Oberärztin Elke Koling spricht vor dem Sozialdienst katholischer Frauen

Auch bei Demenz: Alltagskompetenzen fördern

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Oberärztin Elke Koling referierte vor Frauen des Sozialdienstes katholischer Frauen über das Krankheitsbild Demenz.

Altena - Elke Koling hat keine Angst vor Demenz. Aus ihrer Erfahrung als Oberärztin der gerontopsychiatrischen Institutsambulanz der Hans-Prinzhorn-Klinik weiß sie, dass betroffene Patienten noch immer viel Lebensqualität haben können. Mit großem Interesse lauschten ihr am Dienstag, 27. Februar, die Gäste des Sozialdiensts Katholischer Frauen, der Gastgeber des Vortrags im Haus der Caritas war.

Emotional, das weiß Elke Koling, sind demenzerkrankte Menschen noch immer voll da. Manche überleben ihre Erkrankung so lange, dass ihre akutesten Erinnerungen Kriegserlebnisse aus Kindheitstagen sind und die Patienten in große Angst versetzt werden. „Dagegen kann die Medizin leider nichts machen. Aber die Menschen, die sich um die Patienten kümmern, können ihnen mit Trost und Verständnis begegnen. Einfühlsame Pflege ist Grundvoraussetzung für alle Maßnahmen, die bei Demenz greifen können”, betonte Elke Koling.

Validation

Die Validation, das Abfangen von Gefühlen, hat sich in der Therapie oft bewährt, berichtete die Referentin: „Man kann den Realitätsansatz nehmen und einem 90-jährigen Mann erklären, dass seine Mutter bereits lange tot ist. Oder man nimmt seine Hand und sagt ,Ich verstehe, dass Du jetzt gern bei deiner Mutter wärst’. Je nach Zustand des Erkrankten können beide Methoden greifen. Merken Pfleger oder Angehörige aber, dass sie den Mann durch realistische Aussagen immer wieder in Trauer versetzen, dann sollte es bei der Validation bleiben.” Alltagskompetenzen fördern sollte in jedem Krankheitsstadium zum Tagesablauf gehören.

Hirnzellen

„Die Hirnzellen, die noch da sind, können in Anspruch genommen werden. Man muss einem Patienten das Zähneputzen nicht abnehmen, solange er es noch selbst kann.” Medikamente, spezielle Antidementiva, können das Fortschreiten des Zellenabbaus verzögern und damit auch die zunehmende Pflegebedürftigkeit. Verschrieben werden sie zumeist bei Alzheimer-Demenz. „Alzheimerpatienten bilden die größte Gruppe der Erkrankten”, so Koling. Sie verschreibt in der Iserlohner Ambulanz auch häufig Medikamente gegen Begleitsymptome von Demenz: Angstzustände, Unruhe und Depressionen gehören in vielen Fällen zum Krankheitsbild dazu. „Oft mache ich auch Hausbesuche im Pflegeheim und sehe dann, dass den ganzen Nachmittag über Gerichtsshows im Fernsehen laufen.

Ständig aufgeregt

Darin herrscht ständig ein aufgeregter Tonfall, doch der Handlung können die Bewohner eigentlich kaum folgen. Schon eine solche Hintergrundkulisse kann die Pflege enorm erschweren”, so Elke Koling. Manchmal, das betonte die Ärztin, könnten auch schwerst Demenzerkrankte für Überraschungen sorgen: „Ich habe eine Patientin, die sich gar nichts Zeitgeschichtliches mehr merken kann. Sie weiß aber, dass sie ein neues Urenkelkind hat. Das ist ein emotional behaftetes Thema, das lange haften geblieben ist.”

Aufbauen

Darauf könnten pflegende Angehörige aufbauen und auch professionell Pflegende eingehen: „Ich habe einen ehemaligen Pfarrer behandelt, der im Heim immer das Licht ausmachte, weil er im Pfarrhaus stets Strom sparen musste. Ihm hat man die Aufgabe gegeben, das Tischgebet zu sprechen, worüber alle sehr glücklich waren.” Elke Koling rät deshalb, vertraute Themen immer mal wieder in den Alltag einzubeziehen: „Es hilft Ihnen und auch Ihren Angehörigen.”

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