Auch ohne Übersetzung fesselnd und brillant

Choreografin Cintia Takács ist Teil des Einsembles.

ALTENA ▪ Leider waren es nur rund 80 Zuhörer, die am Sonntagabend ein bemerkenswertes Musical in der Zentralen Raumgruppe (ZRG) des Burggymasiums in Altena besuchten. Dabei war es ein Werk, wie es „im Buche steht“.

Präsentiert wurde es von der Musical- und Tanzgruppe des Kossuth-Lajos-Gymnasiums, das schon seit Jahren mit dem BGA kooperiert. Das ungewöhnliche an der Aufführung der jungen Künstlerinnen und Künstler war, dass sie ausschließlich in ungarischer Sprache erfolgte. „Wir betreten hier Neuland“, erklärte Heinz Scholl, welcher als Pädagoge am Kossuth-Lajos-Gymnasium unterrichtet. „Aber nicht alle Darsteller sprechen Deutsch, so dass wir nur die ungarische Fassung anbieten können.“

Was die 35 beteiligten Tänzerinnen, Tänzer, Sängerinnen und Sänger am Sonntagabend in der ZRG boten, ließ die Frage aufkommen, ob es nicht gerade die ungarische Fassung ist, die die Authenzität des anspruchsvollen Themas richtig trifft. Das Musical spielt im Jahr 1945. Eine Horde verwahrloster, eltern- und heimatloser Kinder zieht durch das vom Krieg verwüstete Ungarn. Sie halten sich durch Raub, Diebstahl und Plünderungen am Leben. Sie erleben am eigenen Leib die Tiefen menschlichen Daseins in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Auf ihrem unsteten Weg treffen sie eines Tages einen Musiker. Er lehrt sie, dass die Macht der Musik über Schrecken und Terror herrschen kann. Er lehrt die Kinder Menschlichkeit und rettet sie so vor dem Zugriff des Gesetzes.

Damit das Geschehen auf der Bühne der ZRG für das Publikum verständlicher wurde, hatten sich die Veranstalter einiges einfallen lassen. So war oberhalb der Bühne eine Leinwand angebracht, die das jeweilige Geschehen in wenigen Sätzen zusammenfasste. Neben der Bühne befand sich ebenfalls eine Leinwand, auf der die sehr anspruchsvollen Texte des Originals in deutscher Sprache gelesen werden konnten. Doch die Akteure brachten ihr Spiel derart überzeugend und nachvollziehbar dar, dass es einer Übersetzung kaum noch bedurfte, so hilfreich war die Szenenbeschreibung.

Man spürte förmlich, was sie in ihrer eigenen Sprache ausdrücken wollten. Die Mimik, die Bewegungen, der gesamte Vortrag sprach seine eigene, von den Zuhörern verstandene Sprache. Sie erlebten ein Ensemble, dass in einer ergreifenden Glaubwürdigkeit eine Geschichte erzählt, wie Kinder und Heranwachsende ohne Familie, ohne Geld und ohne ein Zuhause versuchen, zu überleben. Bemerkenswert waren die Soli der Sängerinnen und Sänger. Sie verfügten allesamt über klare und markante Stimmen. Da saß jeder Ton. Die Tänzerinnen und Tänzer tanzten absolut synchron.

Es war unter dem Strich eine Aufführung, die mit einer professionellen Produktion mithalten konnte. Verwantwortlich für den großen Erfolg war neben der Regisseurin und Choreografin Cintia Takács auch der Hauptdarsteller Gergely Hargittay. Hervorzuheben ist der Auftritt der jungen Sängerin Viktòria Ellenbacher. Ihre Vorträge begeisterten das Auditorium. Das nach der Vorstellung befragte Publikum zeigte sich begeistert. Stefan Rohde: „Toll. Und das der Vortrag ungarisch erfolgte, wirkte sich meiner Meinung nach sogar positiv aus.“ Auch Doris Wagner und Nicole Schicketanz fanden die Vorstellung sehr gut. „Allerdings war es gut, dass die Hilfstexte eingeblendet wurden.“

Die zehnjährige Johanna Beyer war zunächst etwas verwirrt vom Geschehen. Doch nach kurzer Erklärung fand sie in das Thema und begriff, worum es ging. „Dann habe ich nur noch mitgefiebert“, sagte sie. Es sei unglaublich spannend gewesen. Und die Musik? „Absolut cool“. Weitere Auftritte des Ensembles wird es noch im Gymnasium in Schwerte und in der Waldorf-Schule Neuenrade geben. ▪ hb

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare