Stadt und ihre Menschen verliebt“. Als dann anlässlich ihres Ehrenamtes im Montagskaffee der Kreuzkirche Lüdenscheid die Email einging: „Café Auguste Victoria sucht Senior-Volontärin“, habe es gekribbelt.

Und dieses Kribbeln setzte sie in die Tat um: An fünf Tagen in der Woche leitet Eva Pungel jetzt das Café, welches direkt gegenüber der von Kaiser Wilhelm gestifteten Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg liegt. Sie bietet Kaffee und Kuchen, Sandwiches und kleine Gerichte an. Und sie führt Gespräche mit Gästen, mit Patienten des nahe gelegenen arabischen Krankenhauses und auch mit Ärzten, die vor schwierigen Operationen stehen. Mütter und Kinder einer multinationalen Krabbelgruppe, Mitarbeiter verschiedener internationaler Organisationen und natürlich auch Touristen treffen sich im Café Auguste Viktoria. „Alle bestaunen meine mechanische Apfelschälmaschine“, freut sich die Dahlerin. „Und der fantastische Apfelkuchen hat den Umsatz enorm gesteigert“, weiß Majdi, ihr palästinensischer Mitarbeiter im Café, zu berichten.

Wenn Eva Pungel Ende April nach Deutschland zurück kehrt, nimmt sie unzählig viele Erinnerungen mit: „Weihnachten beten in der Geburtskirche in Bethlehem, die orthodoxe Weihnachtsnacht am 7. Januar, meine erste Fahrt durch die judäische Wüste zum toten Meer, Chanukka an der Klagemauer und zur Rush-Hour durchs arabische Dorf fahren, das sind einige meiner schönsten Erlebnisse“, begeistert sich die Laienpredigerin. Die Quintessenz ihres Aufenthaltes beschreibt sie so: „Es lohnt sich, in Unbekanntes aufzubrechen“. Wer es der Volontärin gleich tun möchte, muss sich beeilen: Köstlichen Kuchen aus mechanisch geschältem Apfel à la Pungel gibt es am Ölberg nur noch bis Ende April.

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