Seit 14 Monaten im Einsatz

Auf Streife mit der Bodycam: Die Erfahrungen der Polizei

Bodycam Polizei
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Allein der Hinweis auf die Bodycams hat in vielen Fällen eine deeskalierende Wirkung: Seit einem Jahr kommen die Geräte auch bei den Polizeibeamten der Altenaer Wache zum Einsatz.

Klein, schwarz und ungemein hilfreich: Mit der Bodycam sammeln die Polizisten aus Altena sehr gute Erfahrung. Wenn sie die Kamera an der Uniform tragen, eskaliert so mancher Streit gar nicht erst.

Altena – Seit einem guten Jahr ist das kleine schwarze Gerät ein ständiger Begleiter, kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Situation zu eskalieren droht. 14 Monate ist es her, dass in NRW die sogenannten Bodycams für Polizeibeamte eingeführt wurden.

Von den damals bestellten 9000 Geräten gingen 170 in den Märkischen Kreis, wie viele genau davon wiederum in der Altenaer Wache ankamen, möchte Leiter Markus Nowak nicht sagen. „Das darf ich nicht.“ Für den täglichen Bedarf, zum Beispiel bei Streifenfahrten, seien es aber in jedem Fall genug Geräte, versichert Nowak.

Bodycams zu festem Bestandteil der Ausrüstung geworden

Nicht immer werden die Kameras auch genutzt, denn das Tragen der Bodycams ist freiwillig. Jeder Polizist entscheidet selbst, ob er die Kamera zum Außeneinsatz mitnimmt oder nicht. Von seiner Wache kann Markus Nowak berichten, dass die Kollegen die Bodycam inzwischen fast immer mitnehmen.

„Vor allem seit wir die neuen Polizeiwesten haben, an denen sich ein Fach extra für die Kamera befindet“, erklärt Nowak. Das „dritte Auge“ sei zu einem festen Bestandteil der Ausrüstung geworden, auf den die Beamten nicht mehr verzichten möchten. Denn die Erfahrungen sind positiv.

Einfach filmen geht nicht

Spätestens beim Beginn der Aufnahmen, erziele die Kamera in der Regel ihren gewünschten Effekt: „Aber auch schon das bloße Mitführen wirkt abschreckend“, sagt Nowak. Denn es muss einen konkreten Anlass geben, um die Bodycam einzuschalten, erklärt Wachleiter Nowak. Der Beamten muss sein Gegenüber auch über das Starten der Videoaufzeichnung informieren. Heimliche Aufnahmen sind unzulässig.

Polizeioberkommissarin Vanessa Schröer, die in der Altenaer Wache Schulungen für den Umgang mit der Bodycam gemacht und auch selbst Erfahrungen mit den Geräten gesammelt hat, kann die guten Erfahrungen bestätigen. Hitzige Diskussion ließen sich recht gut entschärfen, wenn die Kamera aktiviert wird.

Bauchgefühl spielt eine Rolle

Definierte Situationen, in denen man die Bodycam immer einschalten sollte, gebe es eigentlich nicht, sagt Nowak. Das sei immer vom Einzelfall und ein Stück weit auch vom Bauchgefühl der Kollegen abhängig, die aus Erfahrung wissen, wann die Stimmung kippt und Situationen brenzlig werden können.

Ganz klar ist auch: Manchmal kann es so schnell gehen, dass gar keine Zeit zum Starten der Aufzeichnung bleibt. Vor allem die Einsatzdynamik ist also entscheidend. Grundsätzlich dienen die Bodycams zum einen der Gefahrenabwehr, also auch der Deeskalation, zum anderen aber genauso der Beweissicherung.

Kamera zur Rekonstruktion

Und auch hier gebe es Erfolge zu berichten, sagt Markus Nowak. Es habe bereits einen Fall gegeben, bei dem ein Polizist der Altenaer Wache beleidigt wurde. Das ist strafbar und wurde zur Anzeige gebracht. Durch die Bodycam gab es keine Aussage-gegen-Aussage-Situation, denn das Video zählt als Beweismittel.

Vorgänge, die während Einsätzen sehr schnell passieren, und die sich im Nachhinein nur schwer in Worte fassen lassen, können mithilfe der Bodycam im Streitfall noch einmal detailliert gezeigt und so belegt werden. Auf diese Weise lässt sich ein Eindruck auch noch im Nachhinein richtig wiedergeben.

Videos werden automatisch gelöscht

Angefertigtes Videomaterial wird auf Servern gespeichert und anschließend von der Kamera entfernt, erklärt Nowak. Nach 14 Tagen werden die Aufnahmen dann automatisch gelöscht, es sei denn, sie werden tatsächlich als Beweismittel benötigt.

Wie oft die Bodycams bislang tatsächlich in Altena zum Einsatz gekommen sind, lässt sich nicht beziffern, weil es nicht erfasst werde, erklärt Kreis-Polizeisprecher Christoph Hüls. Doch ob Platzverweise, Streitigkeiten, Ruhestörungen oder Besuchsrechts-Verletzungen: Unterm Strich haben die Kameras den Effekt, den man sich gewünscht hatte.

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